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Posted by Jens on 14.10.2008 at11:39:

  Präparation eines Ogmasaphus praetextus

Halloa allerseits,

Letzte Woche Donnerstag habe ich mich überreden lassen für die Greifswalder Geologie-Erstsemester eine Geschiebeexkursion in eine nahegelegene Kiesgrube zu machen. Neben ein paar Bernsteinen, darunter ein fast 3cm langes Stück, habe ich auch ein paar Brocken Ludibundus-Kalk gefunden.
Diese grobkristallinen Kalke aus dem Caradoc sind im Geschiebe mit die besten Quellen für ganze ordovizische Trilobiten.
Ich hatte einen Querbruch gesehen, der mich hoffen ließ, daß da mehr dahinter steckt, diese Hoffnung war leider trügerisch, es kamen nur 3 disartikulierte Pleuren bei der Präparation in Greifswald. Lustlos machte ich mich dann ans Zerprügeln eines der Gegenstücke, welches noch recht groß war, so 25cm lang. Naja, es sollte vor Ort in der Grube halt schnell gehen und so habe ich das Stück nicht kleiner gemacht. Ein Glück.

Jedenfalls beim Beschlagen im Institut offenbahrte sich ein perfekter Trilo und ich werde mal wieder seine Bergung festhalten. Auch als Ansporn für Geschiebesammler ähnliche Funde sehr vorsichtig zu behandeln, da die Schnittbilder dieser Trilos aufgrund der dünnen Schale unscheinbar sind und man sie beim besten Willen nicht mit dem Hammer präparieren sollte. Die Schale ist extrem empfindlich und neigt zum Splittern.

so, hier erstmal die Ausgangslage. Der Trilo liegt kerzengerade im Gestein, etwas schräg zur Schichtung, wie es bei vielen Asaphiden, wenn sie ganz sind, üblich ist.

lg,

Jens



Posted by Jens on 14.10.2008 at11:57:

 

So, die Sache geht weiter.

Nach dem Kleben mit Polyesterharz mußte erstmal eine Menge Gestein entfernt werden. Auf einem der Bilder oben kann man sehen, daß ich schon ein kleines Fenster gebaut hatte, wo ein paar Quadratmillimeter Schale freigelegt waren und was dann nach dem Kleben erweitert und dann zu einem tiefen Krater wurde.
Da etwa 8cm Gestein über dem Trilo liegen würde sich normalerweise Sägen anbieten, dooferweise hatte ich den Schlüssel zum Sägekeller nicht greifbar. Aber manchmal ist es auch gut genau zu wissen wie der Trilo drin liegt, bevor man ihm unabsichtlich was wegsägt. Nunja, schätze daß ich heute den Block etwas kleiner säge, was aufgrund der unberechenbaren Splittrigkeit des Ludibundus-Kalkes empfehlenswert ist. Diese Kalke verhalten sich ganz anders als das Marokkozeug, hier ist deutlich mehr Vorsicht geboten, wenngleich die Trennung dafür besser ist. Naja, abgesehen von den Bereichen mit der aufgeklebten Schale, da klebt die Matrix auf den Terassenlinien, was leider kein Vergnügen ist und einige der verdächtigen weißen Punkte auf den Pleurenenden trotz größter Vorsicht und Präparation unter dem Bino erklärt.

Auch ist zu sehen, daß einige Schalenbereiche hellbraun gefärbt sind, daß bedeutet, daß es Spannungen im Gestein gab und die Schale locker auf dem Steinkern sitzt, eine falsche Bewegung und die Schale geht hopps. Da ist echt Vorsicht geboten.
Strategie ist bis etwa 1 oder 2mm über der Schale den Kalk mit dem CP wegzumörsern und dann mit dem Krantz-Stichel die Feinarbeit mit möglichst geringer Krafteinwirkung zu machen. Nur so läßt sich ein tiefbrauner Farbton der Schale erhalten. Naja, hoffen wir das Beste..

Hier die nächsten Bilder, diese Prääpstufe hat ca. 4 h gedauert, was daran lag, daß ich sehr viel Gestein entfernen mußte und die Trennung auf den aufprääparierten Stellen zickig war.

lg,

Jens



Posted by enriwo on 14.10.2008 at17:15:

 

Hallo Jens,

hatte letzte Woche Mittwoch deine "Erstis" am Strand von Mukran-Dwasieden getroffen. Du konntest ja wohl nicht. Daher ist auch mein Pygidium, welches ich noch nicht zuordnen kann (Siehe - wer kann hier helfen).
Dir dann noch viel Spass und Glück bei der Präp deines O.praetextus!

