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Go to the bottom of this page Deutungsversuche der nach frontal gerichteten Glabellafortsätze devonischer Marokkaner
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Michael Michael is a male
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Naja, vielleicht müssen Ohrläppchen nicht so die wichtigen Zwecke erfüllen, vielleicht sind die nur dazu da, dass die restlichen Ohrabschnitte nicht so doof aussehen ? Wenn jedes Körperteil nur so weit ausgeprägt wäre wie unbedingt nötig, würde es für viele Leute ausreichen, sich einen hühnereigroßen Kopf wachsen zu lassen...Weils besser aussieht, sind die Köpfe halt unabhängig vom Inhalt halbwegs gleich groß... :rolleyes:

nachdenkliche Grüße
Michael
29.05.2007 23:11 Michael is offline Send an Email to Michael Search for Posts by Michael Add Michael to your Buddy List
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Ist das auf mich gemünzt? Glücklich5

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"The gates of Heaven and Hell are adjacent ... and unmarked!" - Carl Sagan
Empfehle uns weiter! ;) (Klappern gehört zum Handwerk!)

30.05.2007 19:39 Xiphogonium is offline Send an Email to Xiphogonium Homepage of Xiphogonium Search for Posts by Xiphogonium Add Xiphogonium to your Buddy List YIM Account Name of Xiphogonium: xiphogonium
Michael Michael is a male
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Hi Mike, nee, bloß nicht falsch verstehen... 8o
Ich denke ja nicht, dass du speziell für deine erogenen Ohrläppchen gesprochen hast. :D Auf irgendwen aus dem Forum trifft dass mit Sicherheit nicht zu. Ich habe nur so nachgedacht, man erlebt ja viele Mitmenschen den lieben langen Tag...und sagt sich: Wir leben alle unter dem selben Himmel, aber nicht alle haben den gleichen Horizont...oder so. Kann man sich manchmal schon fragen ob das so stimmt, von wegen krone der Evolution, der Mensch...Jedenfalls denke ich mal einige Mitbürger haben nur nen Kopf, dass es in den Hals nicht reinregnet...Ist ja auch eine Art von "form follows function", <g>
Also, ums abzuschließen, Ohrläppchen sind Schmuck, basta !
Ob deshalb aber ein Walli ein piercing in der Gabel haben müsste... :rolleyes:
Grüße
Michael

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30.05.2007 21:08 Michael is offline Send an Email to Michael Search for Posts by Michael Add Michael to your Buddy List
Schachtratte
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Nun, bei Mutter Natur ist es meist so, dass einer "unnötiges Gebramsel" irgendwo am Körper hat, der Partner aber oft nicht. Im Falle von Walliserops und den anderen genannten Gattungen scheint es aber so, dass ein Pendent ohne Gebramsel zu fehlen scheint. Dass macht mich dann schon wieder stutzig.

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06.06.2007 20:47 Schachtratte is offline Search for Posts by Schachtratte Add Schachtratte to your Buddy List
Michael Michael is a male
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"Gebramsel", auch nicht schlecht. Wenn Männchen und Weibchen sich nicht unterscheiden heißt das auf neudeutsch glaub ich "metrosexuell", <g>. Vielleicht stammen die Wallis auch aus ner Art "Kloster", also nur Männer oder so :rolleyes:. Ja wer weiß, warum alle rumbramseln...
Michael
06.06.2007 22:40 Michael is offline Send an Email to Michael Search for Posts by Michael Add Michael to your Buddy List
Schachtratte
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Hi Micha,
dann wären wir bei den Klosterwallis ja wieder sprichwörtlich bei der Jungfernzeugung (virgin birth) denn du weißt ja:

Paster oben Küster unten, Küster unten Paster oben!

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07.06.2007 07:50 Schachtratte is offline Search for Posts by Schachtratte Add Schachtratte to your Buddy List
Schachtratte
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Nun, nach der hitzigen Kommentierung des Büchleins von Andreas und dem Artikel über Psychopyge in Natur und Museum habe ich mir gedacht man sollte dieses Thema wieder aufgreifen.
Nachdem i dkiesem Artikel fast alles angefüht ist, was vor dem Erscheinen auch hier im Forum besprochen wurde, sollte man sich auf Interpretation in Richtung eines Sinnesorgans konzentrieren. Denn mit einem Anstz für eine Lösung ist man bei dem Artikel auch nicht weiter.

