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dsquared
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smile "Massenorgie bei Trilobiten" Reply to this Post Post Reply with Quote Edit/Delete Posts Report Post to a Moderator       Go to the top of this page

Hallo zusammen,

habe zufällig diesen Artikel bei scinexx gefunden.
Ziemlich interessant, wie ich finde (auch wenn es für die Experten unter uns nicht unbedingt eine neue Erkenntnis sein muss *g*) .

Ist schon etwas älter, möglicherweise kennt ihn schon der ein oder andere...aber ich wollt's euch nicht vorenthalten ;)

http://www.scinexx.de/wissen-aktuell-13164-2011-03-22.html

Viele Grüße

Michael
04.05.2011 16:43 dsquared is offline Send an Email to dsquared Search for Posts by dsquared Add dsquared to your Buddy List
Jens Jens is a male
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Grüss dich Michael,

den Artikel kannte ich noch nicht, die beschriebenen Trilobitenwanderungen und Massenansammlungen schon. Mal schauen ob man an die Arbeit rankommt.

Wir haben im Paläoökologie-Thread das Thema schon angesprochen

Graben - Tunnelbau - Linear Clusters

und darin gibt es auch einen Hinweis zu dieser Arbeit:

Brian D.E. Chatterton and Richard A. Fortey 2008: LINEAR CLUSTERS OF ARTICULATED TRILOBITES FROM LOWER ORDOVICIAN (ARENIG) STRATA AT BINI TINZOULIN, NORTH OF ZAGORA, SOUTHERN MOROCCO. - in: I.Rábano, R. Gozalo and D. García-Bellido (Eds.): Advances in trilobite research.
Cuadernos del Museo Geominero, 9: 73-78, 1 pl.; Madrid.

kann man mit dem ganzen Toledo-Tagungsband herunterladen:

http://www.igme.es/trilo08/archivos/TRILOBITE.pdf

Es ist ein interessantes Thema, was wir vielleicht im Topic Paläoökologie weiterbesprechen sollten.

lg,

Jens
04.05.2011 17:47 Jens is offline Send an Email to Jens Homepage of Jens Search for Posts by Jens Add Jens to your Buddy List
Andries Andries is a male
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Hallo Allerseits,

bei der letzten Petrefakta war ich in der Lage eine netten Belegstück für einer " Migration im „Gänsemarsch“ aus Bundenbach zu ergattern.
Den Stück habe ich eigentlich nur gekauft, weil 3 Trilobiten auf der Platte zu erkennen sind und der Randsaum vom ein 4. Individuum.

Zwar habe ich mir schon gedanken dazu gemacht, wieso die Trilobiten so eingebettet wurden, aber auf die Idee mit der Gänsemarsch bin ich nicht gekommen.
Umso mehr freue ich mich über den Hinweis vom Michael.

Falls es klappt, stelle ich heute Abend ein Bild rein.
Gruß, Andries
05.05.2011 10:11 Andries is offline Send an Email to Andries Search for Posts by Andries Add Andries to your Buddy List
Andries Andries is a male
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Hier ist das versprochene Bild

Andries has attached this image (reduced version):
Gänsemarsch.jpg

05.05.2011 16:03 Andries is offline Send an Email to Andries Search for Posts by Andries Add Andries to your Buddy List
dsquared
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Hallo Jens & Andries,

hätte ich mich vielleicht vorher doch mal besser hier im Forum umgeschaut (bin leider noch nicht dazu gekommen, den Thread zu verfolgen, wie ich sehe, geht es nun dort aber weiter) ;)
Danke Jens, der Toledo Tagungsband ist klasse! Viel, viel Stoff!
Andries, die Platte ist echt toll...vielleicht ist es wirklich "nur" ein Ausschnitt einer noch größeren "Kette"!...

Beste Grüße

Michael

This post has been edited 1 time(s), it was last edited by dsquared: 06.05.2011 14:09.

06.05.2011 13:59 dsquared is offline Send an Email to dsquared Search for Posts by dsquared Add dsquared to your Buddy List
Jens Jens is a male
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Hi Michael,

gern geschehen. Lohnt sich übrigens immer wieder gelegentlich mal vorbeizuschauen. Zudem ist auch noch Menge wissenswertes hier im Forum geschrieben und verlinkt worden.

