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Go to the bottom of this page Marokko 2008 - Ein schriftlicher Bericht in Raten! (Teil 4)
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Marokko 2008 - Ein schriftlicher Bericht in Raten! (Teil 4) Reply to this Post Post Reply with Quote Edit/Delete Posts Report Post to a Moderator       Go to the top of this page

Tage 8 & 9 – Sonntag & Montag – Erneute Fahrt nach Tafraoute, drohendes Unwetter, Entscheid über den Aufbruch

Anm.: Da ich auf unserem kleinen Trip keine Bilder gemacht habe, begleite ich diesen Teil mit zusätzlichen Bildern von Zirg.

Der Sonntag begann sonnig und angenehm. Nachdem sich unsere Trilojäger wieder in Richtung der Fundstellen aufgemacht hatten, schickten Hammi, Rainer und ich uns an, nochmals zwecks Nachschub nach Tafraoute zu fahren, dieses Mal natürlich auf einem anderen Weg und aus einer ganz anderen Richtung kommend. Nicht nur nach Rom führen tausend Wege! Rainer fuhr insbesondere mit dem Auftrag ab, sich bei den Daheimgebliebenen zu melden und Kunde davon zu geben, daß alle in guter Verfassung seien und kein Anlaß zur Sorge bestehe. Da an den Fundstellen Mobiltelefone nirgendwo funktionieren, muß man eben dahin fahren, wo sie funktionieren.


Die flankierende Erhebung bei Zirg. Die Rückseite des Höhlenbergs.


Wie gesagt, die Überhänge waren nicht sehr vertrauenerweckend.

Nachdem wir von unserem Plateau vorsichtig hinab in die Ebene gefahren waren, bogen wir „links ab“ und folgten einer zunehmend sandiger werdenden Piste. Hier wechselten in charakteristischer Weise verschiedene Bodenbeschaffenheiten einander ab: Die steinbedeckten, eher flachen und griffigen Pisten; die teils versandeten, von kleinwüchsigen Bäumen eingerahmten Flußläufe, die die überwiegende Zeit ausgetrocknet sind, sowie blankgespülte Geröllansammlungen, die ebenfalls den Aktivitäten von Wasser zuzuschreiben sind. Hammi legte eine Musikcassette mit für Mitteleuropäer eher gewöhnungsbedürftigen musikalischen Darbietungen ein und wir rumpelten so dahin, mit der streckenbedingt jeweils möglichen Geschwindigkeit, entlang des ganzen Gebirgszuges. Nach einiger Zeit öffnete sich das Tal, der rechtsseitig sich erstreckende Gebirgszug verschwand hier – wie so oft – einfach irgendwo im Boden. Hier galt es eine nur durch vereinzelte Büschel eines Wüstengrases an Eintönigkeit abgemilderte Sandfläche zu queren. Sand befährt man je nach Mächtigkeit, Steigung und Gefälle mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten. Im vorliegenden Fall schien Hammi eine zügige Durchfahrt angeraten, und so gab er etwas Gas, auf daß der Toyota mit entsprechendem „Drive“ über die Miniaturdünen kurvte.




Noch zwei Aufnahmen dieser Ecke.

Da ich nicht unbedingt kleinwüchsig zu nennen bin und dementsprechend auch auf dem Beifahrersitz eine minimal erhöhte Sitzposition einnehme, sah ich den querlaufenden Anflug eines Schattens sicher den Bruchteil einer Sekunde eher als Hammi. Mit einem lauten „Oooooooh!“ meinerseits auf die bevorstehende Gefahr aufmerksam machend, reagierte Hammi bereits und riß das Steuer nach links, dabei gleichzeitig auf die Bremse tretend. Das Heck des Land Cruisers schob nach, kam herum, wir kamen quer zu unserer ursprünglichen Fahrrichtung zum Stehen, die Reifen nur Zentimeter entfernt von einem tiefen Graben im Boden, in den wir eine Sekunde später unweigerlich hineingerauscht wären, mit womöglich unangenehmen Folgen mindestens im technischen Bereich. Nach ein paar Schrecksekunden tasteten wir uns langsam aus dieser Situation und mit einem verschmitzten Lächeln meinte Hammi daß er Allradantrieb uns schon daraus befreit hätte – (vorausgesetzt, daß die Vorderachsen beim Einschlag nicht ihren Geist aufgegeben hätten, wie ich hinzufügen möchte). Naja, Glück braucht der Mensch, Allah war gnädig, weiter geht die Fahrt. Wir kommen auf eine riesige, leicht abschüssige Ebene. Links erheben sich kleine Hügel, auf einem davon steht eine Überwachungsstation des marokkanischen Militärs, technisch offenbar auf neuerem Stand, zahlreiche Antennen und eine Radaranlage sind deutlich zu erkennen. Hier wacht die Armee des Königs über die international nicht eindeutig verlaufenden Grenzen mit Algerien, das einige Kilometer im Süden liegt.


