TRILOBITA.DE
Registrierung Kalender Mitgliederliste Teammitglieder Suche Häufig gestellte Fragen Zur Startseite

TRILOBITA.DE » TRILOBITA.DE-Forum » Morphologie / Morphology » Deutungsversuche der nach frontal gerichteten Glabellafortsätze devonischer Marokkaner » Hallo Gast [Anmelden|Registrieren]
Letzter Beitrag | Erster ungelesener Beitrag Druckvorschau | An Freund senden | Thema zu Favoriten hinzufügen
Seiten (6): « vorherige 1 [2] 3 4 nächste » ... letzte »
Zum Ende der Seite springen Deutungsversuche der nach frontal gerichteten Glabellafortsätze devonischer Marokkaner
Autor
Beitrag « Vorheriges Thema | Nächstes Thema »
Jens Jens ist männlich
Moderator


Dabei seit: 18.03.2007
Beiträge: 2.167
Herkunft: HGW, momentan Jura, Schweiz

Auf diesen Beitrag antworten Zitatantwort auf diesen Beitrag erstellen Diesen Beitrag editieren/löschen Diesen Beitrag einem Moderator melden       Zum Anfang der Seite springen

Hallöchen,

ist ein interessantes Thema, was ihr hier angeschnitten habt.
Hat was für sich, die Nasen der Asteropygen als sensorische Organe zu deuten. Bei jeder Art sind sie ja ein bissel anders geformt. Kann mir auch vorstellen, daß die Viecher damit im Schlamm gewühlt haben, um vielleicht ein paar Würmer damit aufzustöbern.
Die Seitenstacheln der Stachelbiester dienen definitiv der Oberflächenvergrößerung und kommen unabhängig bei verschiedenen Gruppen vor. Soetwas bezeichnet man als Schneeschuhadaption und dienen meiner Meinung gegen ein Einsinken im Schlamm, vergrößerte Oberfläche, bessere Gewichtsverteilung, ist logisch. Die Stacheln nach oben machen doch Sinn gegen Freßfeinde, wie Fische. Es kann gut sein, daß die Entwicklung von Stacheln eine Coevolution mit den sich stark diversivizierenden Fischen darstellt.

An Turbite in Zguilma glaube ich nicht wirklich. Ich war zwar bisher nicht an den Aufschlüssen an der algerischen Grenze, aber ich kenne das Zguilma 3-Profil, was ja von Deutschen Paläontologen gut feinstratigraphisch untersucht wurde. Ich möchte daran erinnern, daß die meisten Trilos von Zguilma aus Kalkknollen stammen, zumindest die Wallis. Das Tindouf-Becken ist sicher ein Gebiet mit tiefen Wasser gewesen. Die Entwicklung großer Augen (denkt auch an Erbenochile) spricht dafür, daß es nötig war gute Augen bei wenig Licht zu haben.

Kalkturbitite können ja dann nur von einer nahegelegenen Kalkplattform (sollten dann auch Flachwasserformen führen) stammen, aber wo ist da sowas in der Region. Zudem müsste man in den Bänken Gradierungen sehen. Auch die Stapelung ganzer Trilobiten übereinander (wie man sie aus dem Maider kennt, fragt Udo) oder deren Verkeilungen miteinander dürften Hinweise für Schlammströme sein. Ich für meinen Fall habe in Zguilma 3 nicht wenige Exuvien gefunden. Nichts wirkte zusammengespült. Auffällig waren auch viele kleine Phacopse und Hollardopse, die Bedingungen am Zguilma 3-Profil waren knapp 60km weiter Nördlich von Zguilma eher ungünstig.

Okay, solls erstmal gewesen sein.

Viele Grüsse,

Jens

Dieser Beitrag wurde 1 mal editiert, zum letzten Mal von Jens: 21.03.2007 23:41.

21.03.2007 23:37 Jens ist offline E-Mail an Jens senden Homepage von Jens Beiträge von Jens suchen Nehmen Sie Jens in Ihre Freundesliste auf
Schachtratte
Member


images/avatars/avatar-9.gif

Dabei seit: 27.01.2007
Beiträge: 1.897

Themenstarter Thema begonnen von Schachtratte
Auf diesen Beitrag antworten Zitatantwort auf diesen Beitrag erstellen Diesen Beitrag editieren/löschen Diesen Beitrag einem Moderator melden       Zum Anfang der Seite springen

:D

__________________
Und was sagen Sie als Unbeteiligter zum Thema Intelligenz?

Der Idealismus wächst mit der Entfernung zum Problem!