Um die Übersichtlichkeit zu gewährleisten, ist es aber besser in den dafür vorgesehenen Threads weiter zu schreiben. Ansonsten kann es schwer werden etwas Bestimmtes wiederzufinden.

lg,

Jens
06.05.2011 14:36 Jens is offline Send an Email to Jens Homepage of Jens Search for Posts by Jens Add Jens to your Buddy List
Jens Jens is a male
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Hallo allerseits,

ich möchte das Thema mal wieder auffrischen, denn es gibt noch eine Massenansammlung von Trilobiten, über die wir bislang noch nicht gesprochen haben.

Wer den Tuscon-Thread sich genauer angeschaut hat, wird sicher auf die dort von Jnoun vorgestellten 2 Platten mit Dikelocephalina sp. aufmerksam geworden sein. Dieser Trilobit kommt offensichtlich lokal im Fezouata Schiefer (Ordovizium, Marokko, Anti-Atlas) in nahezu gesteinsbildener Häufigkeit vor.

Ich habe um dies besser illustrieren zu können, Jnoun vom Geo-Forum France angeschrieben und er hat mir mitgeteilt, dass die Bilder zur freien Verfügung hier im Forum stehen. Dafür möchte ich mich gleich mal bedanken.

Die 2 sensationellen Platten zeigen den grosswüchsigen Trilobiten zusammen mit vielen kleiner Asaphiden und man bekommt dass Gefühl, dass diese Trilobiten gleich anfangen loszuschwimmen.

Irgenwie erinnern mich diese Teile an Schollen (Plattfische;-)

Nun, wie ist die ganze Sache zu interpretieren, war es ein Häutungsplatz, wo sich eine Gruppe von Trilobiten zum hormonell, zeitlich gesteuerten Häuten mit anschliessendem äh "Balzritualen" getroffen hat (im deutschen gibts ein schönes Wort: Rudelb**s*n, das hier gut passen täte).

Auffällig sind aber die vielen kleinen Asaphen auf der grossen Platte, tja was habe die da zu suchen. Ist die Dikelocephalina-Gruppe zuerst verstorben/verschüttet worden oder waren die Asaphen mit dabei??

Fragen über Fragen. Die ersten beiden Bilder jedenfalls stammen von Jnoun, das 3. ist ein Bild was ich auf einer Triloausstellung in Zürich letztes Jahr gemacht habe;-) Das Exemplar stammt aus der Sammlung Roland Schäfer (Zürich).

Bin mal gespannt was ihr dazu meint.

lg,
Jens

Jens has attached these images (downsized versions):
Dikelocephalina -DSCN3131.jpg Dikelocephalina - DSC05525-low1.jpg Dikelocephalina - DSC05525b.jpg Dikelocephalina - DSCN2013-low.jpg

22.01.2012 20:01 Jens is offline Send an Email to Jens Homepage of Jens Search for Posts by Jens Add Jens to your Buddy List
Jens Jens is a male
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Hi,

in dem Zusammenhang möchte ich auch nochmal den Artikel bei Geoscience: "Massenorgie bei Trilobiten" empfehlen.

http://www.scinexx.de/wissen-aktuell-13164-2011-03-22.html

Denn dem Socialverhalten der Trilobiten auf die Spur zu kommen, ist schon eine fantastische Sache.

and here for the english speaking users a link to the american version:

http://www.uc.edu/news/NR.aspx?id=13304

By the way, the figured material belongs to Eldredgeops rana from the Silica Shale of Ohio and the polish trilobites are specimens of Trimerocephalus, who are known for some years to occur frequently in linear clusters in a particular quarry in the Devonian of Poland.

greetings,
Jens
23.01.2012 18:14 Jens is offline Send an Email to Jens Homepage of Jens Search for Posts by Jens Add Jens to your Buddy List
Diacanthaspis Diacanthaspis is a male
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Moin Jens,

ich denke man sollte hier bei diesen Anhäufungen erst-einmal klassifizieren.

Auf die schnelle fallen mir erstmal Drei grundlegend unterschiedliche Typen auf.

