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Jens

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Mittwoch, 20. Dezember 2017, 00:28

20. Dezember

Hallo allerseits, das 20. Türchen unseres Weihnachtskalenders geht nun auf und wir finden einen weiteren marokkanischen Trilobiten. Diesmal ist es ein kleiner Hollardops burtandmimiorum den ich vor einer Weile bekommen und präpariert habe.

Dieser Trilobit kommt aus einem Horizont der informal als „Smiley-Phacops“-couche bezeichnet wird. Dank einer Kooperation dreier Forumsmitglieder (siehe Link) ist nun der „Smiley-Phacops“ benannt und hört auf Adrisiops weugi. Er ehrt somit den Initiator dieses Kalenders, Andries Weug, der seinerzeit als einer der ersten vor Ort war und dort gesammelt hat.

Hier der Link zum Artikel von van Viersen, Holland & Koppka (2017) :)

https://www.researchgate.net/publication…nian_of_Morocco

Doch hier geht es nun um einen Hollardops und zwar die jüngste Art der Gattung, die wir bislang aus Marokko kennen. Das erste Bild zeigt den Längsschnitt durch ein mit 3,2 cm Länge eher kleines Exemplar. Wer schon einmal Material aus der Smiley-Phacops-couche präpariert hat, wird wissen, dass die Präparation nicht ganz einfach ist. Das Gestein ist hart und ziemlich klebrig, daher ist es also nicht leicht es zu entfernen. Ich hatte glücklicherweise etwas Trennung, aber die geringe Grösse des Trilos machte es einem nicht gerade einfach ein gutes Resultat zu erzielen. Insbesondere die Sehflächen der Augen waren problematisch und ich kann froh sein dass ich sie halbwegs ok freilegen konnte, wenngleich mit Abzügen in der B-Note.
Das 2. Bild soll ein bisschen die Problematik bei der Präparation andeuten und da das Exemplar frisch gewaschen wurde, kommt auch gut die, wie ich finde, sehr hübsche und natürliche bräunliche Farbe der Trilobitenschale zur Geltung.
Bild Nummer 3 zeigt dann schon das Endergebnis, die verbliebene Matrix zwischen den Segmenten war schwierig zu entfernen und kommt hier wegen der Vergrösserung stärker zur Geltung als beim Original. Nunja, ich wollte zudem Schalendetails erhalten, die durch zu starkes Strahlen leicht verloren gehen können.
Um solcherart Details aber wirklich gut sehen zu können, braucht es widerum eine Bedampfung mit Ammoniumchlorid (Bilder 4-8). Dann kann man jeden kleinen Tuberkel sehen, aber auch die kleinen Beschädigungen die das Arbeiten mit einem Stichel mit sich bringt.
Die Art ist relativ leicht zu erkennen aufgrund des etwas ausgezogenen Vorderrandes, der leicht dreieckig zugespitzt ist. Zudem sind die Stacheln am Pygidium dünn und daher spitzer als im Vergleich mit Hollardops mesocristatus.
Vielleicht noch eine Bemerkung zum Namen. In unserem Paper sind van Viersen, Holland und Koppka (2017) darauf eingegangen, dass die ursprüngliche Namensgebung der Art nicht den Nomenklaturregeln entspricht. Insbesondere die Endung ist leider bei der ursprünglich als Philipsmithiana burtandmimiae Lieberman & Kloc, 1997 beschriebenen Art so nicht haltbar gewesen. Die Endung –ae wird genutzt wenn sich ein Artname auf eine weibliche Person bezieht. Da aber der Artname die Eltern von Herrn Liebermann ehrt, muss die Endung also nicht in der Einzahl sondern für mehrere Personen gebildet werden und da ist –orum vorgeschrieben für eine Gruppe bestehend aus Mann und Frau :) Okay, komplexe Sache, aber es geht bei der Namensbildung eben auch darum Regeln zu befolgen, die man als Taxonom auch kennen sollte. Das war also in Kürze die Geschichte die hinter der Umbenennung von burtandmimiae zu burtandmimiorum steckt. Dann haben wir gleich auch noch Hollardops mesocristata zu mesocristatus umbenannt, weil alle Gattungen die auf –ops enden automatisch männlichen Geschlechts sind und somit eine männliche Endung verlangen :)


Species: Hollardops burtandmimiorum Lieberman & Kloc, 1997
Alter: Oberemsium, Unterdevon
Formation: El Otfal Formation
Größe: 3,2 cm
Fundstelle: Marokko, Issoumour, „Smiley-Phacops“ couche
Bild & Sammlung: Jens
»Jens« hat folgende Bilder angehängt:
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Was wäre die Welt ohne Trilobiten.
:267: :240: :272:

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22

Donnerstag, 21. Dezember 2017, 01:06

21. Dezember 2017

Trommelwirbel.... :057:
Es ist mir eine besondere Ehre, auch ein Türchen für diesen Adventskalender beisteuern zu dürfen!!!