"Ein Kluger bemerkt alles, ein Dummer macht über alles seine Bemerkungen."

Dieser Beitrag wurde 1 mal editiert, zum letzten Mal von Schachtratte: 01.01.2010 09:56.

22.03.2007 14:38 Schachtratte ist offline Beiträge von Schachtratte suchen Nehmen Sie Schachtratte in Ihre Freundesliste auf
juniper juniper ist männlich
Inner Circle


images/avatars/avatar-144.jpg

Dabei seit: 26.01.2007
Beiträge: 1.404
Herkunft: Aschaffenburg

Auf diesen Beitrag antworten Zitatantwort auf diesen Beitrag erstellen Diesen Beitrag editieren/löschen Diesen Beitrag einem Moderator melden       Zum Anfang der Seite springen

Udo schrieb:
Noch etwas tritt mit zunehmender Lateralbestachelung tritt ein: eine Abnahme der Rollfähigkeit.

Du meintest sicher die Fähigkeit des Einrollens (zum Schutz der Bauchseite).
Aber auch die andere Lesart ist überlegenswert:
Ausgreifende Stacheln (z.B. wie bei Dicranurus) könnten nicht nur das Einsinken im Sediment vermindert haben (wie man es von stark bestachelten Schneckengehäusen kennt), sondern sie waren vielleicht auch ein Schutz vor dem Davongespültwerden ("Rollfähigkeit") durch ortsübliche Strömungen.

Wäre interessant zu wissen, ob die Burschen nicht auch in der „Brandungszone” unterwegs gewesen sind.
Die Option „Einspülung/Zusammenschwemmung” durch z.B. Trübungsströme beinhaltet ja auch, daß die eingebetteten Tierchen aus unterschiedlichsten Lebensbereichen weggerissen und am Ort der Einbettung zusammengetragen wurden.
Ich glaube, diese Eigenschaft nennt man allochton (=nicht am Lebensort eingebettet), im Gegensatz zu autochton (=am Lebensort eingebettet).

lg.Klaus

__________________
„Ich suche nicht - ich finde.” Pablo Picasso.

2.Trilobiten-Tagung (19./20.2.2011): Abstracts der Vorträge
22.03.2007 15:00 juniper ist offline Beiträge von juniper suchen Nehmen Sie juniper in Ihre Freundesliste auf
Schachtratte
Member


images/avatars/avatar-9.gif

Dabei seit: 27.01.2007
Beiträge: 1.897

Themenstarter Thema begonnen von Schachtratte
Auf diesen Beitrag antworten Zitatantwort auf diesen Beitrag erstellen Diesen Beitrag editieren/löschen Diesen Beitrag einem Moderator melden       Zum Anfang der Seite springen

Doch, das genau habe ich mit der Abnahme der Rollfähigkeit gemeint.

__________________
Und was sagen Sie als Unbeteiligter zum Thema Intelligenz?

Der Idealismus wächst mit der Entfernung zum Problem!

"Ein Kluger bemerkt alles, ein Dummer macht über alles seine Bemerkungen."
22.03.2007 15:21 Schachtratte ist offline Beiträge von Schachtratte suchen Nehmen Sie Schachtratte in Ihre Freundesliste auf
juniper juniper ist männlich
Inner Circle


images/avatars/avatar-144.jpg

Dabei seit: 26.01.2007
Beiträge: 1.404
Herkunft: Aschaffenburg

Auf diesen Beitrag antworten Zitatantwort auf diesen Beitrag erstellen Diesen Beitrag editieren/löschen Diesen Beitrag einem Moderator melden       Zum Anfang der Seite springen

Hatte das anschließend im anderen Thread über Rollen und Einrollen gelesen.
„Rollfähigkeit" hat im Zusammenhang mit den Trilos ebend eine schöne Doppelbedeutung 8)

lg.Klaus

__________________
„Ich suche nicht - ich finde.” Pablo Picasso.

2.Trilobiten-Tagung (19./20.2.2011): Abstracts der Vorträge
22.03.2007 15:29 juniper ist offline Beiträge von juniper suchen Nehmen Sie juniper in Ihre Freundesliste auf
Michael Michael ist männlich
Inner Circle


Dabei seit: 16.02.2007
Beiträge: 892
Herkunft: Oberfranken

Auf diesen Beitrag antworten Zitatantwort auf diesen Beitrag erstellen Diesen Beitrag editieren/löschen Diesen Beitrag einem Moderator melden       Zum Anfang der Seite springen