1. :
Kondensastions- Häufungen
Siehe Beispiel
HIER

2. Dein Beispiel oder Maider- Acantopyge.
Senken / Mulden + Strömung----> Linsen ?
Stichwort "Paleo Relief "
Rubel-bumsen oder der Häutungs- Party oder ähnliches ?

Ich mag die Theorie des Rubel-bumsen oder der Häutungs- Party zwar.
Aber man muss bei Trilobiten davon ausgehen das diese mit dem erreichen des Holaspis- Stadiums auch zur Fortpflanzung fähig waren.

Warum sind dann nur Exemplare einer Größe zu finden. Dies haben diese Funde tatsächlich gemeinsam. Es sind immer Exemplare etwa gleicher Größe.
Häutungs Party auch hier hätten die kleinen (erwachsenen oder selbst Jugendformen) mitgespielt. Also wo sind die ?

Bisher erscheint die Theorie des Paleo Relief diese Erscheinungen besser zu erklären. Beispiel Heute die "Bucht der Linken Schuhe" = Sortierung.


3. Event
Beispiel : Scyphocrinites elegans
Ist ja buchstäblich über bald hunderte Kilometer verbreitert.

Grüße

Heiko
25.01.2012 11:10 Diacanthaspis is offline Send an Email to Diacanthaspis Homepage of Diacanthaspis Search for Posts by Diacanthaspis Add Diacanthaspis to your Buddy List
Jens Jens is a male
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Hi Heiko,

die Thematik ist natürlich noch nicht komplett durchdacht und verstanden.

Denke mal, dass wir momentan noch in der Datensammelsphase sind.

Klassifizierungsversuche bieten sich an, aber so ganz klares Bild ergibt sich noch nicht. Daher sind weitere Beispiele wichtig und die vorgeschlagenen Kategorien brauchen Definitionen.

Also, Kondensations-Häufungen, mmh. Ich weiss nicht ob dass eine glückliche Wortwahl ist, denn es impliziert, dass sich auf einer Schichtfläche Trilobiten unterschiedlichen Alters angereichert finden. Sowas erwarte ich eher von Auswaschungen, nur dass dann die Trilobitenteile nicht mehr im Zusammenhang bleiben.

Das von dir gezeigte Beispiel ist ja denke ich auch wieder ein Eventhorizont, wo diese Gruppe von Trilobiten verschüttet wurde. Das kann dann durchaus auch grössere Areale betreffen. Zum Beispiel wenn ein Hurrikan Sediment in einem grossen Areal mobilisiert und dann als Sedimentwolke aus der Lagune ins den seichten Schelf transportiert. Bei so einem Ereignis kann denke ich schnell mal eine 10-20cm mächtige Schicht entstehen. Gut möglich dass die Kiemenatmung der Trilobiten in einer Schlammtrübe versagt und diese ersticken.

Mir ist aber noch der Xenasphus-Horizont eingefallen, der wiederum sich etwas von den hier gezeigten Beispielen unterscheidet, weil man dort neben anscheinend komplett ganzen auch häufig disartikulierte Exemplare oder auch klare Häutungsreste findet.

Hier mal ein Beispiel:

http://fossilspictures.wordpress.com/200...s-devexus-001i/

Also, entweder ist der Horizont nicht sofort komplett verschüttet worden, oder er wurde nach dem Event teilweise wieder ausgespült oder es ist ein Areal, wo sich Vertreter dieser Art über einen längeren Zeitraum zum Häuten getroffen haben. Mag es nicht recht entscheiden, welches Szenario am besten passt oder gar mehrere.

Auffällig ist jedoch das man fast immer gleich grosse Exemplare findet, die denke ich einer Population angehören. Sollte die Fortpflanzung tatsächlich mit Mondphasen im Zusammenhang stehen, so dass alle Eier gleichzeitig befruchtet werden und daher immer viele mehr oder weniger gleich alte Exemplare vorkommen? Tja schon seltsam.