Es stellt sich nun die Frage, welche Sinne lassen sich bei einem Trilobiten aus heutiger sicht vermuten und was scheint hypothetisch sinnvoll? Einiges lässt sich ja anhand anatomischer Details wie sie der Bundenbacher Schiefer ableiten.

Ein Tastsinn, Antennen sind vorhanden, kann man als sicher annehmen. Augen sind zum Schauen da. Dann wird es aber schwierig.

Geruchssinn? Akustik?

Wie steht es mit der Möglichkeit eines Resonanzkörpers? Mit ihm könnten Schwingungen ausgesandt und auch aufgenommen werden. Ähnliches hat man ja bei Sauriern wie Parasaurolophus festgestellt (hier ist es ein Resonanzkörper zur akustischen Verstärkung).

Was meint ihr?

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19.01.2008 17:06 Schachtratte is offline Search for Posts by Schachtratte Add Schachtratte to your Buddy List
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quote:
Original von Schachtratte
Nun, nach der hitzigen Kommentierung des Büchleins von Andreas und dem Artikel über Psychopyge in Natur und Museum habe ich mir gedacht man sollte dieses Thema wieder aufgreifen.
Nachdem i dkiesem Artikel fast alles angefüht ist, was vor dem Erscheinen auch hier im Forum besprochen wurde, sollte man sich auf Interpretation in Richtung eines Sinnesorgans konzentrieren. Denn mit einem Anstz für eine Lösung ist man bei dem Artikel auch nicht weiter.

Es stellt sich nun die Frage, welche Sinne lassen sich bei einem Trilobiten aus heutiger sicht vermuten und was scheint hypothetisch sinnvoll? Einiges lässt sich ja anhand anatomischer Details wie sie der Bundenbacher Schiefer ableiten.

Ein Tastsinn, Antennen sind vorhanden, kann man als sicher annehmen. Augen sind zum Schauen da. Dann wird es aber schwierig.

Geruchssinn? Akustik?

Wie steht es mit der Möglichkeit eines Resonanzkörpers? Mit ihm könnten Schwingungen ausgesandt und auch aufgenommen werden. Ähnliches hat man ja bei Sauriern wie Parasaurolophus festgestellt (hier ist es ein Resonanzkörper zur akustischen Verstärkung).

Was meint ihr?


Wie wäre es mit einem eigenen Artikel? ;) ;)

Resonanz und Akustik unter dem Wasser? OK, aber wofür denn?
Übrigens, die Sauriern, die Du meinst - der Organ war anscheinend hohl, oder?
http://images.google.at/images?sourceid=...m=1&sa=N&tab=wi
Haben wir schon Nasen-Beispiele von rezenten Wirbellosen besprochen? (ich bin faul zu suchen <g>).

Eine Zusammenfassung der Tatsachen wäre angebracht - mein Ansatzt dafür:

1. Eine verlängerte oder vergößerte Rostralplatte (?? ist es eine, oder?) kann man auch bei der engen Verwandschaft beobachen. Nicht nur bei Asteropyginae, sondern auch bei Vertretern von anderen Gruppen - Odontochiliden, z. B.) - also eine gewisse Gruppe von Phacopiden hat angefangen, ihre Nasen zu verlängern (keine Paralellen zu den Hominiden was die Länge betrifft, bitte 8))

2. sieh 1) Häufiger ist eine kürzere verlängerte Nase, würde ich sagen

3. sieh 2) Die "speziellen" Nasen kann man also als Weiterentwicklung und Speziealisierung von den "einfachen" Nasen betrachten

4. sieh 1 bis 3) Wenn wir also weiterkommen wollen, müssen wir erst die Funktion von den "einfachen" Nasen erraten, weil diese als Ausgangpunkt für die "Pinocios" zu betrachten sind. Die "Langnasen" haben dann irgendwie evolutionsmäßig endeckt, dass "je länger, umso besser" und manche gaben sich nicht nur mit einem Zweig zufrieden <g> ;) :rolleyes:

5. Für mich scheint es einen Zusammenhang zwischen der Nase und der Bestachelung zu geben - die "Langnasen " sind ast immer bestachelt, nicht wahr? Je kürzer die Bestachelung, umso kürzer die Nase.
5.1 Hollardops ist nur granuliert - keine Nase (obwohl diese Gattung sieht so aus, als ob sie bald eine Nase entwickeln wollte ;)).
5.2 Die kleinen Cryphopse sind schon besser drauf
5.3 Vorsätze von Odontochiliden - vielleicht kann jemand Bilder von unterschiedlichen Gattungen finen. Vielleicht sind diejenigen mit "Nasen-Anschwellungen" viel mehr granulierter, sogar kurz bestachelt sind

6. Kontra zu 1 bis 5 : NIcht Vergessen, eine "dicke Nase " gibt es ja auch bei Diademaproetus (Proetida)

7. Falls es sich um eine Rostraltplatte handelt - was ist die ursprüngliche Funktion dieser Platte?

war nur meine Meinung :O

Pavel

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20.01.2008 02:06 pavel2 is offline Send an Email to pavel2 Search for Posts by pavel2 Add pavel2 to your Buddy List
Schachtratte
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Propotional haben Psychopyge termierorum und Walliserops trifurcatus die längsten Nasen. Wir liegen hier annähernd bei Körperlänge mit Bestachelung, oder sogar darüber. Lassen wir die Kleinteile wie Diadenaproetus mal außer acht, dann fällt auf, dass diese Apophysen immer einen Radius nach oben haben.

Quadrops zeigt dies am deutlichsten.
W.t. lässst die Nase sogar auf Augenhöhe über den Boden schweben.
Alle Psychopygen haben die Nasen relatv flach liegen, der Radius nach oben findet sich an der Nasenspitze (macht W.t übrigens auch noch zusätzlich).

Das denke ich hat funktionelle Gründe. Bei der Vorwärtsbewegung wollte man nicht eben immerzu stecken bleiben. Es funktioniert wie die Spitze eines Ski´s.

Einen Zusammenhang zwischen Nasenlänge und der Länge der Wangenstacheln scheint es nicht zu geben.
Psychopyge : Lange Nase Lange Wangenstacheln
Quadrops : kurze Nase lange Wangenstacheln
Walliserops : kurze bis lange Nasen, eher mittellange Wangenstacheln
Odontochilen : fast keine Nase, aber Wangenstacheln, die nicht enden scheinen zu wollen.

Um die Frage zu beantworten die Pavel zur Schallgenerierung oder Aufnahmen gestellt hat, das die Trilos sich was erzählt haben, das glaube ich nicht. Aber ich kann mir durchaus vorstellen, dass sie damit Krach gemacht haben um Mögliche Fressfeinde abzuschrecken oder Artgenossen zu warnen. Wenn Bewegliche Teile im Cephalon gegeneinander bewegt werden, verstärken sich die Schallwellen über den Resonanzkörper Nasse und erzeugen so eben Lärm. Als Abschrechungsmaßnahme durchaus vorstellbar. Von basse werden Fresssfeinde zwar annähernd negiert, was ich aber nicht als realistisch ansehe. Immer wieder werden in den Triobitenkalken Panzerfischreste gefunden, namchmal sogar auch ganze Köpfe. Flossenstacheln von Haien kommen auch vor. Nachweise von Eurypteriden sind mir von dort bislang noch nicht bekannt. Wenn es sie in der Eifel gibt, dann sicher auch in Marokko. Wenn man dort nicht weiss wie sie aussehen, dann werden sie warscheinlich auch nicht gefunden.
Übrigens kann ich mir das mit dem Resonanzkörper auch gut bei den ordovizischen Sphaerocoypiden Trilos vorstellen.

Nan muss keine vollständigen Individuen in Scheiben schneiden um sowas zu untersuchen, wie basse Sagt, Köpfe sollten reichen. Ich habe schon alle angeführten Formen präpariert und kann damit sagen, dass sie sedimentgefüllt sind und somit wohl hohl waren. Es bot sich also durchaus Platz für ein Organ, oder einen "Luftsack".


Ich denke eine Idee die durchaus mal diskutiert werden sollte. Vielleicht schaft sie es ja auch in eine Publikation, In der Hoffnung, dass wir diesmal auch geannt werden.

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Aläßlich des Artikels in Natur und Museum von basse möchte ich hir noch einmal darauf hinweisen, dass wir wohl nicht die einzigen sind, die hier nach Lösungen suchen. Ideen sind hier zumindest vorhanden.