Hallo, wäre beim Leben in der Brandungszone nicht eher eine glatte Körperform (weniger Angriffsfläche für die Strömung) besser geeignet ?
Stacheln könnten doch beim Herumgespültwerden leicht abbrechen, oder sind die so stabil ? In der Brandungszone wäre es doch vielleicht sinnvoller sich eingraben zu können oder flach auf dem Boden aufzuliegen. Kann natürlich falsch liegen, ist nur so eine Überlegung.
Viele Grüße
Michael
22.03.2007 15:33 Michael ist offline E-Mail an Michael senden Beiträge von Michael suchen Nehmen Sie Michael in Ihre Freundesliste auf
pavel2 pavel2 ist männlich
Inner Circle


Dabei seit: 29.01.2007
Beiträge: 689

Auf diesen Beitrag antworten Zitatantwort auf diesen Beitrag erstellen Diesen Beitrag editieren/löschen Diesen Beitrag einem Moderator melden       Zum Anfang der Seite springen

Zitat:
Wäre interessant zu wissen, ob die Burschen nicht auch in der „Brandungszone” unterwegs gewesen sind.


Falls wir die Gattung Ceratocephala zu den Stachel-Tieren einreihen können, lebte diese in der Nähe von der Brandungszone (im Kern eines Korallenriffes selbst gefundener Kopf).

Zitat:
der Brandungszone wäre es doch vielleicht sinnvoller sich eingraben zu können oder flach auf dem Boden aufzuliegen


Stimmt, vieles,was sich in diesem Umgebung bewegte, war flach oder abgerundet (Paralejurus, Myopsproetus - wieder der Korallenriff).

Es gibt jedoch beides, was in Flachgewässern lebte - "Stachlinge" und auch "Rundlinge". Ich würde also sagen - "Rundlinge" waren die Spaziergänger, "Stachlinge" sind in Höhlen gesessen.

Ich glaube aber, unsere Asteropygids lebten schon tiefer.
22.03.2007 15:51 pavel2 ist offline E-Mail an pavel2 senden Beiträge von pavel2 suchen Nehmen Sie pavel2 in Ihre Freundesliste auf
pavel2 pavel2 ist männlich
Inner Circle


Dabei seit: 29.01.2007
Beiträge: 689

Auf diesen Beitrag antworten Zitatantwort auf diesen Beitrag erstellen Diesen Beitrag editieren/löschen Diesen Beitrag einem Moderator melden       Zum Anfang der Seite springen

Jetzt fällt mir etwas ein: angenommen, unsere Wallis und andere lebten nicht ubedingt in Schleim, bzw. der Meeresboden war fest genug, um Ihr Gewicht zu tragen (um es festzustellen, braucht man u. a. auch die Begleitfauna). Wann verliert man eine Fähigkeit (Einrollung) - wenn man sie nicht braucht => diese musste dann durch eine andere Abwehrstrategie ersetzt werden. Das waren die Stachel nicht, die sind hervorragender Zusatz zur Einrollung, kein Ersatz. Ein Gabel nach vorne gerichtet kann auch nicht schützen, ist eher ein aktives Organ als eine passive Abwehr.
Wie wäre es mit Algen oder ählichen Pflanzen? Die würden sicher auf dem bestachelten Körper halten, durch die Bestachelung gut unterstüzt. Abhängig von der Umgebung könnte es eine hervorragende Tarnung sein. Diese "Pflanzen" könnten dann auch Sicht nach vorne so verhindern, dass die Trilos ein Rambock entwickelt hatten. Oder, die Gabel sind nicht ganz Pflanzenteilen unähnlich...

Die Gedanken über die Körperstabilität finde ich sehr interessant, glaube jedoch, es hängt auch damit zusammen, wie die Glieder ausgesehen haben

Gruß Pavel
22.03.2007 16:10 pavel2 ist offline E-Mail an pavel2 senden Beiträge von pavel2 suchen Nehmen Sie pavel2 in Ihre Freundesliste auf
juniper juniper ist männlich
Inner Circle


images/avatars/avatar-144.jpg

Dabei seit: 26.01.2007
Beiträge: 1.404
Herkunft: Aschaffenburg

Auf diesen Beitrag antworten Zitatantwort auf diesen Beitrag erstellen Diesen Beitrag editieren/löschen Diesen Beitrag einem Moderator melden       Zum Anfang der Seite springen

