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Jens Jens is a male
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Predation on trilobites by Anomalocaris - War Anomalocaris ein Trilobitenkiller? Reply to this Post Post Reply with Quote Edit/Delete Posts Report Post to a Moderator       Go to the top of this page

Hallo allerseits,

vor kurzem (äh edit, naja 1999, also eher geologisch kurz;-) ist eine interessante Arbeit von Nedin über Anomalocaris als wahrscheinlicher Räuber (Predator) erschienen.

http://geology.gsapubs.org/content/27/11/987.abstract

(Gestern konnte ich die Arbeit noch downloaden, von meinem Privatrechner geht es aber nicht Daher hier eine kurze Besprechung des Artikels)

Anomalocaris predation on nonmineralized and mineralized trilobites
Christopher Nedin1
+ Author Affiliations

1Department of Geology and Geophysics, University of Adelaide, South Australia 5005, Australia

Abstract

"The giant Cambrian form Anomalocaris is considered to have been a raptoral predator of trilobites. However, doubt has been raised about its ability to successfully predate on strongly biomineralized forms (durophagy). A specimen of the trilobite Naraoia from the Early Cambrian Emu Bay Shale of South Australia represents the earliest direct body fossil evidence of predation on nonbiomineralized individuals. Analysis of arthropod cuticle rheology and examination of the injuries inflicted on this specimen suggest that Anomalocaris was the predator. It appears that some anomalocaridids actively utilized their large frontal appendages to rapidly flex trilobites during predation. Comparison with predation damage from mineralized trilobites and coprolites suggests that this method of flexing allowed durophagous predation. The presence in the Early Cambrian of durophagous, nonbiomineralized predators may have important implications for the role of predation pressure in the acquisition of mineralized cuticles and the rise of enrollment in trilobites. Variation in the frontal appendages of anomalocaridids indicates that niche partitioning within the genus was well established by the late Early Cambrian."

In der Arbeit von Nedin 1999 wird die Rolle von Anomalocaris aufgrund bekannter und neuer Funde diskutiert. Insbesondere die Funde von Emu Bay haben neue Einsichten ermöglicht. So wird eine vollständige Naraoia vorgestellt, deren rechte Seite offensichtliche Predationspuren aufweist. Diese Verletzungen bringt der Nedin direkt mit Anomalocaris als wahrscheinlichsten Verursacher in Verbindung.
Nedin geht auf frühere Studien ein, die Anomalocaris die physionomischen Möglichkeiten für eine durophage Ernährung absprechen. In der Tat scheint der Mund von Anomalocaris nicht geeignet damit Schalen zu zerbeissen, aber bisher wurden die stachelbewärten Anhänge (spiny appendages) ausser Acht gelassen. In einer Abbildung zeigt Nedin, wie er sich die Benutzung der "Appendages" vorstellt und zwar mittels "flexing" (was mit durchwalken übersetzen kann). Dabei erfüllen die Stachelklauen-Appendages eine Greif- und Raspelfunktion, die durchaus geeignet ist, um auch mineralisierte Schalen zu zerbrechen bzw. komplett zu zerstören. Ein indirekter Beweis sind grosse Koprolithen von Emu Bay, die Anomalocaris zugerechnet werden und Schalentrümmer von Trilobiten führen. Eine Abbildung solcher Schalentrümmer findet man auch bei Bonino & Kier (2010): p. 89, fig. 67.

Nedin weist darauf hin, dass den nichtmineralsierten Räubern (Weichkörperarthropoden) eine wichtige Rolle im kambrischen Ökosystem zugekommen ist und dass schon im Späten Unterkambrium. Bemerkenswert sind auch die enormen Abmessungen, die die Anomalocariden von Emu Bay erreicht haben. 1,5m sind nachgewiesen, bis zu 2m Länge werden vermutet. Man darf auch nicht vergessen, dass auch rein organische Verbindungen enorme Härte besitzen können, z. B. Skorpionzangen oder die Kneifzange von Insekten, wie Hirschkäfers oder Ameisen bestehen aus Chitin und haben keine mineralischen Einlagerungen.
Die Existenz dieser ersten durophagen Predatoren (also schalenknackender Raubtiere) schon am dem Unterkambrium dürfte die Entwicklung und Verstärkung mineralisierter Panzer beschleunigt haben. Denn es ist schon auffällig wie die Schalendicke der Trilobitenpanzer im Laufe der Zeit zunimmt. Kommen die frühen "Kambrier" noch mit sehr dünnen Schalen aus, bei Paradoxides war es nicht viel mehr als bei den späteren Scutelliden, die ja immer dünnschalig geblieben sind. Später im Ordovizium sind mehrfach dickere Schalen als im Kambrium verbreitet. Illaenus und Asaphus-Panzer haben oft eine Schalenstärke von über einen Millimeter. Die massivsten Panzer die ich kenne, findet man dann im Devon, wo besonders Phacopiden, wie Phacops, Drotops, Hypsipariops Panzer mit richtig dicken Schalen besassen. Auch hier scheint die Schalenverstärkung durch Predationsdruck (Evolution der Fische) notwendig geworden zu sein.

