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21

Mittwoch, 6. August 2008, 22:36

Oh Tannenbaum

Das hier ist der absolute Supergau betreffend Besiedelung, wobei ich hier von post mortem ausgehe.
Ich durffte das Stück vor etwa 15 Jahren bei einem Bekannten ablichten.
Und was sagen Sie als Unbeteiligter zum Thema Intelligenz?

Der Idealismus wächst mit der Entfernung zum Problem!

"Ein Kluger bemerkt alles, ein Dummer macht über alles seine Bemerkungen."

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22

Mittwoch, 6. August 2008, 22:39

Und hier noch einmal im Profil.
Ich wünsche fröhliches ...eiern.
Und was sagen Sie als Unbeteiligter zum Thema Intelligenz?

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juniper

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23

Mittwoch, 6. August 2008, 23:12

RE: Oh Tannenbaum

...da legst di nieder 8o

Eine Rentiercalymene.
Dem Kerlchen wächst doch tatsächlich ein Apfelbäumchen auf Front und Heck. Auch der Thorax hat einige bemerkenswerte Knubbel aufzuweisen.
Hier dürfte garantiert ein Post-Mortem-Bewuchs vorliegen. Gibt es Untersuchungen über die Wachstumsgeschwindigkeit von Bryozoen? Dann könnte man abschätzen, wie lange ein herumliegender Trilobitenpanzer/körper Bestand hatte, damit so ein ausgeprägter Bewuchs entstehen konnte.

Danke für die Bilder :)

lg.Klaus
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Andries

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24

Donnerstag, 7. August 2008, 12:21

dann kann man nur noch staunen.
hätte nie gedacht, dass ein Panzer solange bestand haben kann.
Der müsste schon ziemlich gut eingebettet gewesen sein, damit er nicht wieder losgespült und zerrissen wurde.

Ein wahrhaft tolles Stück.

Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »Andries« (7. August 2008, 12:21)


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25

Donnerstag, 7. August 2008, 19:30

RE: Oh Tannenbaum

Zitat

Original von juniper
...da legst di nieder 8o

Eine Rentiercalymene.
Dem Kerlchen wächst doch tatsächlich ein Apfelbäumchen auf Front und Heck. Auch der Thorax hat einige bemerkenswerte Knubbel aufzuweisen.
Hier dürfte garantiert ein Post-Mortem-Bewuchs vorliegen. Gibt es Untersuchungen über die Wachstumsgeschwindigkeit von Bryozoen? Dann könnte man abschätzen, wie lange ein herumliegender Trilobitenpanzer/körper Bestand hatte, damit so ein ausgeprägter Bewuchs entstehen konnte.

Danke für die Bilder :)

lg.Klaus


Nun, als ich als kleiner Junge im Urlaub an der jugoslavischen Adria war haben sie in einem Jahr die HAfenmauer gebaut, und im Folgejahr waren die Bryozoen in etwa 5m Tiefe 10-15cm groß. Demzufolge dürften sie recht schnell sein.
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Andries

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26

Donnerstag, 3. Juli 2014, 12:02

Zu guter Schluss gibt es noch eine besonders netter Calymene, wo sich zwei Koralle auf dem Exoskelett angeheftet haben.

Irgendwie kann ich mir nicht vorstellen, dass es zu Lebzeiten passiert ist, sondern wohl eher postmortal.
Nun stellt sich mir die Frage, wieso ein gebuddelter Trilobit als Wachstumsplattform für Korallen dienen kann.
Vielleicht ist er tatsächlich zu Lebzeiten verstorben, dann wuchsen Koralle darauf und würde schließlich eingebettet.
Wer weiß...


Im diesen Sinne... hoffe ich, euch haben die Impressionen gefallen.

Viele Grüße,

Andries


Edit Jens: Ist dass etwa das Exemplar welches Udo vor Jahren mal vorgestellt hatte? Klaus seine Beschreibung vom Apfelbaum auf Heck und Spoiler (= Cepahlon und Pygidium) trifft hier jedenfalls zu.
»Andries« hat folgendes Bild angehängt:
  • stmarie8.JPG

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Jens

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27

Dienstag, 29. Juli 2014, 15:37

Hallo allerseits,

es wird mal wieder Zeit nach 2181 Tagen um genau zu sein (wie die neue Forensoftware mich gerade informiert), um dieses schöne Thema wiederzubeleben. Andries hat uns ja von der Messe in St.-Marie ein Foto einer Flexicalymene retrorsa mit aufgewachsenen Bryozoen vorgestellt. Ich verbessere mal hier Korallen gegen Bryozoen.

Wie der Zufall will bin ich auf eine Arbeit von Key et al. (2010) gestossen, worin die Lebendbesiedlung von Flexicalymene eingehend untersucht wurde.

http://jpaleontol.geoscienceworld.org/co…6/1121.abstract

Marcus M. Key, Jr., Gregory A. Schumacher, Loren E. Babcock, Robert C. Frey, William P. Heimbrock, Stephen H. Felton, Dan L. Cooper, Walter B. Gibson, Debbie G. Scheid, and Sylvester A. Schumacher (2010)
Paleoecology of Commensal Epizoans Fouling Flexicalymene (Trilobita) from the Upper Ordovician, Cincinnati Arch Region, USA. - Journal of Paleontology, 84, p. 1121-1134.

Leider ist die Arbeit nicht als PDF frei zugänglich, aber man kann aus dem Abstract ein paar interessante Informationen entnehmen.
Man hat bei den untersuchten 15000! Flexicalymene-Exemplaren nur oder immerhin 16 Exemplare gefunden, deren Panzer zu Lebzeiten mit Epizoen bewachsen sind. Darunter an erster Stelle Bryozoen, gefolgt von inartikulaten Brachiopoden sowie Cornuliten und nicht näher identifizierbare nicht mineralisierte Röhren.