Auffallend ist übrigens noch, dass die "Naslinge" in einem Zeitlich doch eng umschriebenen Fenster auftauchen.

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12.02.2008 07:21 Schachtratte is offline Search for Posts by Schachtratte Add Schachtratte to your Buddy List
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Hat eingentlich jemend eine Komura mit Nase, nicht nur mit Diadem?

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01.01.2010 09:58 Schachtratte is offline Search for Posts by Schachtratte Add Schachtratte to your Buddy List
Jens Jens is a male
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Juhuu,

das Neue Jahr hat begonnen und wir wenden uns gleich wieder den schwierigen Fragen zu und dem Trilobitengott sei es gedankt, wieder mit Udo. Bin sehr froh dich wieder hier lesen zu können.

Also tolle Idee diesen Trilobitenproblemfall nochmals anzugehen und zu versuchen Lösungen zu finden.

Pavel hat verschiedene Gruppen angesprochen, deren Rostralplatte zu einem Rostrum verlängert oder zumindest den Hang zur Spitzenbildung besitzen.

Ich möchte zu der Liste noch weitere Beispiele nennen, so gibt es ordovizische Lichiden mit einem Fortsatz, z.B. Metopolichas platyrhinus (s. http://www.backtothepast.com.mx/gallerydosa.php
Aber bei diesem Beispiel hat man zwar ebenfalls einen Fortsatz, aber die Verlängerung scheint mir doch mehr eine Ausweitung der Glabella zu sein, als von der Rostralplatte ausgehend. Wie auch immer, offensichtlich gab es schon früher Gründe ne lange Nase zu haben.
Das Stilett von Amphyx und co. wäre hier ja auch ein Beispiel.

Es gibt im Devon aber auch noch andere Trilos, wie zum Beispiel Huntonia und deren Verwandten, die in der USA den Reigen der Rostrumfortsatz-Trilobiten ergänzen, mithin echte Vertreter der Dalmatiniden.

Somit also Trilobiten die keine nach oben ragendenden Stacheln tragen.
Es ist schon seltsam, daß es innerhalb verschiedener Gruppen und relativ zeitnah die Entwicklung von Rostrumfortsätzen gibt. In Marokko ist es das Oberems, wo es richtig losgeht und Psychopyge, Comura, Walliserops plötzlich auftauchen und mal abgesehen von Comura auch eine Reihe von Arten hervorbringen.

Ich denke, daß die Idee des Sexualdimorphismus für die Erklärung dieser Stacheln vom Tisch ist. Seilacher hatte sowas ja auf der Trilotagung angesprochen und auch Fortey hat es kurzzeitig als Idee vertreten. Es hat sich aber herausgestellt, daß die unterschiedlichen Walliserops-Typen in unterschiedlichen Lagen gefunden werden und wohl noch mindestens eine weitere Art außerhalb des Tindouf-Beckens (also Region Foum Zguid bis Jebel el Gara de Zguilma) vorkommen.

Einen funktionsmorphologischen Deutungsansatz verspricht da mehr.
Wichtig ist sicher die von Udo angesprochene Aufwärtsbiegung der Gabeln und Rostren. Die findet man auch bei Marocconites, nur das bei diesem die Schale noch dicker ist, als bei dem eher "dünnhäutigen" Walliserops. Hohl müssen alle Stacheln sein, da die Außenhaut des Trilobiten die Kalkschale abscheidet und bei der Häutung dann auch die feinen fleischigen Partien irgendwie rausgewuchtet werden müssen. Sicher nicht einfach, also muß es für diese Erfindung eine sinnvolle Funktion gegeben haben.
Habe irgendwie das Bild eines Hammerhaies oder eines Metalldetektors vor Augen. Vielleicht handelt es sich ja um Sensoren im Fall von Walliserops und Psychopyge, die lebende Nahrung im Sediment aufzutreiben halfen. Auch eine Grabefunktion im weichen Kalkschlamm kann ich mir bei Saharaops vorstellen, dessen Forken ja eher kurz waren.

Nunja, ein hochspannendes Thema.

@Udo: kenne leider keine weitere Comura außer der allseits bekannten aus Marokko.

lg und bis bald,

Jens
02.01.2010 16:18 Jens is offline Send an Email to Jens Homepage of Jens Search for Posts by Jens Add Jens to your Buddy List
juniper juniper is a male
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Vielleicht sollte man in diesem Zusammenhang auch bedenken, dass die Trilobiten wohl eher keine Predatoren waren, sondern mehr die "Bauern" die unermüdlich den Bodengrund beackert haben.