Bei dem gezeigten Beispiel mit der Dikelocephalina sprechen denke ich die Anordnung und auch das gemeinsame Vorkommen mit kleinen Asaphen ohne Strömungsausrichtung für eine gemeinsame Verschüttung, vielleicht in einer Senke oder Mulde. Vielleicht haben diese Tiere ja auch in Schwärmen gelebt, wo sich etwas gleich alte Exemplare zusammengeschlossen haben. Wer weiss.
Ein anderer Aspekt könnte auch sein, dass die Tiere sich aufgrund von Furcht "zusammengerottet" haben, vielleicht ging der Verschüttung ein Erdbeben voraus, auf welches die Trilobiten panisch reagierten und vielleicht Schutz in der Masse gesucht haben. Das Übereinanderliegen mehrerer Exemplare im oben gezeigten Dikelocephalina-Beispielt wäre für mich ein Indiz für eine solche Interpretation.

Das Acanthopyge-Beispiel kennt hier denke ich nicht jeder. Das hatten wir privat besprochen. Nochmal zusammengefasst, ist es so, dass vor Jahren Acanthopyge in ganzen Exemplaren gehäuft gefunden wurde. Leider hat sich schnell herausgestellt, dass es nur eine lokale Anreicherung war, praktische eine Linse. Wichtig ist, dass die ganzen Acanthopyge an der Basis einer Kalkbank gefunden wurden, alle ausgestreckt und nur wenige Zentimeter über der unteren Bankoberfläche. Das lokale Vorkommen und die Fundlage sprechen recht klar für eine Verschüttung von Exemplaren innerhalb einer Mulde.
Später sind dann keine weiteren ganzen Exemplare mehr aufgetaucht, was dann auch die hohen Preise für echte Exemplare erklärt.

lg,
Jens
25.01.2012 11:46 Jens is offline Send an Email to Jens Homepage of Jens Search for Posts by Jens Add Jens to your Buddy List
Jens Jens is a male
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Noch etwas Material zum Thema,

in Portugal gibt es auch Massenvorkommen von Trilobiten und auch Riesenwuchs. Dort fanden sich mehrfach bis zu 1000 Trilobiten auf einer Platte und es wird auch der "Riesenwuchs" bei mehrere Arten besprochen.

Hier der Link zum leider nicht frei zugänglichen Paper:

http://geology.gsapubs.org/content/37/5/443.abstract$

aber ich kopiere mal den Abstrakt hier mit rein, passt gut zum Thema:


Juan C. Gutiérrez-Marco, Artur A. Sá, Diego C. García-Bellido, Isabel Rábano and Manuel Valério (2008): Giant trilobites and trilobite clusters from the Ordovician of Portugal.

Large quarrying surfaces of roofing slate in the Arouca Geopark (northern Portugal), formed under oxygen-depleted conditions, have yielded a unique Ordovician fossil lagerstätte that reveals new information on the social behavior of trilobites. It provides several of the world's largest trilobite specimens (some reaching 70 cm), showing evidence of possible polar gigantism in six different species, as well as numerous examples of monotaxic and polytaxic size-segregated autochthonous trilobite clusters, some of which contain as many as 1000 specimens. These reveal a very diverse social behavior, which includes temporary refuge from predation and synchronous molting and reproduction, demonstrated for the first time in five contemporary families of three different

greetings,
Jens
25.01.2012 12:15 Jens is offline Send an Email to Jens Homepage of Jens Search for Posts by Jens Add Jens to your Buddy List
Diacanthaspis Diacanthaspis is a male
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Klar war jetzt auch nicht abschließend gemeint sondern als Ideen.
Bei Homotellus kann man wohl sicher von einem Kondensat Horizont ausgehen. Die "Homotellus Bank" befindet sich unter einer Diskontinuität und im ungeschönten, d.h. der Müll ist noch nicht weggemacht.
Es liegt da alles Kreuz und quer drin. Und eben mehr unvollständige Trilobiten als vollständige.

Tatsächlich ist Homotellus auch das einzige Beispiel was mir für einen potenziellen Kondensation Horizont bei Trilobiten (mit vollständigen Exemplaren) einfällt.

Vielleicht sollte man auch erst mal klären ob und wie man feststellen kann das die Trilobiten auch dort eingebettet wurden wo diese gelebt haben / gestorben sind.