Gliedmaßen
Ich habe einige Trilos (Bundenbach) gesehen, bei denen die Erhaltung der Gliedmaßen sehr zart und zerbrechlich wirkte.
Und einen, da sehen sie aus wie von Krabben oder Krebsen, richtig robust Der Verblüffte
Seitdem hat sich in meinem Kopf ein Bild festgesetzt, daß sich die Trilos, wenns drauf ankam, mit ihren Beinchen auch richtig feste am Boden anklammern konnten...
Der Meeresgrund sah damals unter Garantie nicht anders aus als in heutigen Meeren (Sand, Kies, Felsen, Schlamm, Watt und andere Gezeitenzonen usw).
Der Begriff „aus dem Ur-Schleim hervorgekrochen” ist ja nur sinnbildlich zu verstehen.

Gabelschnauze
Neben der verbreiteten Idee, daß der Frontalfortsatz beim Walli eventuell geschlechtsspezifisch war (man vergleiche männliche und weibliche Hirschkäfer) und entsprechendem Zweck diente (Rangeleien), kam mir auch der etwas abwegige Einfall, daß diese Gabel irgendwie nach „Metallsuchgerät“ ausschaut.
Also ein Träger für Wahrnehmungssensoren war, die zweckgebunden einen gewissen Abstand vom Körper haben mußten.
Sozusagen „Lauscher” über dem Boden, um zum Beispiel dort verborgene Nahrung aufzuspüren.

Ich persönlich halte die außergewöhnlich Formenvielfalt nicht für ein „letztes Aufbäumen mit abwegig-skurrilen Formen” kurz vor dem Exitus, sondern als Beweis für die Anpassung an die verschiedensten ökologischen Nischen, inklusive Ausbildung entsprechender Spezialisten.
So ganz un-erfolgreich waren sie ja nicht. Wenn man bedenkt, daß sie etliche Mio. Jahre durchgehalten haben - da muß sich die Spezies Homo noch ein bisserl anstrengen.

Interessant ist im übrigen, daß man häufig die Entwicklung der Fische (als Räuber) für den Niedergang der Trilobiten verantwortlich macht.
Man sollte mal beobachten, was für Killer-Jagdmaschinen Cephalopoden sind (die sogar Fische zur Strecke bringen). Und der enorme Erfolg der Tintenfische (Geradhörner seit Urzeiten, Ammoniten ab dem Devon!) ist ja unbestreitbar. Ob sich die Tintler neben Trilos auch an den frühen Fischen gütlich getan haben? Irgendeine Nahrungsressource müssen sie ja erschlossen haben, wenn sich sich so stark entwickeln konnten...

lg. Klaus

__________________
„Ich suche nicht - ich finde.” Pablo Picasso.

2.Trilobiten-Tagung (19./20.2.2011): Abstracts der Vorträge
22.03.2007 18:30 juniper ist offline Beiträge von juniper suchen Nehmen Sie juniper in Ihre Freundesliste auf
Michael Michael ist männlich
Inner Circle


Dabei seit: 16.02.2007
Beiträge: 892
Herkunft: Oberfranken

Auf diesen Beitrag antworten Zitatantwort auf diesen Beitrag erstellen Diesen Beitrag editieren/löschen Diesen Beitrag einem Moderator melden       Zum Anfang der Seite springen

Die Deutung der Walli- Gabeln als "Metallsuchgerät" , d.h. zum Aufspüren elektrischer Felder evtl. Beute oder Futter, finde ich nicht abwegig, sondern ziemlich einleuchtend. Für andere Zwecke, außer vielleicht um damit Geschlechtspartner zu beeindrucken, sieht sie ja ziemlich sperrig aus. Auch andere Trilo- Nasen lassen sich in vielen Fällen vielleicht am besten als Sensoren erklären.

Grüße Michael
22.03.2007 18:47 Michael ist offline E-Mail an Michael senden Beiträge von Michael suchen Nehmen Sie Michael in Ihre Freundesliste auf
Xiphogonium Xiphogonium ist männlich
Administrator


images/avatars/avatar-125.gif

Dabei seit: 26.01.2007
Beiträge: 2.383
Herkunft: Banana Republic

Auf diesen Beitrag antworten Zitatantwort auf diesen Beitrag erstellen Diesen Beitrag editieren/löschen Diesen Beitrag einem Moderator melden       Zum Anfang der Seite springen

Ich persönlich kann der Hypothese, daß bei manchen Trilobiten die Bestachelung oder die verschiedenen Protrusionen eine "Imponier-Morphologie" repräsentieren, viel abgewinnen. Umso erfreuter war ich, als Fortey in 2005 mit einem Artikel rauskam, der in diese Richtung ging und ehrlich gesagt habe ich mich schon längere Zeit vorher gefragt warum dieses Ansatz nicht deutlicher verfolgt wurde.