LG,
Enrico



Posted by Jens on 15.10.2008 at16:29:

 

Hi allerseits,

hatte mal wieder viel Spaß beim weitermachen. Inzwischen sind ein guter Teil des Pygidiums und eine Ecke der linken Freiwange freigelegt.

Die Trennung zwischen Schale und Gestein ist bei der Freiwange und den Enden der Pleuren abscheulich, vermutlich liegt es daran, daß durch die starke Sparitisierung des Gesteins Mikrokristalle auf der Schale gewachsen sind, die die Trennung erschweren. Glücklicherweise wird es ins Gestein hinein besser, zum Teil ist sagar eine dünne Tonhaut vorhanden, von der der Kalk leicht abgeht.

Heute habe ich den Block dann auch kleiner sägen können, ein Formatisieren mit dem Hammer, wäre mit Sicherheit katastrophal geendet, diese Kalke brechen eben anders als die marokkanischen. Durch engständige Einschnitte auf der rechten Seite des Trilos spare ich mir Arbeit, die hohe Kante wegzubekommen. Das geht nun ganz fix. Man kann nen kleinen Hamer nehmen oder mit dem CP die Scherben entfernen. Geht prima und ist fix gemacht.

@Enriwo: Letzten Mittwoch hatte ich keine Zeit, wär schön gewesen, dich mal kennenzulernen. Aber vielleicht hast du ja Lust auf nen Trilobitenvortrag von mir, diesen Freitag um 19.30 im Geologischen Institut Greifswald, Friedrich-Ludwig-Jahn-Str. 17a.
Schätze für die anderen ist Greifswald ein bissel weit weg vom Schuß.

lg,

Jens



Posted by enriwo on 15.10.2008 at16:43:

 

Hallo Jens,

wieder mal beeindruckend deine Präsentation, erkennt man doch einen Profi Thumbs up . Man sieht auch deutlich, dass die Schale sehr bruchfreudig ist. Ich selber habe damit auch immer Probleme und komme um´s Kleben nicht drumrum. Aber schön sind die Tierchen aus dem Ludibunduskalk allemal.

...würde sehr gern zu deinem Vortrag kommen, aber meine Arbeit lässt das wiedermal nicht zu (Schichten).

LG,
Enrico



Posted by Michael on 16.10.2008 at08:17:

 

Hi Jens,
das sieht ja wieder toll aus. Wird bestimmt ein klasse Trilobit, da bin ich gespannt Anbetung
Mal ne Frage: Was ist denn Sparitisierung ?!? Ist vielleicht ne Bildungslücke, weiß nicht ob nur bei mir... Aber die zu schließen ist ja das Forum da.
Ansonsten freue ich mich auf weitere Bilder der tollen Präparation, ist ja wieder ne tolle Fotostory ;)

Viele Grüße,
Micha



Posted by Xiphogonium on 16.10.2008 at09:01:

 

Stimmt diese Beschreibung? :

"Sparit ist ein grobkörniger kalzitischer Zement, der infolge der Ausfällung aus einer Porenlösung die Zwischenräume zwischen den Komponenten eines Kalksteins ausfüllt.

Zusammen mit den feinen Sedimentkörnern der Matrix, die auch als Mikrit bezeichnet wird, bildet Sparit die Grundmasse eines Kalksteins. Solche Kalksteine, deren Grundmasse überwiegend aus Sparit-Kristallen besteht, nennt man nach der Kalksteinklassifikation von Folk (1962) sparitisch. Die Kristalloberflächen der idiomorphen Sparitkristalle sind die für das Glänzen oder Glitzern sparitischer Kalksteine verantwortlich.
"



Posted by Jens on 16.10.2008 at11:47:

 

Jau, das trifft den Punkt. Wenn irgendwas unklar ist, immer gleich nachfragen. Ich neige beim schnellschreiben dazu, zu viele Fachbegriffe unterbewußt einzustreuen.

Mit Sparitisierung wollte ich auf die ungewöhnlich vielen Kalzitkristalle (Zuckerkörnigkeit im Sammlerjargon) beim Ludibundus-Kalk hinweisen. Zudem sind reichlich Echinodermen-Sklerite und Trilobitenbruch an der Zusammensetzung des Kalkes beteiligt.

