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Go to the bottom of this page Marokko 2009 - Ein paar Impressionen - Block 5
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14. Oktober - Ruhetag und Besuch bei den Segaouis

In Erfoud am 13. nachmittags angekommen, wurde erst einmal das Fahrzeug abgerüstet und beschlossen den folgenden Tag zur allgemeinen Ruhe und Erbauung zu nutzen, bevor es am 15. Oktober wieder ins Gelände gehen sollte.


Im Keller bei Segaouis .... hier sitzt man gern, so ganz von Fossis umgeben!

Am 14. nahmen wir eine Einladung von H'mad Segaoui wahr, ihn in seinem Haus zu besuchen, das in Gehweite von Hammis Haus liegt. Dort konnten wir einen Blick ins Erdgeschoß werfen, was hier offenbar generell dem Keller bei uns gleichkommt.

Hier haben die Segaoui-Brüder ihr Büro und ein kleines Hauslager an Fossilien. Die wenigen nachfolgenden Bilder stammen alle von Rainer, da ich keine Kamera dabei hatte.


Große, einzelne Selenopeltis auf geschliffener Matrix, ca. 20 cm lang.


Seelilienplatte, das typische, rötliche Gestein, ca. 1 m. Davor unten teils geschlossene Geoden mit großen Corynexochiden aus dem Ordovizium.


Kreide-Ammos - Nunja, das Kringelithikum ist einfach nicht totzukriegen! <g>


Dann doch lieber ein paar große Redlichiida, nüch wahr? Das Stück links daneben dürfte in der Tat die Hangendplatte dazu sein.

Nach ausgiebiger Betrachtung der dort vorfindbaren Fossilien machten wir abends noch einen kurzen Abstecher zu einem nur ca. 10 km ausserhalb von Erfoud liegenden Fundort, dessen Namen ich mir allerdings nicht gemerkt habe. Hier ging es nur um ein oberflächliches Absuchen ...


Flachland ca. 10 km ausserhalb von Erfoud. Hier soll es Trilobiten geben.


Nunja, große Grabungen waren hier ohnedies nicht vorgesehen, Hauptsache man hat die Gegend mal gesehen! ;-)

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02.01.2010 12:40 Xiphogonium is offline Send an Email to Xiphogonium Homepage of Xiphogonium Search for Posts by Xiphogonium Add Xiphogonium to your Buddy List YIM Account Name of Xiphogonium: xiphogonium
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15. & 16. Oktober - Taboumakhloft

Am 15. Oktober ging es ab Richtung Jbel Issoumour, die gleiche Strecke wie ganz am Anfang unserer Reise, also über M'cesisi und Bou Dib hinein in den hufeisenförmigen Ring des Issoumour.

Von der "Hauptstrasse" ging es irgendwann rechtwinklig nach rechts ab ins Gelände, sprich geradewegs nach Westen, tiefer in das Hufeisen hinein. Eine Aufnahme über Google Earth mag dies hier verdeutlichen:


Das Hufeisen des Jbel Issoumour. Ganz oben am Anfang ist ein Durchbruch zu erkennen, dies dürfte die Stelle sein an der beidseitig der Psychopyge-Couche ansteht (siehe Bilder in den vorangehenden Teilen). Die Haupttrasse führt von dort praktisch gerade nach Süden, entlang dem erkennbaren Flußlauf.

Das Lager in Taboumakhloft lag im Grunde ungeschützt auf freier Fläche, wenn auch in einer flachen Senke. Beim Aufstellen der Zelte wurde kurzfristig beschlossen den Platz noch einmal um gute einhundert Meter zu verlegen. Dennoch war es hier ausgesprochen warm und dementsprechend waren auch die Grabungsergebnisse. Eine wirkliche Verbesserung zu den vorherigen Fundpunkten war wohl nicht festzustellen, was wohl eher den Umständen geschuldet war als den tatsächlichen Fundmöglichkeiten.


Mein kleines Häuschen in Taboumakhloft. Es würde noch einiges auszustehen haben!


Blick vom Zelt nach Norden, aus der Senke heraus. Im Hintergrund die Auslaufer des Issoumour.

Dies führte bereits am Folgetag zu dem Entschluss, schon am 17. wieder nach Erfoud zurückzufahren und die Reise damit im Grunde vorzeitig zu Ende zu bringen, jedenfalls soweit es den Aufenthalt im Gelände anging.


Blick vom Fahrzeug aus nach West-Südwest. Im Hintergrund rechts ist eine Abbauschicht zu erkennen.