Ich nehme mal als Beispiel Walliserops mit seiner Gabel. Diese Gabel bestand ganz offensichtlich aus dem gleichen, rigiden und starren Kalzit wie das restliche Exoskelett, ansonsten wäre es nicht erhalten geblieben. Wenn ich mich recht entsinne ist die Gabel darüber hinaus fest mit dem Cranidium verbunden, also ohne irgendeine Art von Ligament dazwischen.

Es will mir nicht recht einleuchten, daß ein solches eher starres Teil als Werkzeug eingesetzt worden sein soll um im Sediment zu stochern oder ähnliches. Ich habe dazu auf Trilobita.de unter "Bestachelung" meinen Standpunkt ja klar gemacht.

Gruß

Mike

__________________
"The gates of Heaven and Hell are adjacent ... and unmarked!" - Carl Sagan
Empfehle uns weiter! ;) (Klappern gehört zum Handwerk!)

22.03.2007 20:21 Xiphogonium ist offline E-Mail an Xiphogonium senden Homepage von Xiphogonium Beiträge von Xiphogonium suchen Nehmen Sie Xiphogonium in Ihre Freundesliste auf YIM-Name von Xiphogonium: xiphogonium
Schachtratte
Member


images/avatars/avatar-9.gif

Dabei seit: 27.01.2007
Beiträge: 1.897

Themenstarter Thema begonnen von Schachtratte
Auf diesen Beitrag antworten Zitatantwort auf diesen Beitrag erstellen Diesen Beitrag editieren/löschen Diesen Beitrag einem Moderator melden       Zum Anfang der Seite springen

Zitat:
Original von Xiphogonium
Ich persönlich kann der Hypothese, daß bei manchen Trilobiten die Bestachelung oder die verschiedenen Protrusionen eine "Imponier-Morphologie" repräsentieren, viel abgewinnen. Umso erfreuter war ich, als Fortey in 2005 mit einem Artikel rauskam, der in diese Richtung ging und ehrlich gesagt habe ich mich schon längere Zeit vorher gefragt warum dieses Ansatz nicht deutlicher verfolgt wurde.
Wem soll denn da imponiert werden? Männer und Frauen sich gegenseitig? Oder ist es vielleicht ein Drohfaktor? Man bedenke, diese Exostosen kommen schon bei ganz kleinen Exemplaren vor. Heiko hat so einen Walli-Minni. das kommt mir noch nicht ganz schlüssig vor.

Ich nehme mal als Beispiel Walliserops mit seiner Gabel. Diese Gabel bestand ganz offensichtlich aus dem gleichen, rigiden und starren Kalzit wie das restliche Exoskelett, ansonsten wäre es nicht erhalten geblieben. Wenn ich mich recht entsinne ist die Gabel darüber hinaus fest mit dem Cranidium verbunden, also ohne irgendeine Art von Ligament dazwischen.
Ein Werkzeug, wie zum Schippen oder Stochern schließe ich auch aus, einen Organträger, wie Michael ihn erwähnt, nicht.

Es will mir nicht recht einleuchten, daß ein solches eher starres Teil als Werkzeug eingesetzt worden sein soll um im Sediment zu stochern oder ähnliches. Ich habe dazu auf Trilobita.de unter "Bestachelung" meinen Standpunkt ja klar gemacht.


Gruß

Mike


__________________
Und was sagen Sie als Unbeteiligter zum Thema Intelligenz?

Der Idealismus wächst mit der Entfernung zum Problem!

"Ein Kluger bemerkt alles, ein Dummer macht über alles seine Bemerkungen."
22.03.2007 20:36 Schachtratte ist offline Beiträge von Schachtratte suchen Nehmen Sie Schachtratte in Ihre Freundesliste auf
Xiphogonium Xiphogonium ist männlich
Administrator


images/avatars/avatar-125.gif

Dabei seit: 26.01.2007
Beiträge: 2.383
Herkunft: Banana Republic

Auf diesen Beitrag antworten Zitatantwort auf diesen Beitrag erstellen Diesen Beitrag editieren/löschen Diesen Beitrag einem Moderator melden       Zum Anfang der Seite springen

Das Problem ist ja daß der Bereich Sexualdimorphismus ein kaum bestelltes Feld ist, aus nachvollziehbaren Gründen. Viele Trilobiten, die wir heute unterschiedlichen Arten zuordnen, könnten schlicht unterschiedliche Geschlechter der selben Art sein.