Hierdurch lässt sich vielleicht auch einiges im Vorfeld ausschließen was unsrer Spekulationen ja nur "verunreinigen" würde.
25.01.2012 12:36 Diacanthaspis is offline Send an Email to Diacanthaspis Homepage of Diacanthaspis Search for Posts by Diacanthaspis Add Diacanthaspis to your Buddy List
Jens Jens is a male
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Hi Heiko,

jup, kein Problem, denke es wird schon noch etwas Arbeit brauchen, bis sich ein klares Bild abzuzeichnen beginnt.

ich gehe erstmal davon aus, dass die meisten ganzen Trilobiten authochthon, also auch am Lebensort eingebettet wurden. Aber so ganz einfach ist dass natürlich nicht, denn es gab ja auch schwimmende Formen, wie wohl viele/alle aus der ordovizischen Cyclopygen-Verwandtschaft.

Aber es wird wohl schon so sein, dass die meisten Trilobiten benthisch (auf dem Substrat) oder eher noch endobenthisch (grabend) gelebt haben. Auch Anpassungen an Riffe und kleine Höhlen sind bekannt. Prinzipiell überwiegen wohl Überlieferung aus dem Ruhigwasserbereich, also in eher etwas tieferen Wasser. Wer schon mal versucht hat in einer Riff-Fazies ganze Trilobiten zu finden, der weiss was ich meine.

Da fällt mir bei der Gelegenheit auch noch die In Situ-Massenvorkommen aus dem Bodakalk ein, wo man viele ganze Trilobiten (Isocolus sjoegreni und Ityophorus undulatus) praktisch als blinde Höhlenbewohner innerhalb eines Mudmound-Riff-Komplexes kennt. Leider sind die Taschen wo die Teile vorkommen selten. Wir haben nur ganze Proeten gefunden, aber nicht die erstgenannten Arten;-)

http://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.11...0536.x/abstract

http://www.tandfonline.com/doi/abs/10.1080/11035890903452670 (Mist, die 2. Arbeit habe ich nicht).

Prinzipiell möchte ich anmerken, dass verstorbene ganze Trilobiten schwerlich umgelagert werden können. Es sind ja nicht leichte Häutungshemden, wie bei den Decapoda, sondern schon massive Panzer, die nur durch wenig organische Kutikula im Zusammenhang gehalten werden. Denke wir kennen aus der Präparation alle Beispiele für sich im Auflösungsstadium befindliche Trilobiten.
Auch die Präsenz von typischen Exuvien, mit fehlenden Wangen oder der bekannten Salter'schen Einbettung sind ja Hinweise für Autochthonie.

Ich gehe davon aus, dass ein vollständiger Trilobit, wenn er nicht innerhalb von ein paar Wochen mit einer stützenden Sedimentdecke eingebettet wurde, in seine Einzelteile zerfällt. Denke dafür werden sich auch bei uns in den Sammlungen Hinweise finden.

lg,
Jens
25.01.2012 15:53 Jens is offline Send an Email to Jens Homepage of Jens Search for Posts by Jens Add Jens to your Buddy List
ems
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Hallo zusammen,

zu dem Thema möchte ich auch was beisteuern.

Wie Heiko, mag auch ich die Idee der Häutungs-party.
In Bezug auf die Größe habe ich, speziell bei der Gattung Burmeisterella folgende Beobachtungen machen können:

Zunächst mal: Artikulierte Funde von B. sind in aller Regel sehr selten.

Wenn sich denn mal zusammenhängende Häutungsreste (i.d.R. Salter) von B. finden, so treten diese anscheinend in bestimmten Lagen gehäuft auf.

Hierbei lässt sich tatsächlich so etwas wie eine Größensortierung feststellen, die offensichtlich nicht mit Strömungstransport zusammenhängt. Einerseits wären dann kaum Salter zu erwarten und andererseits geben dies auch die Niveaus der Fundschichten (im Sinne der Fazies) nicht her. Außerdem scheinen sich die Trilos gerne in einem "vornehmen" Abstand gehäutet zu haben und sind meistens weder zusammen geschwemmt noch irgendwie in der Richtung eingeregelt.

Nun ist mir eine solcher Fundlagen bekannt, in der sich vor allem kleine und sehr kleine Vertreter gehäutet haben. Der Ablagerungsraum hat einen eher lagunären Charakter.

Eine weitere, nicht weit der vorgenannten Fundstelle gelegene Lokalität liefert bisher fast nur (leider Reste) großer und sehr großer Exemplare. Die Fazies dieser Fundlage scheint eher dem weiter draußen gelegenen, offeneren Meeresbereich ( aber immer noch küstennah) zu entsprechen.