Abends zogen von Norden her Wolken über den Issoumour, die gegen 20 Uhr zu leichten Regenschauern führten. Nachdem sich die übrigen gegen 21 Uhr in ihre Zelte zurückgezogen hatten - mit Ausnahme meiner Wenigkeit -, und es immer wieder zu leichten Schauern kam, wurden wir plötzlich regelrecht von einem kleinen Sandsturm überrascht, der aus westlicher Richtung mit einer mir bis dahin völlig unbekannten Wucht einschlug und es mir schwer machte überhaupt zu atmen, geschweige denn die Augen offen zu halten.

Das ganze dauerte etwa eine Minute lang, machte auf mich aber einen ausgesprochen großen Eindruck. Die Zelte wurden bei diesem Ansturm ganz schön angeschoben und ich hatte Befürchtungen daß entweder die Abspannleinen reissen würden oder die Heringe aus dem Boden gerissen werden könnten. Rainer hatte sich zwischenzeitlich bereits in unser Fahrzeug geflüchtet, das mit seinen gut zwei Tonnen Leergewicht wie ein Fels in der Windbrandung stand.

Ich spannte jedenfalls alle Leinen nach und überprüfte die Festigkeit der eingeschlagenen Heringe. Im Glauben es habe sich beruhigt, zog ich mich dann ebenfalls in mein Zelt zurück. Ich war gerade dabei einige meiner Sachen zu ordnen, als meine Ohren ein Geräusch vernahmen, das ich bis dahin so noch nicht gehört hatte.




Wolken ziehen von Norden über den Issoumour heran ....

Von Westen her vernahm ich ein dumpfes Rauschen, ein tiefes Grollen, das sich auf breiter Front und mit hoher Geschwindigkeit zu nähern schien. Mir war nicht sofort klar was da auf uns zukam. Wäre ich nicht mitten in der Wüste gesessen, ich hätte geschworen, daß sich im Westen eine Wasserwand aufgetürmt hatte, die nun unaufhaltsam auf uns zurollte. Viel Zeit darüber zu sinnieren hatte ich allerdings nicht, den im nächsten Augenblick traf uns die Wand, die nicht aus Wasser sondern aus Wind bestand, mit voller Wucht.

Die Gewalt, mit der diese Woge aus Luft auf uns einschlug, lässt sich gut zeigen, wenn man das obige Bild meines Zelts nimmt und einzeichnet, wie das Gestänge danach aussah:


Rot: Normalzustand, Blau: Einwirkung der "Windwand"

Ich lag jedenfalls in meinem Zelt, über mir kein Hohlraum mehr, ich fühlte mich eher wie in einem Schlafsack als in einem Zelt. Das Gestänge bog sich nach innen und drückte von oben auf mich herab. Das ganze dauerte wiederum vielleicht nur eine Minute, dann kehrte aufs neue völlige Stille ein. Ich kroch ziemlich entnervt aus meinem Zelt um mir den Schaden zu besehen, stellte aber fest daß das Gestänge aus Fiberglas zumindest nicht durchgebrochen war. Vielmehr hatte der Wind das ganze Konstrukt, das aus einem einzigen, ziemlich langen Bogen besteht, zuerst komplett auf die Gegenseite durchgebogen und beim Nachlassen des Winds war es nicht völlig in seinen Normalzustand zurückgekehrt.

Ich stellte den alten Zustand wieder her, stellte weiter keine Schäden fest, aber spannte nochmals alles nach. Kurz gesagt, es dauerte keine fünfzehn Minuten und die nächste Welle rollte heran. In dem Augenblick war ich gerade noch ausserhalb des Zelts. Ich hörte das unheimliche Rauschen, sprang mit zwei Sätzen in mein Zelt, machte alle Luken dicht und schaffte es gerade noch mich rechtzeitig mitten unter den Gestängebogen zu setzen und wie ein hinduistischer Gott mit beiden Armen das Fiberglas nach außen zu drücken, da traf die neue Windwelle auf und ich verbrachte eine weitere, unangenehme Minute damit das Zelt von innen daran zu hindern unter dem Ansturm einzuknicken.