Dafür gibt es in der rezenten Fauna genügend Beispiele. Würde man diese Arten fossiliert finden und wüsste nicht um ihren Dimorphismus, wieviele "Spezies" würden dann wohl wieder fälschlich aufgestellt?

Mike

__________________
"The gates of Heaven and Hell are adjacent ... and unmarked!" - Carl Sagan
Empfehle uns weiter! ;) (Klappern gehört zum Handwerk!)

22.03.2007 20:40 Xiphogonium ist offline E-Mail an Xiphogonium senden Homepage von Xiphogonium Beiträge von Xiphogonium suchen Nehmen Sie Xiphogonium in Ihre Freundesliste auf YIM-Name von Xiphogonium: xiphogonium
Jens Jens ist männlich
Moderator


Dabei seit: 18.03.2007
Beiträge: 2.167
Herkunft: HGW, momentan Jura, Schweiz

Auf diesen Beitrag antworten Zitatantwort auf diesen Beitrag erstellen Diesen Beitrag editieren/löschen Diesen Beitrag einem Moderator melden       Zum Anfang der Seite springen

Fortey hat das Thema Sexualdimorphismus beim Walli schnell fallengelassen, als er gemerkt hat, daß verschiedene Walli-Spezies in verschiedenen stratigraphischen Horizonten und Regionen vorkommen. Man denke nur an den bisher noch nicht beschriebenen Maider-Walli, der ja wieder anders als die Zguilma-Wallis aussieht. Kommt übrigens im Maider auch im Oberems vor, auch in ner Tiefwasserfazies. War ne schöne Idee, hat aber den Praxistest nicht bestanden.

Homalonotiden in sandigen Sedimenten sind Hinweise für Flachwasser. Scutelliden wie Scabriscutellum neigen zur Riffnähe, sind aber nicht darauf beschränkt.

Die Größe der Augen ist tiefenabhängig, sieht man bei Phacopiden, diese reduzieren im Verlaufe des Mittel- und Oberdevon zunehmend ihre Augen und erblinden fast. Grund, der Meeresspiegel stieg, es entwickelte sich eine Cephalopodenfazies (mit vielen Ammos im Oberdevon). Wenn dunkel ist braucht man keine Augen. Wenn etwas Licht da ist, hat man mit Superaugen Vorteile.

lg,

Jens
22.03.2007 23:21 Jens ist offline E-Mail an Jens senden Homepage von Jens Beiträge von Jens suchen Nehmen Sie Jens in Ihre Freundesliste auf
Schachtratte
Member


images/avatars/avatar-9.gif

Dabei seit: 27.01.2007
Beiträge: 1.897

Themenstarter Thema begonnen von Schachtratte
Auf diesen Beitrag antworten Zitatantwort auf diesen Beitrag erstellen Diesen Beitrag editieren/löschen Diesen Beitrag einem Moderator melden       Zum Anfang der Seite springen

Zitat:
Original von Xiphogonium
Das Problem ist ja daß der Bereich Sexualdimorphismus ein kaum bestelltes Feld ist, aus nachvollziehbaren Gründen. Viele Trilobiten, die wir heute unterschiedlichen Arten zuordnen, könnten schlicht unterschiedliche Geschlechter der selben Art sein.
Vorkommen in einer Schicht, Zugehörigkeit zur gleichen Gattung und gleiche Linsenformel könnten ein Hinweis sein

Dafür gibt es in der rezenten Fauna genügend Beispiele. Würde man diese Arten fossiliert finden und wüsste nicht um ihren Dimorphismus, wieviele "Spezies" würden dann wohl wieder fälschlich aufgestellt?

ich denke so um die 50%?

Mike


__________________
Und was sagen Sie als Unbeteiligter zum Thema Intelligenz?

Der Idealismus wächst mit der Entfernung zum Problem!