Blick von den Höhlen hinab in die Ebene. Der Eindruck täuscht, der Abfall hinab ist viel steiler als hier angedeutet.

Rechts ist in der Ferne bereits Tafraoute erkennbar. Kamen wir bei unserem ersten Besuch aus Nordost, kommen wir jetzt aus Südost. Und daher sehen wir schon aus der Distanz, was ich bereits bei unserer ersten Visite mit Interesse zur Kenntnis genommen habe: Auf der Flanke eines hohen Berges unmittelbar nordöstlich des Dorfs ist in riesigen arabischen Schriftzeichen und in drei Zeilen etwas geschrieben. Es ist mir aufgrund des Abstandes nicht möglich zu erkennen wie diese Botschaft gemacht ist, etwa gemalt oder vielleicht aus andersfarbigen Gesteinsbrocken zusammengesetzt. Aber ich weiß was sie bedeutet, und ich bin der Überzeugung daß sie nicht zufällig auf diese Seite des Berges und in solch großer Höhe angebracht ist – vielmehr ist es augenscheinlich eine eindeutige Botschaft an den ungeliebten Nachbarn im Süden, denn hier steht sinngemäß:

„Für Allah,
unseren König
und das Land!“

Wir kreuzen die große Ebene mit ziemlicher Geschwindigkeit, hier kann kein Graben uns überraschen, denn durch das abgehende Gelände sehen wir praktisch von oben problemslos einen erkecklichen Teil der Piste ein. Dann stoppt Hammi das Fahrzeug in Höhe eines isoliert aus dem Boden aufragenden riesigen Sedimentbrockens (ich rede hier von einem Stück Fels, das man erhalten würde, wenn man aus dem Mrakib einen Quader annähernd gleicher Höhe ausschneiden würde!). „Hier sollten die Mobiltelefone schon funktionieren“, meinte er und nestelte sein Handy hervor. Ich beließ es bei einem einzigen Versuch, denn ein einziger kümmerlicher Balken in meinem Display verhieß nur bedingte Chancen auf einen akzeptablen Empfang. Also weiter nach Tafraoute. Wir kehren diesmal bei einem anderen „Restaurant“ ein und bedienen uns erst einmal an einem Milchkaffee.


Fahrt in der Ebene.


Unser Restaurant ...


... und das zugehörige Schild.

Hier war der Empfang mit dem Handy so gerade akzeptabel. Ich benutzte die Gelegenheit und rief Andries an, erstens um nachzufragen ob man womöglich auch unseren Rückflug storniert habe und wir vielleicht wieder nach Quazarzate fahren müssten statt nach Errachidia, zweitens um ihm dringend anzuraten den lokalen Wettergegebenheiten entsprechende Ausrüstung einzupacken, was sie dann offenbar auch beherzigten.

Dann schleppen wir die schon wieder leeren Wassersäcke zu dem Brunnen, der hinter dem Haus steht, und der so modern ist, daß man hier einfach nur einen Hahn aufdrehen muß. Flugs sind die Wassersäcke wieder randvoll und wir verstauen sie im Heck des Toyota. Das gleicht das Gewicht des fetten Mikey auf dem Beifahrersitz aus (zu meiner Körperfülle später mehr! <g>). Aber jetzt müssen wir noch einiges anderes einkaufen, also ab zum nächsten Supermarkt ......

.... der sich als typischer Shop entpuppt, wie es sie hier allenthalben gibt: Niedriges, quadratisches Gebäude, davor zeugen ein paar alte Treibstoff-Fässer von der Verfügbarkeit von Benzin und Diesel. Mit einer vorsintflutlichen Handpumpe wird der teure Stoff in kleinere Behälter umgepumpt und dann durch ein Handsieb in den Tank unseres Land Cruisers umgefüllt. Ich habe bemerkt daß Hammi den Tank immer nur bis zur Hälfte auffüllt, was natürlich zusätzlich Sprit spart, denn auch der Treibstoff selbst muß ja bewegt werden. Da die Entfernungen hier eigentlich nicht groß sind, die Strecken vielmehr mühselig und hindernisreich, und ein Fahrer daher ohnedies nicht unbedingt so fahren kann daß dabei viel Treibstoff verbraucht wird, ist das eine vernünftige Vorgehensweise. Im übrigen zählt bei unserem Fahrzeug wirklich jedes Kilo Gewicht: Durch Besatzung und Ausrüstung allein schon ziemlich ausgelastet und durch die verbrauchten Lebensmittel nur unwesentlich erleichtert, trägt die ständig wachsende Ausbeute unserer Trilobitenjäger mit ihren mehreren hundert Kilo nicht unbedingt dazu bei den Fahrkomfort zu steigern, vom Platzangebot hinten ganz zu schweigen.