Es handelt sich hier um einen "Stein", den ich auf unserer Hochzeitsreise in Marokko gefunden habe.
Aus dem Stein guckte das Kerlchen mit seiner Schokoladenseite heraus, dass er auf dem Rücken leicht verwittert war,
war auch abzusehen. Aber dies machte den Charme dieses "Steinchens" aus.
Wenn frau mit einem Trilobiten-Fan verheiratet ist, wird frau unweigerlich mit dem Trilobitenthema infiziert.
Da ich sehr viel über das Trilobitensammeln in Marokko erzählt bekommen habe, wollte ich dieses auch mal tun.
So wurde unsere Hochzeitsreise zu einem ganz besonderem Abenteuerurlaub. :137:

Also:
Irgendwo in der Wüste, an einer Stelle, wo schon andere in unglaublichen Dimensionen nach Trilobiten gesucht haben,
bin ich über diesen kleinen "Fast-Rolli" gestolpert. "Der kommt mit, der gefällt mir, daran kann ich mich
mal im Präparieren üben!", dachte ich. :199:
Daheim konnte ich Andries nun Gesellschaft in der Werkstatt leisten :140: mit meinem eigenen Trilo, der präpariert werden sollte.
Das Gute an diesem Tierchen war, da ich ihn selbst gefunden hatte und er auch nicht wirklich den Anschein machte,
mal ein hübsches Präparat zu werden, dass ich recht schmerzfrei und unbeschwert an die Präparation herangehen konnte.
Zu erst habe ich an meinem "Mus-o-bit" :313: herum gestichelt, so zeigte sich, dass es neben der verwitterten Stelle auch noch
ein paar Scherbchen fehlen. Aber das war mir egal, denn je länger ich an meinem "Bastel-o-bit" werkelte, desto
mehr Gefallen fand ich am Präparieren.
Es macht einfach Spaß, wenn man während der Präparation mit gutem Werkzeug und unter fachlicher Anleitung an seinem
eigenen Trilo arbeiten kann.
Je länger ich an meinem "Mus-o-bit" herum präparierte, desto ergeiziger wurde ich, aus diesem Fundstück, was einige Sammler
wohl gar nicht erst aufgesammelt hätten, etwas Vorzeigbares zu erstellen.
Nun freue ich mich, für den "Muß-o-bit" alias "Bastel-o-bit" hier ein würdiges Plätzchen gefunden zu haben.

Liebe Grüße
Silke

Die Daten aus meiner Sicht :201:
Species: Bastel-o-bit Kategorie Mus-o-bit
Alter: Steinalt
Formation: gerollt
Größe: Taubeneigroß
Fundstelle: irgendwo in der marokkanischen Wüste
Bilder: Andries
Sammlung: Silke


Die Daten nach Andries: :260:
Species: Morocops sp.
Alter: Devon
Formation:
Größe: 6,6 cm (gestreckt)
Fundstelle: Marokko, Maider, vermutlich Tharajate (SW vom Jbel Oufatene)
Sammlung: Silke
»Shrubbery« hat folgende Bilder angehängt:
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  • Morocops_sp_02.JPG
  • Morocops_sp_03.JPG
  • Morocops_sp_04.JPG
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Andries

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23

Freitag, 22. Dezember 2017, 00:30

22. Dezember 2017

Nur noch wenige Tage bis Weihnachten, so langsam werden die Trilobiten knapp.
Glücklicherweise habe ich heute etwas ganz Besonderes zur Verfügung gestellt bekommen.
Es ist eine unvollständige Lesefund aus Gotland, die aber an verschiedenen Stellen (Pleuren-enden, Spindel etc.) Poren in der Schale zeigt.

Die Ostseeinsel Gotland ist unter Trilobitensammlern für ihre silurische Trilobiten bekannt.
In den fossil- und mergelhaltigen Kalken findet man auch reichlich Pyrit,
welches man auch in vielen Fossilien auf vielerlei Arten wieder findet.

Bei vereinzelten Trilobiten konnte eine Besonderheit bei den Porenkanälen beobachtet werden.
In einigen der Porenkanäle gibt es Kalk- oder Pyriteinlagerungen.
Da das Pyrit oxidiert und die Schale durchsichtig ist, werden so die Poren sichtbar.
Die Poren sind somit größer als ursprünglich, da bei der Oxidation bzw. Verwitterung des Pyrites,
das umliegende Kalzit der Schale aufgrund der Volumenzunahme (bei der Oxidation) gesprengt wurde.
Es entstehen weißliche Röhren, welche nun sichtbar sind.

Porenkanäle sind in der Literatur schon bekannt, jedoch zeigen diese Aufnahmen, dass die Porenkanäle
nicht zwangsläufig rechtwinklig zur Schalenoberfläche verlaufen, sondern auch schräg bzw. parallel verlaufen können.
Sicherlich ein interessanter Aspekt für die Funktionsweise der Poren.