"Ein Kluger bemerkt alles, ein Dummer macht über alles seine Bemerkungen."
23.03.2007 06:56 Schachtratte ist offline Beiträge von Schachtratte suchen Nehmen Sie Schachtratte in Ihre Freundesliste auf
Rudolf Rudolf ist männlich
Inner Circle


images/avatars/avatar-7.jpg

Dabei seit: 29.01.2007
Beiträge: 653
Herkunft: Bayern jetzt Bensheim

Walligabel Auf diesen Beitrag antworten Zitatantwort auf diesen Beitrag erstellen Diesen Beitrag editieren/löschen Diesen Beitrag einem Moderator melden       Zum Anfang der Seite springen

Um Weibchen zu beeidrucken das wirft folgende Fragen auf
1 betrieben Trilobiten Brutpflege
2 wie erfolgte die Befruchtung der Eier

Falls Brutpflege stattfand würde die Gabel um Weibchen zu beeindrucken Sinn machen.Bei diesem Aufwand ist es für das weibliche Tier wichtig die besten Gene zur Befruchtung zu bekommen um keine Luschen groß zu ziehen.Wenn man den Aufwand sieht den die Vögel in solchen Fällen betreiben wäre es möglich.

Erfolgte die Befruchtung im freien Wasser, ist die Gabel unwichtig den die erfolgt dann durch Zufall.
Ich persönlich bin bei den Frontalstacheln für ein elektrosensorisches Organ mit dem das Tier seine Nahrung aufspüren konnte.

Zum Thema Brandungszone:
In diesem Gebiet ist es für das Tier wichtig einen festen Stand zu haben .Das erfolgt bei rezenten Tieren durch dauerhaftes Festkleben(Muschel) durch teileingraben(Würmer und Muscheln) oder durch festsaugen(Seesterne,Seeigel). Ich glaube nicht das sich die stark bestachelten Trilos dort aufgehalten haben. Die Gefahr durch herumfliegende Teile Stacheln zu verlieren wäre einfach zu groß.
Viele liebe Grüße
Rudolf :D

__________________
Der Klügere gibt nach führt zu einer Regierung von Dummköpfen
23.03.2007 08:54 Rudolf ist offline E-Mail an Rudolf senden Beiträge von Rudolf suchen Nehmen Sie Rudolf in Ihre Freundesliste auf
Schachtratte
Member


images/avatars/avatar-9.gif

Dabei seit: 27.01.2007
Beiträge: 1.897

Themenstarter Thema begonnen von Schachtratte
Auf diesen Beitrag antworten Zitatantwort auf diesen Beitrag erstellen Diesen Beitrag editieren/löschen Diesen Beitrag einem Moderator melden       Zum Anfang der Seite springen

Zitat:
Original von Jens
Fortey hat das Thema Sexualdimorphismus beim Walli schnell fallengelassen, als er gemerkt hat, daß verschiedene Walli-Spezies in verschiedenen stratigraphischen Horizonten und Regionen vorkommen. Man denke nur an den bisher noch nicht beschriebenen Maider-Walli, der ja wieder anders als die Zguilma-Wallis aussieht. Kommt übrigens im Maider auch im Oberems vor, auch in ner Tiefwasserfazies. War ne schöne Idee, hat aber den Praxistest nicht bestanden.

Homalonotiden in sandigen Sedimenten sind Hinweise für Flachwasser. Scutelliden wie Scabriscutellum neigen zur Riffnähe, sind aber nicht darauf beschränkt. Was machen die dann in Zguilma?

Die Größe der Augen ist tiefenabhängig, sieht man bei Phacopiden, diese reduzieren im Verlaufe des Mittel- und Oberdevon zunehmend ihre Augen und erblinden fast. Grund, der Meeresspiegel stieg, es entwickelte sich eine Cephalopodenfazies (mit vielen Ammos im Oberdevon). Wenn dunkel ist braucht man keine Augen. Wenn etwas Licht da ist, hat man mit Superaugen Vorteile.
Sicher, dass die Phacoben an der Stelle Verharren, während die ökologische Niesche wndert? Vielleicht haben sie aber auch eine neue Niesche durch anpassung besetzt?
lg,

Jens


__________________
Und was sagen Sie als Unbeteiligter zum Thema Intelligenz?

Der Idealismus wächst mit der Entfernung zum Problem!

"Ein Kluger bemerkt alles, ein Dummer macht über alles seine Bemerkungen."

Dieser Beitrag wurde 1 mal editiert, zum letzten Mal von Schachtratte: 23.03.2007 10:29.