Wie ich später erfuhr war ich nicht der einzige, der in dieser Stellung eine Zeitlang zugebracht hatte ... <g>

Ich habe beobachtet, daß es offenbar einen Zusammenhang gab zwischen einer einzigen, großen Regenwolke, ihrer Position relativ zum Gebirgszug und dementsprechend der Richtung aus der diese Luftwellen auf uns trafen. Meine Interpretation geht dahin, daß die tagsüber extrem aufgeheizte Luft, die unterhalb dieser Wolke aufstieg und dabei stark abkühlte, in einer gewissen Höhe seitlich über der nachströmenden heißen Luft entwich und dann an diesem vertikalen "Tunnel" senkrecht nach unten zurückstürzte, wobei das Hufeisen des Issoumour sicher seinen Teil dazu beitrug, daß diese Luftmassen wie auf einer Sprungschanze aus der Vertikale in die Horizontale gehen konnten um anschliessend einer Wasserwelle gleich über die Ebene zu rasen.

Jedenfalls war das Ganze sehr beeindruckend und es dauerte noch eine ganze Zeit, bis es schliesslich so ruhig war, daß nur noch geringe Windstöße kamen und man einigermaßen beruhigt den Schlaf suchen konnte.

Einige Stunden vorher machte ich ein paar hübsche Aufnahmen während des Sonnenuntergangs, die ich nachfolgend unkommentiert zeigen möchte. Einige davon habe ich im Hintergrund etwas größer gelassen als die übrigen Aufnahmen, damit sie besser wirken. Wer hätte gedacht, daß aus diesen kleinen Wolkenfeldern sich derart unangenehme Sturmwinde entwickeln könnten?









Ich möchte an dieser Stelle einen radikalen Schnitt machen, insofern, als wir die nächsten drei Tage damit zubrachten uns in Erfoud auszuruhen, unsere Ausrüstung in Ordnung zu bringen, unsere Klamotten zu waschen, ein bißchen den Ort zu erforschen und abends während des Dattelfestes auf der Hauptstrasse von Erfoud ein kleines Abendessen zu veranstalten. Wir hatten beschlossen bereits am 19. in Richtung Quazarzate aufzubrechen, am 20ten einen ruhigen Tag in dieser Stadt zu verbringen, und dann am 21. frühmorgens unsere Rückreise nach Casablanca anzutreten.

Der nächste und letzte Block wird ein paar abschliessende Anmerkungen enthalten, und ich hoffe, daß eine nächste Reise bessere Voraussetzungen haben wird und unter geeigneteren Umständen stattfinden kann ...

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02.01.2010 13:56 Xiphogonium is offline Send an Email to Xiphogonium Homepage of Xiphogonium Search for Posts by Xiphogonium Add Xiphogonium to your Buddy List YIM Account Name of Xiphogonium: xiphogonium
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Hallo Mike,

Danke sehr für die schönen Bilder und die ausführliche Beschreibung.
Ich möchte dich nur ein Bisschen korrigieren - Cambropallas ist doch kein Paradoxide, nicht wahr? Sieh die große Triloplatte. Schäme dich, Admin ;)

Danke
04.01.2010 13:31 pavel2 is offline Send an Email to pavel2 Search for Posts by pavel2 Add pavel2 to your Buddy List
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Wo du recht hast, hast du recht! Bantu1

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04.01.2010 13:34 Xiphogonium is offline Send an Email to Xiphogonium Homepage of Xiphogonium Search for Posts by Xiphogonium Add Xiphogonium to your Buddy List YIM Account Name of Xiphogonium: xiphogonium
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Es ist jedenfalls eine sehr gute Platte, würde sie für mich als ansehnlichste da offensichtlich "ungetürkte" (oder besser "unmarokkansierte":) Ansammlung von Cambropallas-Panzern bewerten. Schön, schön.

Ein großes Lob an Mike, der wieder ein anschaulichen und amüsanten Reisebericht geschrieben hat.
Mich würde doch interessieren, ob du die Gelegenheit zum Trilobitensammeln gelegentlich genutzt hast. Oder hatte Erholung und Natur geniessen immer Vorrang ;-)?

lg,

Jens
04.01.2010 14:26 Jens is offline Send an Email to Jens Homepage of Jens Search for Posts by Jens Add Jens to your Buddy List
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Abstreiten hat keinen Zweck: Es war mir viel, viel zu heiß um mich überhaupt mehr als nötig zu bewegen! Wer mich kennt weiß, daß ich mich bei ca. 10 Grad C Außentemperatur am wohlsten fühle ...... von über 30 Grad möchte ich gar nicht reden. Aber, aber!

P.S. - Und selbst das Natur genießen fiel mir diesmal recht schwer. Ich war eigentlich immer froh, wenn bald die Sonne unterging! <g>

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04.01.2010 14:31 Xiphogonium is offline Send an Email to Xiphogonium Homepage of Xiphogonium Search for Posts by Xiphogonium Add Xiphogonium to your Buddy List YIM Account Name of Xiphogonium: xiphogonium
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