Hoffe ich komme in den nächsten Tagen dazu die Präparation abzuschlissen. Der Trilobit ist ja für Geschiebeverhältnisse ungewöhnlich gut und mit knapp 7cm Länge auch nicht gerade klein.

lg,

Jens



Posted by pavel2 on 16.10.2008 at11:53:

 

quote:
Original von Michael
Hi Jens,
das sieht ja wieder toll aus. Wird bestimmt ein klasse Trilobit, da bin ich gespannt Anbetung
Mal ne Frage: Was ist denn Sparitisierung ?!? Ist vielleicht ne Bildungslücke, weiß nicht ob nur bei mir... Aber die zu schließen ist ja das Forum da.
Ansonsten freue ich mich auf weitere Bilder der tollen Präparation, ist ja wieder ne tolle Fotostory ;)

Viele Grüße,
Micha


O.T.:
Schau dir Diene KOsov-Funde aus dem Cromus-Horizont an - typisch "spartanisch" ;)



Posted by Michael on 16.10.2008 at12:55:

 

Original von Pavel:
quote:
Schau dir Diene KOsov-Funde aus dem Cromus-Horizont an - typisch "spartanisch"

Stimmt, Pavel, der "Cromus- Kalk" ist wirklich so zuckerkörnig wie der Ludibundus- Kalk.
Danke an alle für die Aufklärung, wieder ein bisschen schlauer geworden ! Studium
Also warten wir gespannt auf die Vollendung der präp des schönen Asaphiden.

Viele Grüße,
Micha



Posted by Andries on 16.10.2008 at18:39:

 

Die Erfahrung mit den sparitisierung kenne ich auch bei den Marokkaner.
Ich habe mittlerweile drei Stück präpariert, welche oben super trennten und an den Pleurenenden, Freiwangen und Glabella-Saum, nahezu garnicht.
Bei zwei konnte ich mit leichten schaben mit stumpfer Nadel, noch gute Ergebnisse erzielen.
Deutlich besser, als es mit dem Druckluftstichel zu entfernen.
Zum teil flog Teile der Schale auch gleich mit ab, als ich es mit Druckluft probiert habe.

Mit ist noch nicht ganz klar, ob es sich hierbei um Verwitterungseerscheinungen handelt, natürlichere Rauhigkeit zu den Ende hin, oder austretenden Verwesungsflüssigkeiten, die Ursache hierfür ist.



Posted by Jens on 19.10.2008 at15:28:

 

@ Andries: Für das Kleben sind wohl diagenetische Prozesse die Hauptursache, Verwitterung ist in der Regel eher günstig und sorgt für bessere Trennung.

So, nu gehts weiter mit dem Ogmasaphus. Habe inzwischen nur noch wenig Gestein über dem Trilobiten, aber an vielen Stellen sitzt die Schale locker auf dem Steinkern, so daß man nur langsam vorran kommt und stehts Angst haben muß, daß Schale wegfliegen könnte. Ist leider schon bei ein paar kleinen Scherben passiert, snief, schluchz.

Bin mal gespannt, wie es am Kopfschild weiter geht, ein Riß zieht von oben runter ins Gestein, kein gutes Zeichen, aber hoffen wir das Beste.

Die Bilder sind heute blaustichig, da jemand an den Einstellungen der DigiCam gespielt hat, wurde beim Mikroskop genutzt und dann sieht es nach der Umrüstung auf Makroobjektiv oft anders aber leider nicht besser aus.

Grummel.

lg,

Jens



Posted by pavel2 on 19.10.2008 at17:39:

 

quote:
Original von Jens
@ Andries: Für das Kleben sind wohl diagenetische Prozesse die Hauptursache, Verwitterung ist in der Regel eher günstig und sorgt für bessere Trennung.
Jens


Und was ist, wenn die Lagen in der Nähe von wasserführenden Brüchen liegen und durch die Wasserwirkung sind die Fossilien mit dem Gestein wirklich "verbacken"? (Schiefer, Sandstein). nennt man es Verwitterung oder Diagenesis?

quote:
Original von Jens
...Bin mal gespannt, wie es am Kopfschild weiter geht, ....Jens


Der hat doch keinen Kopf, nur die linke Freiwange Teufel



Posted by Andries on 19.10.2008 at19:49:

 