okay, interessantes Thema, mal sehen was ihr meint.

lg,

Jens
10.12.2011 15:57 Jens is offline Send an Email to Jens Homepage of Jens Search for Posts by Jens Add Jens to your Buddy List
Löwe4 Löwe4 is a male
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RE: Predation on trilobites by Anomalocaris - War Anomalocaris ein Trilobitenkiller? Reply to this Post Post Reply with Quote Edit/Delete Posts Report Post to a Moderator       Go to the top of this page

Sehr gut zusammengefasst und analysiert, Jens, vor allem was die nicht-mineralisierten Arthropoden betrifft. Es kann wohl angenommen werden, dass von diesen weichen Arthropoden nur sehr wenige fossile Belege vorhanden sind, obwohl sie wahrscheinlich im Ökosystem in der Überzahl vorhanden waren.

Gruss

Louis
10.12.2011 16:49 Löwe4 is offline Send an Email to Löwe4 Search for Posts by Löwe4 Add Löwe4 to your Buddy List
Jens Jens is a male
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Hi Löwe,

jau, genau ist das Problem (und danke fürs Lob), bisher haben alle Weichkörper-Lagerstätten eine Vielzahl nichtmineralisierter Arthropoden geliefert, aber an Fundorten mit normaler Erhaltung, kennt man eben nur Fossilien, die primär eine erhaltungsfähige Schale aus Kalzit oder Phosphat besessen haben.

Unser Bild was wir von der Lebewelt im Paläozoikum haben, hat sich jedenfalls durch die wenigen Weichkörper-Lagerstätten ziemlich umfassend geändert. Früher dachte man, dass die Trilobiten die "Herrscher" des Kambriums waren, heute sieht man sie als eine Gruppe unter vielen Arthropoden, aber ich denke mal, diejenige, die die höchste Diversität aufweist, nicht zuletzt auch aufgrund der Kalzifizierung der Schale, die sie unter den Arthropoden zu etwas besonderem macht.
Man stelle sich mal nen dicken Käfer mit der Schale und Stabilität eines Straussenei's vor;-)

lg,
Jens

PS: Wo wohnste eigentlich in der Schweiz, von allen Forianern, wohnst du sicherlich am nähesten dran;-)
10.12.2011 17:32 Jens is offline Send an Email to Jens Homepage of Jens Search for Posts by Jens Add Jens to your Buddy List
Jens Jens is a male
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Vielleicht noch ein paar weitere Infos,

wie sehen eigentlich die Fangwerkzeuge von Anomalocariden eigentlich aus. Hier hilft uns die fantastische Burgess-Shale Website weiter und ich möchte hier mal den Direktlink zu Anomalocaris anfügen:

http://burgess-shale.rom.on.ca/en/fossil...id=1&m=3&&ref=i

Was mir bislang noch gar nicht bewusst war, ist dass die Anomalocariden des Burgess Shales in einer recht üppigen Diversität vorkommen. Man beachte die Unterschiede der Appendages, wo man sie mittels guter Zeichnungen nebeneinander dargestellt hat. Offensichtlich gab es schon ziemlich früh eine Spezialisierung auf unterschiedliche Nahrung.

In der Abbildung E sieht es für mich nach einem Äquivalent einer Krebsschere aus. Verschiedene Krümmungsstadien der Appendages zeigen uns auch, dass diese beweglich gewesen sind und sich wie ein bestachelter Rüssel nutzen liessen. Spannend sind auch die gebogenen äusseren Klauen, die sich durchaus ähnlich einer Pranke/Tatze nutzen liessen. Ein Hieb mit dem ausgestreckten und blitzartig einrollenden Rüssel sollte schon in der Lage gewesen sein, die meisten damals vorkommenden Panzer zu durchdringen.