23.03.2007 10:25 Schachtratte ist offline Beiträge von Schachtratte suchen Nehmen Sie Schachtratte in Ihre Freundesliste auf
Schachtratte
Member


images/avatars/avatar-9.gif

Dabei seit: 27.01.2007
Beiträge: 1.897

Themenstarter Thema begonnen von Schachtratte
RE: Walligabel Auf diesen Beitrag antworten Zitatantwort auf diesen Beitrag erstellen Diesen Beitrag editieren/löschen Diesen Beitrag einem Moderator melden       Zum Anfang der Seite springen

Zitat:
Original von Rudolf
Um Weibchen zu beeidrucken das wirft folgende Fragen auf
1 betrieben Trilobiten Brutpflege
2 wie erfolgte die Befruchtung der Eier

Falls Brutpflege stattfand würde die Gabel um Weibchen zu beeindrucken Sinn machen.Bei diesem Aufwand ist es für das weibliche Tier wichtig die besten Gene zur Befruchtung zu bekommen um keine Luschen groß zu ziehen.Wenn man den Aufwand sieht den die Vögel in solchen Fällen betreiben wäre es möglich.

Erfolgte die Befruchtung im freien Wasser, ist die Gabel unwichtig den die erfolgt dann durch Zufall.
Ich persönlich bin bei den Frontalstacheln für ein elektrosensorisches Organ mit dem das Tier seine Nahrung aufspüren konnte.

Zum Thema Brandungszone:
In diesem Gebiet ist es für das Tier wichtig einen festen Stand zu haben .Das erfolgt bei rezenten Tieren durch dauerhaftes Festkleben(Muschel) durch teileingraben(Würmer und Muscheln) oder durch festsaugen(Seesterne,Seeigel). Ich glaube nicht das sich die stark bestachelten Trilos dort aufgehalten haben. Die Gefahr durch herumfliegende Teile Stacheln zu verlieren wäre einfach zu groß.
Viele liebe Grüße
Rudolf :D


Und vermutlich sah die Balz so aus, dass der Kerl die Forke so in den Boden gestemmt hat, dass sie senkrecht stand, sich dann oben eingerollt, den Igel am Stiel gemiemt und versucht Panzerlinge anzulocken und mit seinen Stacheln zu ärgern Trampolin .

__________________
Und was sagen Sie als Unbeteiligter zum Thema Intelligenz?

Der Idealismus wächst mit der Entfernung zum Problem!

"Ein Kluger bemerkt alles, ein Dummer macht über alles seine Bemerkungen."
23.03.2007 10:33 Schachtratte ist offline Beiträge von Schachtratte suchen Nehmen Sie Schachtratte in Ihre Freundesliste auf
Rudolf Rudolf ist männlich
Inner Circle


images/avatars/avatar-7.jpg

Dabei seit: 29.01.2007
Beiträge: 653
Herkunft: Bayern jetzt Bensheim

Neues Thema Balz bei Trilos Auf diesen Beitrag antworten Zitatantwort auf diesen Beitrag erstellen Diesen Beitrag editieren/löschen Diesen Beitrag einem Moderator melden       Zum Anfang der Seite springen

Mike ich glaube das ist es wert eine neue Rubrik aufzumachen. Headbanger

Viele liebe Grüße
Rudolf :D

__________________
Der Klügere gibt nach führt zu einer Regierung von Dummköpfen
23.03.2007 14:10 Rudolf ist offline E-Mail an Rudolf senden Beiträge von Rudolf suchen Nehmen Sie Rudolf in Ihre Freundesliste auf
Xiphogonium Xiphogonium ist männlich
Administrator


images/avatars/avatar-125.gif

Dabei seit: 26.01.2007
Beiträge: 2.383
Herkunft: Banana Republic

RE: Neues Thema Balz bei Trilos Auf diesen Beitrag antworten Zitatantwort auf diesen Beitrag erstellen Diesen Beitrag editieren/löschen Diesen Beitrag einem Moderator melden       Zum Anfang der Seite springen

Kein Kommentar! Ooops6

__________________
"The gates of Heaven and Hell are adjacent ... and unmarked!" - Carl Sagan
Empfehle uns weiter! ;) (Klappern gehört zum Handwerk!)

23.03.2007 14:13 Xiphogonium ist offline E-Mail an Xiphogonium senden Homepage von Xiphogonium Beiträge von Xiphogonium suchen Nehmen Sie Xiphogonium in Ihre Freundesliste auf YIM-Name von Xiphogonium: xiphogonium
Seiten (6): « vorherige 1 [2] 3 4 nächste » ... letzte » Baumstruktur | Brettstruktur
Gehe zu:
TRILOBITA.DE » TRILOBITA.DE-Forum » Morphologie / Morphology » Deutungsversuche der nach frontal gerichteten Glabellafortsätze devonischer Marokkaner

Impressum

Forensoftware: Burning Board 2.3.6, entwickelt von WoltLab GmbH