Diagenese wird durch Tektonik (Tempatur und/oder Druck) verursacht.
Keine Ahnung ob es dafür einen Begriff gibt.
Vielleicht, Versinterung, Verkalkung oder einfach zementiert.

quote:
Original von Pavel
Der hat doch keinen Kopf, nur die linke Freiwange Teufel

Da spricht der erfahrene Trilobitensammler aus Tschechien. :o)



Posted by juniper on 19.10.2008 at22:30:

 

Durch den - eigentlich verunglückten - Cyan-Farbstich werden die Terrassenlinien auf der Spindel extrem gut sichtbar Smiley5

Weiter ein ruhiges Händchen wünscht
Klaus



Posted by pavel2 on 20.10.2008 at01:31:

 

quote:
Original von Andries
Diagenese wird durch Tektonik (Tempatur und/oder Druck) verursacht.
Keine Ahnung ob es dafür einen Begriff gibt.
Vielleicht, Versinterung, Verkalkung oder einfach zementiert.

quote:
Original von Pavel
Der hat doch keinen Kopf, nur die linke Freiwange Teufel

Da spricht der erfahrene Trilobitensammler aus Tschechien. :o)


Ich wollte dir nur ein Bisschen Angst anjagen ;)
Wenn ich ihn in der "Arbeit" hätte, hätte er auch die linke Freiwange nicht mehr :)



Posted by Jens on 20.10.2008 at11:27:

 

Pavel, du hast mir keine Angst gemacht, der Kopf ist da. Bei Trilobiten, die so schön drin liegen, ohne Anzeichen von Disartikulation, ist eigentlich immer alles dran. Inzwischen bin ich ja schon an der Glabella, aber es wird noch ein Weilchen dauern.
lg,

Jens



Posted by pavel2 on 20.10.2008 at12:41:

 

Ich weiß, ich weiß, ich hatte nie einen Zweifel, dass Du dich bei diesen "Biestern" auskennst Anbetung ;)
Wir freuen uns schon auf die nächsten Bilder. Hast Du auch die Arbeitsstunden zusammengezählt?

Pavel



Posted by Piltonia on 20.10.2008 at23:29:

 

Ich kann nur sagen,
ich habe nie eher gewissen das es bei mein Osterliche Nachbarn solche schoene Trilobiten gab im Geschiebe, Enriwo hat auch so ein Topic gehat mit schoene Geschiebe trilobiten.. Traum Trilobiten!!

Freue mich sehr auf die folgende Bilder von Ihr Ogmasaphus!!

mit freundlichem Gruss,

Mark



Posted by Jens on 21.10.2008 at11:50:

 

quote:
Original von Andries
Diagenese wird durch Tektonik (Tempatur und/oder Druck) verursacht.
Keine Ahnung ob es dafür einen Begriff gibt.
Vielleicht, Versinterung, Verkalkung oder einfach zementiert.


Hallo Andries, Diagenese betrifft aber alle gesteinsbildenen Prozesse. Was dir vorschwebt sind spätdiagenetische Prozesse die dann bis zur Metamorphose reichen können.

Im Falle des Ludibunduskalkes können wir davon ausgehen, daß nie allzu hohe Sedimentmächtigkeiten über diesen Kalken zur Ablagerung kamen. Denke bitte an die unterkambrischen platischen Tone im Baltikum oder die kaum verfestigten devonischen Sandsteine in Lettland und Estland. Ich gehe mal davon aus, daß im Gebiet wo der Ludibunduskalk herkommt, also die Ostsee östlich und nordöstlich von Öland, daß dort im Nachhinein wohl kaum mehr als 1km Deckgebirge drauf waren, was nicht wirklich viel ist.
Die starke Sparitisierung wird einen anderen Grund haben, möglicherweise viel Porenvolumen im Gestein, der sich am besten wohl als Biosparit ansprechen läßt.

@Piltonia: Es freut mich, daß unseren niederländischen Nachbarn die Geschiebetrilobiten gefallen. Ihr habt es aufgrund ungünstiger Aufschlußverhältnisse und kleinerer Steine viel schwieriger tolle Trilos zu finden. Aber es besteht durchaus auch Hoffnung. Ich wünsche jedenfalls viel Erfolg beim Geschiebesammeln.

lg,
Jens

PS: Ich werde mich heute noch ein wenig an den Trilo ransetzen. Momentan habe ich etwa 8h Arbeitszeit investiert und ich denke ein paar weitere Stunden werden noch nötig sein.


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