Nirgendwo ist der Himmel blauer als in der Wüste.


Die Tankstelle .....


.... mit dem Shop um die Ecke.

Nachdem der Toyota wieder „voll“ ist, biegen wir einfach um die Hauswand, denn um die Ecke gibt es noch einen Eingang. Hier gibt es den ganzen anderen Bedarf für den einfachen Wüstensohn, von Gemüse über Erfrischungsgetränke bis hin zu Zigaretten. Von letzteren nehme ich zwei Päckchen mit, eine gebe ich später Harald. Von mir unbemerkt hat Hammi zehn Flaschen Coke (a 0,5 Liter) eingekauft und heimlich von einem seiner Landsleute im Auto verstecken lassen. Diese überreicht er mir verschmitzt lächelnd nach unserer Rückkehr ins Lager mit der Auflage sie in meinem Zelt zu verstauen, was ich sehr gerne tue. Nachdem wir alles bekommen hatten, machten wir uns auf den Rückweg. Auf der hinter Tafraoute liegenden, glatten Fläche, auf der im Winter bisweilen tagelang ein kleiner See steht, beweist uns Hammi noch einmal seine Künste als Sandfahrer und zieht Pirouetten ... und dann fällt ihm ein das wir noch Wasser brauchen, also wieder zurückgekurvt zu einem unserer Restaurants und am Brunnen nochmal Wasser nachgetankt.


Her mit dem Stoff!

Als wir wieder im Lager eintreffen ist es schon nach Mittag. Im Norden und Süden ist eine Bewölkung aufgezogen, die nicht unbedingt Gutes verheißt. Kaum ist es richtig dunkel, erleuchten Blitze den Nachthimmel – Nicht schon wieder! Im Süden tobt es offenbar über Algerien, so weit, so gut! Im Norden tobt es vielleicht zwischen dem Hohen und dem Antiatlas, aber auch sehr weit weg. Dann fängt es auch noch im Osten an zu leuchten. An drei Seiten von Unwettern eingeschlossen zu werden ist nicht unbedingt ein erstrebenswerter Zustand. Wir hoffen auf das Beste, denn direkt über uns ist der Himmel wolkenlos und wir können das Firmament bis tief über dem Horizont betrachten. Wir gehen mit der guten Hoffnung schlafen diesmal von den Unbillen des Wetters verschont zu bleiben – und werden nicht enttäuscht. Auch wenn aufkommender Wind an den Zelten zerrt und wir vorsorglich wieder verstärkte Befestigungen vorgenommen haben: Diesmal bleiben wir trocken.


Unmotivierter Gewaltausbruch meinerseits .... :]

Für den Montag vermerkt mein Tagebuch: „Im Westen nichts Neues!“ Wir haben uns entschieden am Dienstag unseren gastlichen Ort zu verlassen. Der Plan ist, die Nordseite des Mrakib aufzusuchen. Dort gibt es eine Stelle, an der neben unzähligen Gerastos in unmittelbarer Nähe auch andere Trilobiten vorkommen – etwa Acanthopyge. Dort wollen wir zwei Nächte verbringen und uns am Donnerstag langsam auf die Rückfahrt nach Erfoud machen .....

--- Fortsetzung folgt ---

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15.12.2008 19:39 Xiphogonium is offline Send an Email to Xiphogonium Homepage of Xiphogonium Search for Posts by Xiphogonium Add Xiphogonium to your Buddy List YIM Account Name of Xiphogonium: xiphogonium
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Teil 5 folgt sofort - die vorhergehenden Teile konnte ich heute durch zusätzliches Bildmaterial ergänzen! ;)

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16.12.2008 19:28 Xiphogonium is offline Send an Email to Xiphogonium Homepage of Xiphogonium Search for Posts by Xiphogonium Add Xiphogonium to your Buddy List YIM Account Name of Xiphogonium: xiphogonium
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