Und dann gibt es noch eine Lokation in der sich vornehmlich mittelgroße Tiere etwa zeitgleich gehäutet haben müssen. Reste großer Exemplare finden sich hier vereinzelt. Kleine und sehr kleine Tiere konnten hier bisher überhaupt nicht nachgewiesen werden.

Meines Erachtens kann die Größenverteilung solcher häutungsbedingter Massenansammlungen auch etwas mit einem generell unterschiedlichen Lebensraum verschieden alter/großer Tiere zusammen hängen.

Gruß, Mirco

This post has been edited 1 time(s), it was last edited by ems: 01.02.2012 08:38.

01.02.2012 08:36 ems is offline Send an Email to ems Search for Posts by ems Add ems to your Buddy List
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Vielen Dank Mirco,

das ist ein wichtiger Beitrag, der auch noch ein anderers Problem anschneidet, nämlich, dass wir Fundstellen von Trilobiten kennen, in denen fast nur kleine Trilobiten vorkommen, während in der nähe in etwas abweichender Fazies grössere Exemplare oder gar Riesen vorkommen.

siehe: Jugendformen

Vielleicht sind diese Beobachtungen tatsächlich Hinweis auf ein Sozialverhalten von Trilobiten, bei denen es "Kinderstuben" wie auch "Adult-Bereiche" gegeben haben mag. Wichtig wird nun zu durchdenken, warum das so sein mag. Haben sich etwa auch Trilobiten wie der heutige Limulus zu Massen an den Stränden zusammengefunden, um sich dort fortzupflanzen? Dafür haben wir keinen Beleg, aber die Massenansammlungen die wir fossil kennen stammen aus einem eher tieferen Meeresbereich. In der Strandfazies besteht leider kaum Erhaltungspotential für vollständige Trilobiten, da die Wasserenergie zu hoch ist.

Um nochmal auf Burmeisterella zurück zu kommen, so scheint es, dass auch hier eher gleich grosse Exemplare miteinander vergesellschaftet sind, was für ein ähnliches Alter und somit für eine zeitgleiche Zeugungsdatum sprechen könnte. Allerdings müsste man hier mal genau vermessen und die ontogenetische Reihe mit Zahlen zu belegen, was nur mit viel Material geht. Wäre ja lustig, wenn man nachweisen kann, dass assoziert gefunden Exemplare vielleicht genau dieselbe Pygidiumgrösse haben, also somit tatsächlich auch genau gleich alt sein dürften.

lg,
Jens
01.02.2012 09:29 Jens is offline Send an Email to Jens Homepage of Jens Search for Posts by Jens Add Jens to your Buddy List
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Ein weiteres Beispiel aus dem Burgess Schiefer. Ein unglaubliche Ansammlung (Cluster) von Elrathina cordillerae.

http://burgess-shale.rom.on.ca/en/fossil...id=7&m=3&&ref=i

unzählige Exemplare und meist alle mit Wangen. Viele scheinen orientiert zu liegen, mit dem Pygidium zur Mitte.

da liegen übrigens überall noch Ostrakoden zwischen. Verschiedene gattungen, meistens mit klaffenden Klappen (Schmetterlingsposition)

lg,
Jens
10.02.2012 23:55 Jens is offline Send an Email to Jens Homepage of Jens Search for Posts by Jens Add Jens to your Buddy List
Andries Andries is a male
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Hallo Allerseits,

mir gefällt das Bild welches Jens als erstes gezeigt hat am besten.

Wenn ich mir das Bild anschaue, sieht es für mich aus, als würde eine "verängstigte Herde" Schutz bei einander suchen.
Alles verkriecht sich kreuz und quer zusammen, damit alle in gewisser Weise geschütz sind.

Dies könnte ein Beleg für Herde-Bildung bzw. Schwarmbildung sein.
Oft sieht man, dass bei Gefahr die Herden sich eng zusammendrängen, damit man keine große Angriffsfläche bildet.
Wenn man sich nun vorstellt, die Trilobiten bewegten sich in Gruppen und oben tobt ein Orkan. Alles wird aufgewühlt, die "Herde" bekommt Angst und drängt sich eng zusammen. Wenn nun noch einen Schlammstrom reinbricht, dann ist es schnell vorbei.