Die Bilder wurden mir dankeswerter Weise zur Verfügung gestellt.
Vielen Dank dafür!!!
Viel Spaß mit den Bildern,

Andries

Species: Calymene frontosa LINDSTRÖM 1885
Alter: oberstes Untersilur, oberes Llandovery
Formation: untere Visby-Formation
Größe: not available
Fundstelle: Schweden, Ostseeinsel Gotland, Kliff Hallshuk
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  • Calymene_frontosa_LINDSTROEM1885_02.jpg
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Jens

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24

Samstag, 23. Dezember 2017, 01:00

23. Dezember

hallo allerseits,

es ist nun beinahe Weihnachten und die vorletzte Tür geht auf.

Auch diesmal finden wir wieder einen marokkanischen Trilobiten, aber ich habe mir einen richtig spektakulären für den Schluss aufgehoben :)

Ich habe den Rohling vor ein paar Jahren bekommen und ihn vor einer Weile präpariert. Keine einfache Arbeit wie man sich denken kann. Insbesondere die kleinen dorsalen Stachel waren eine Herausforderung, die sich nur durch vorsichtiges Sandstrahlen lösen liess. Es musste viel Matrix entfernt werden und ich war mir anfangs nicht wirklich sicher ob es ein gutes Exemplar werden würde. Ich hänge ein paar Bilder während der Präparation an, dann das fertige Präparat und abschliessend noch ein paar geweisste Bilder für die Details.

Es war eine richtige Plackerei und dauerte insgesamt um die 70 Stunden, aber ich denke es war es wert :)


Species: Psychopyge termierorum Morzadec, 2001
Alter: Oberemsium, Unterdevon
Formation: Tazoulaït Formation
Größe: maximale Länge 8,5 cm (mit Stacheln)
Fundstelle: Marokko, Maider, Ofaten
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Was wäre die Welt ohne Trilobiten.
:267: :240: :272:

Andries

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25

Sonntag, 24. Dezember 2017, 00:19

24. Dezember 2017

:067: eigentlich sollte heute schon das fertige Präparat erscheinen, aber leider habe ich es nicht mehr rechtzeitig fertig bekommen. :088:
Vorfreude ist bekanntlich die schönste Freude, also gibt es vorab die Rohling-Bilder.
Ich hoffe, ich kann ihm morgen nachreichen.
Wie in Amerika, Bescherung gibt es erst am 25. Dezember.

Welcher Trilobit wird noch nicht verraten, die Herkunft schon:

Unser letzter Adventskalender Trilobiten habe ich von Heiko nach Stuttgart gekauft.
Wir hatten ein nettes Gespräch über diesen Trilobitenart.
Irgendwann erzählte Heiko, dass er noch ein gerollten Rohling hat.
Er hat ihm vor Jahren gekauft, aber nie die Zeit gefunden ihn zu präparieren.
Meine Neugierde war geweckt und nach einen netten Gespräch kam der Rohling zu mir.

Nunja, eigentlich sollte er nun hier erstrahlen, aber leider ist der Rohling eine kleine Herausforderung. :318:
Nicht nur, dass der Rohling ein Rolli ist, er hat auch noch mit anderen Überraschungen aufgewartet.
Somit dauert alles länger wie gedacht. Immerhin ist er zu 80% fertig, aber wir wollen nichts halbes.
Somit geht es morgen weiter.


to be continued... :333:
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  • Heiko_1.JPG
  • Heiko_2.JPG

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26

Montag, 25. Dezember 2017, 00:24

24. Dezember 2017 2.0

Hallo allerseits,
eigentlich sollte er nun komplett fertig sein, aber bei der Linken Wange klafft ein 2mm Loch, was verfüllt werden muss.
Somit gibt es nun den fast fertigen Ditomopyge productus.
Nach all dem alten Zeug nun mal was erfrischend Junges aus dem Unter Karbon. :201:

Obwohl eine Trennung zwischen Schale und Matrix vorhanden ist, war die Präparation langwierig.
Die Tektonik hat alles verdrückt und ich hatte Mühe, die ganzen Stücke wieder zusammen zu puzzeln.
Da ich keine Erfahrung mit dem Material habe, wurde gestichelt.
Sandstrahlen habe ich auf ein absolutes Minimum begrenzt.
Die Schale ist recht weich, womit viele Teile abbrachen und geklebt wurden.
Immerhin hat sich die Mühe gelohnt.

Rohlinge dieser Art gibt es wohl kaum noch.
Umsomehr hat es mich gefreut, dieses Material mal selber präparieren zu können.
Vielen Dank an Heiko, dass er mir diesen Rolli überlassen hat.

Frohe Weihnachten,

Andries

Species: Ditomopyge productus
Alter: Unter Karbon
Formation: ?
Größe: folgt
Fundstelle: Russland, Wolgograd
Foto und Sammlung: Andries
»Andries« hat folgende Bilder angehängt:
  • Ditomopyge productus_01.JPG
  • Ditomopyge productus_02.JPG
  • Ditomopyge productus_03.JPG
  • Ditomopyge productus_04.JPG
  • Ditomopyge productus_05.JPG