Die Aufnahmen sind jedenfalls genial und jeder kann selbst für sich Details entdecken.

lg,
Jens
12.12.2011 17:21 Jens is offline Send an Email to Jens Homepage of Jens Search for Posts by Jens Add Jens to your Buddy List
Jens Jens is a male
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In dem Zusammenhang ist es auch wichtig, die visuellen Möglichkeiten von Anomalocaris zu betrachten;-)

Es hat sich eben erst vor Kurzem herausgestellt, dass Anomalocaris Komplexaugen besass und somit in die Verwandschaft der Arthropoden gehören muss. Das war bislang nicht wirklich klar, da die doch im Vergleich ungewöhnliche Anatomie auch andere Alternativen möglich erscheinen liess.

Es gibt hierzu eine schöne Studie:

Acute vision in the giant Cambrian predator Anomalocaris and the origin of compound eyes

Paterson, García-Bellido, Lee, Brock, Jago & Edgecombe (2011): Acute vision in the giant Cambrian predator Anomalocaris and the origin of compound eyes. - Nature 480, 237–240.

http://www.nature.com/nature/journal/v48...ature10689.html

eine deutsche Zusammenfassung findet man hier:

http://www.scinexx.de/wissen-aktuell-14196-2011-12-08.html

Wie schon kurz im Thread Emu Bay besprochen gibt es neue Informationen von dieser ebenfalls bedeutenden Fossillagerstätte aus Australien. Man hat bei Anomalocaris 2-3cm grosse Komplexaugen gefunden und somit auch den Beweis, dass Komplexaugen sich sehr früh in der Evolution der Arthropoden entwickelt haben und dass der gemeinsame Vorfahr aller kambrischen Arthropoden ebenfalls schon diesen besonderen Augentyp besessen hatte.

lg,
Jens
13.12.2011 10:36 Jens is offline Send an Email to Jens Homepage of Jens Search for Posts by Jens Add Jens to your Buddy List
Piltonia Piltonia is a male
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RE: Predation on trilobites by Anomalocaris - War Anomalocaris ein Trilobitenkiller? Reply to this Post Post Reply with Quote Edit/Delete Posts Report Post to a Moderator       Go to the top of this page

Suggestive paper by Nedin.

This countered that paper:
http://burgess-shale.info/abstract/hagadorn

Mark
13.12.2011 19:08 Piltonia is offline Send an Email to Piltonia Search for Posts by Piltonia Add Piltonia to your Buddy List View the MSN Profile for Piltonia
Jens Jens is a male
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Hi Mark,

thanks for sharing the link to the abstract from Hagadorn (2009). He exclude Anomalocaris to be responsable for prey on trilobites, because his mouth-plates are not able to crush the hard calcitic shell, without damage.

I think we can agree with his conclusions, but we do not say that Anomalocaris use his mouth for biting;-) Nedin (1999) suggessted, that the destructive work was done with the appendages and this is the part I missed in the statement of Hagadorn.

As a example, human teeth are not able to crack a oyster shell, but many people have eaten oysters, because we use tools or in the case of Anomalocaris his dangerous appendages.

Hagadors stated that healed injuries known from Cambrian trilobites are U- or arc shaped. I think some are also W-shaped, but anyway. The predator must have used claws or a jaw to do such injuries. So, after his conclusions Anomalocaris can't be the one, who we can blame for killing trilobites. But is that true, because when you look close to the appendages of Anomalocaris than you can see, that every segment of the appendage is equiped with a dagger-like sporn, who has midways 2 smaller spines. And all are very poited and surely capable for a penetration of weak mineralized shells. And the first spikes of the appendage might be usefull as a claw.

compare:

http://burgess-shale.rom.on.ca/en/fossil...id=1&m=7&&ref=i

http://burgess-shale.rom.on.ca/en/fossil...id=1&m=7&&ref=i

Have we a evidence of a predation by Anomalocaris. I think yes, because of a slab of shale from the Emu Bay, figured by Bonino & Kier (2010): p. 89, fig. 67, which show a assemblage of scattered trilobite fragments which were parts of a big Redlichia takooensis . Unfortunately I have not the rights to share this picture, but for me the fragments of a complete scattered carapax with a fragment of 3 connected pleurae, which were resticted by a zig-zag-shaped fracture zone, that looks for me convincing;-)

Another thing, I have seen now the first time a picture of the mouth of Anomalocaris in a well resolution. And that mouth looks in fact dangerous:

http://burgess-shale.rom.on.ca/en/fossil...d=1&m=11&&ref=i

All segments of the mouth ending in a trifurcate spike, that is not the mouth of a vegetarian. It reminds me to the mouth of a sea urchin, but with much more teeth. The small teeth are probably not strong enough to crush a calcitic shell, but the are clear teeth of a predator.

all the best,
Jens
13.12.2011 21:02 Jens is offline Send an Email to Jens Homepage of Jens Search for Posts by Jens Add Jens to your Buddy List
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