Auch die Idee mit dem feinen Schlammstrom würde passen. Die Herde bekommt keine Luft und drängt sich zusammen, wo sie dann langsam verendet.

Dieser Herdentrieb kann vielleicht erst im Alter sich ausprägen, wieso keine Jungtiere dabei sind (auch wenn ich die These von Mirco mehr befürworte - Faziesabhängigkeit).

Andries has attached this image (reduced version):
Dikelocephalina -DSCN3131.jpg

11.02.2012 12:38 Andries is offline Send an Email to Andries Search for Posts by Andries Add Andries to your Buddy List
Jens Jens is a male
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Hi Andries,

da ähnliche Funde ja immer wieder bei unterschiedlichen Trilobiten gemacht werden, scheint deine Idee der Herdenbildung recht plausibel.

Schätze mal nicht alle Trilobiten wird es betreffen, aber auch nicht jeder Fisch ist ein Schwarmfisch.

Allerdings sollten in einer Herde auch Jungtiere sein, diese scheinen aber bei den bislang gefundenen Clustern zu fehlen. Vielleicht also doch nur gelegentliches Gruppenkuscheln?

lg,
Jens
13.02.2012 00:21 Jens is offline Send an Email to Jens Homepage of Jens Search for Posts by Jens Add Jens to your Buddy List
Andries Andries is a male
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Hi Jens,

wenn es Gruppenkuscheln war, dann vermute ich sehen wir nicht die lebendige Tiere sondern die Kadavern.

Ähnlich der Pfeilschwanzkrebst, könnten sie sich zum Paaren getroffen haben und sind danach allesamt verendet.
Nach der Paarung verenden die Tiere., ähnlich wie bei Lachsen.

Es würde mich nicht wundern, wenn es zusammengespülte Kadavern sind, die zufällig schnell eingebettet wurden.
Bei Deine Bildern aus Russland sieht man schon, dass sich die Tiere leicht zersetz hatten, bevor sie eingebettet wurden.
Somit hat man ganze, teilweise zerlegte und nur noch andere Teile.

Was meint ihr?
14.02.2012 13:23 Andries is offline Send an Email to Andries Search for Posts by Andries Add Andries to your Buddy List
Jens Jens is a male
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Grüss dich Andries,

habe gerade nur wenig Zeit um eine ausführliche Antwort zu geben.

Die Frage beim Gruppenkuscheln, ob lebend oder tod ist schwer zu beantworten. Ich gehe bei vielen der gesehenen Beispiele von einer plötzlichen Verschüttung aus, bei der die Tiere zu Tode gekommen sind.

Dass deine Annahme von Tod durch Erschöpfung nach der Paarung auch eine Option ist, könnte ein Vegleich mit Limulus zeigen. Auch da gibt es nach der Liebesnacht auffällig viele Verluste. Aber die Paarung findet ja auch am Strand statt, was für im Wasser lebende Tiere problematisch ist. Der Tod ist also mehr ein Ersticken als Überanstrengung bei der Paarung.

ich hänge noch ein paar Bilder aus der BBC-Doku an, hoffe das das okay ist. hier die Quelle:

BBC4: Survivors: "Nature's Indestructible Creatures"
presented by Prof. Richard Fortey

Die Bilder zeigen die Nacht, wo es heiss her geht und ein Dutzend Männchen sich um ein Weibchen kümmert. Liebevoll im englischen ausgedrückt durch: "females are overprovided with males";-)

Am Tag danach liegt der Strand voll mit toten Exemplaren, die den Weg nicht zurück ins Wasser geschafft haben und Millionen von Eiern.

Vielleicht bringt es ja eine gewisse Vorstellung.

Bei Trilobiten scheint die Paarung aber unter Wasser abgegangen zu sein. Zumindest kennen wir erhaltungsbedingt keine solchen Strandszenarien.

lg,
Jens

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Limulus.jpg Limulus2.jpg Limulus3a.jpg Limulus3.jpg Limuluseier.jpg

14.02.2012 13:57 Jens is offline Send an Email to Jens Homepage of Jens Search for Posts by Jens Add Jens to your Buddy List
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