Ich habe da ein Bild im Kopf, das sich mir aufdrängte, als Prof. Seilacher bei der Trilobitentagung die "am Ort-Weidespur" erklärte: den glockenförmigen Schalenpanzer seitlich auf dem Sediment aufsitzend, grub der Trilobit mit seinen Beinchen durch die von hinten nach vorne (!) laufende Bewegungswelle das nahrhafte Sediment zur Mundregion, wo es durch die nach hinten (!) orientierte Mundöffnung aufgenommen wurde - im Arbeitsablauf ähnlich wie ein Eimerkettenbagger.

Auch nach meiner Ansicht haben die hier diskutierten Frontalorgane der Trilobiten mit Sicherheit eine – wahrscheinlich sogar wichtige – Funktion erfüllt (... in der Natur hat nur höchstselten "Sinnloses" Erfolg ;) )

Die Idee, die Walliserops-Gabel analog zu einem "Metallsuchgerät" zu interpretieren, habe ich hier ja schon vorzeiten ins Spiel gebracht. Zu bedenken ist bei einigen dieser Fortsätze, dass sie augenfällig weit vom Körper weg abstehen. Das lässt den spekulativen Rückschluss zu, dass die Sinneswahrnehmungen in der Gabel möglichst nicht von "körpereigenen Ausstrahlungen" des Trilobitenkörpers überdeckt werden durften.
Daraus kann folgern, dass die Wahrnehmung mithilfe der Körperfortsatzorgane potentiell zum Aufspüren feinster Reizspuren ausgelegt war.

Wenn man nun, wie oben dargestellt, nicht von einem Trilobitentier als "Jäger" ausgeht, sondern als "Bauer", könnte das bedeuten, dass die ausgeprägten Frontalorgane dazu gedient haben mögen, Eigenschaften des Sediments (=Nahrhaftigkeit) zu untersuchen. Daraus leitet sich direkt die nächste Frage ab, nämlich welche Eigenschaften das "für die Trilobiten nahrhafte Sediment" besessen haben musste.

Der erste Gedanke geht in Richtung Bakterienmatte, oder Algenrasen, es kann sich aber auch um Hinterlassenschaften von Bodengrundbewohnern handeln (organische Komponenten von Grabbauten wie z.B. durch Schleim verfestigte Tunnelwände, oder in weitere Zersetzung übergegangene Ausscheidungen der Im-Sediment-Bewohner).
Vielleicht spürten die Trilobiten aber auch Überreste von im Boden eingebetteten toten Tierkörpern auf, jedoch nicht als eigentliche Aasfresser, sondern im Sinne der Verwertung der "Verwerter" (da sind wir wieder bei Bakterien, Pilzen, organischen Hinterlassenschaften von allerlei Gewürm usw.).
Die vielfältigen und auffälligen Formen lassen durchaus auf ein ausgewiesenes Nahrungsspezialistentum der Trilobiten schließen, die sich mit ihren besonderen Wahrnehmungsorganen einzigartige Nahrungsquellen in ökologischen Nischen erschließen konnten.

Prof. Fatka stellte anhand von tschechischen Funden die (spekulative und daher auf der Tagung auch umstrittene ;) ) These auf, die Trilobiten könnten "Bodenbewirtschaftung" (Gardening) betrieben haben, das heißt sie hätten buchstäblich ihr "Feld bestellt" mit allerlei Organischem, welches sie nach entsprechender "Reifezeit" "abgeerntet" hätten.

Neben einigen anderen Eindrücken waren diese beiden, auf der Trilobitentagung diskutierten Aspekte die Eindrücklichsten, die mein Bild von der Lebensweise der Trilobiten geprägt bzw. erweitert haben.

Im Übrigen sind mir – befreit von jeder Wissenschaftlichkeit – die Trilobiten als paläozoische "Bauern" irgendwie noch mehr sympathisch :)

lg.Klaus

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„Ich suche nicht - ich finde.” Pablo Picasso.

2.Trilobiten-Tagung (19./20.2.2011): Abstracts der Vorträge

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02.01.2010 18:31 juniper is offline Search for Posts by juniper Add juniper to your Buddy List
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