Interessant ist in diesem Zusammenhang auch die Beobachtung von Udo aus Kindheitstagen, wie schnell Bryozoene innerhalb eines Jahres wachsen können. Daher verwundert es wohl nicht, dass man wenn auch selten Flexicalymene mit einer Bryozoen-Krone findet.

Falls jemand die Arbeit hat, PN an mich;-)

lg,
Jens

Edit: Ich habe im Fossilforum noch 2 Bilder von 32Fordboy einer Flexicalymene mit einer Bryozoe auf dem linken Auge gefunden. Gemeine Position, praktisch eine Augenklappe. Ein Glück dass sich Trilobiten häuten konnten.

http://www.thefossilforum.com/uploads/mo…01280011138.jpg
http://www.thefossilforum.com/uploads/mo…01280011157.jpg
Was wäre die Welt ohne Trilobiten.
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Apianurus

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28

Mittwoch, 30. Juli 2014, 10:56

Hallo zusammen,

die Arbeit von Key et al. war mal im Netz zum Download bereit. Das Paper gibt's im Anhang.

Ulrich
»Apianurus« hat folgende Datei angehängt:

Jens

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29

Mittwoch, 30. Juli 2014, 11:09

Hallo Ulrich,

vielen Dank fürs PDF, ich fürchte aber, dass wir es aus Urheberrechtsgründen nicht online lassen können. Vorschlag, wir lassen es mal einen Tag oder so drin und dann wird es wieder gelöscht.

Spannende Arbeit jedenfalls. Interessant auch zu sehen, dass soetwas wie der oben gezeigte "Tannenbaum" nicht unter den Fundstücken war. Aber dafür eine Flexicalymene deren kompletter Kopf mit einer Bryozoe überwachsen war. Denke dass war sicher nicht so angenehm für den Trilobiten.

lg,
Jens
Was wäre die Welt ohne Trilobiten.
:267: :240: :272:

Michael

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30

Mittwoch, 30. Juli 2014, 11:37

Hallo Ulrich,

auch von mir danke für das paper, ist sehr spannend... Denke so wie Jens vorschlägt wird es am besten sein. Soll ja keinen Ärger geben ;-)

Also die Flexicalymene mit dem komplett überwucherten Kopf wird wohl schon unter deutlich verminderter Lebensqualität gelitten haben. Es dürfte ihr auch nicht so leicht gefallen sein, sich erneut zu häuten, die Fazialsuturen sind ja auch mit überwachsen. Und sehen konnte sie wohl auch nichts mehr... Na also wenn das ne Art Symbiose gewesen sein sollte, dann wäre die Flexi aber bestimmt übervorteilt worden... Jedenfalls wäre es spanndend zu erfahren, wie so ein zugewachsener Trilobit seinen Alltag so meistern konnte... :161:

Jens, vielen Dank fürs wiederbeleben dieses interessanten Threads und das verlinken der tollen Funde dazu. Der wandelnde Wald auf dem Bild in Andries´Beitrag ist ja der Hammer. Das ist mal ein Bewuchs ! Ein sehr interessantes Thema, mal sehen ob dazu noch was zu finden ist.

lG

Micha

Jens

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Mittwoch, 30. Juli 2014, 16:35

Hi Micha,

jau, stimme dir zu, mit so viel Bryozoe auf dem Kopf kann das Leben nicht so dolle gewesen sein.

Interessant ist in diesem Zusammenhang auch folgendes Paper:

Brandt, D. S. 1996. Epizoans on Flexicalymene (Trilobita) and implications for trilobite paleoecology.J. Paleont. 70 (3): 442–449.

Abstract
Epibionts on specimens of Flexicalymene (Late Ordovician, Cincinnati Arch region, U.S.A.) that were encrusted while alive show an apparent preference for attachment along the relatively elevated sagittal axis of the exoskeleton (glabella, axial rings of thorax and pygidium) or the medial portion of the cephalic doublure. This site-specificity supports an interpretation of a semi-infaunal habit for this trilobite and may indicate a commensal relationship between the epizoan and host (e.g., epizoan bryozoans exploiting the trilobite exoskeleton as a hard substrate and perhaps benefitting from feeding currents generated by the trilobite). Epizoans are found only on larger individuals of this trilobite, suggesting a terminal molt stage for Flexicalymene. Although the number of previously reported encrusted trilobites is small, a survey of the literature suggests the following hypotheses concerning the relationships between trilobite life habit and susceptibility to epizoan colonization: 1) infaunal (burrow dwelling) trilobites were generally free of epizoans; 2) a small proportion of shallow-burrowing (semi-infaunal or 'ploughing') trilobites were suitable hosts for epizoans, but the epizoans preferentially colonized the elevated or anterior portions of the exoskeleton; 3) epifaunal (and some pelagic?) trilobites were more susceptible to encrustation.


Für mich spannend sind die Überlegungen der Autorin zur Lebensweise, zum einem gibt es beim Bewuchs anscheinend eine vorwiegend betroffene Partien beim Trilobiten, aslo hauptsächlich der Kopf, weniger dann weiter Richtung Pygidium und die Epizoen sind meist auch an exponierten Stellen zu finden.

Hier mal ein Auszug aus dem PDF von Key et al.

Epizoozoans and episkeletozoans on Flexicalymene preferred the elevated portions of the exoskeleton or the anterior cephalic margin. On Flexicalymene carcasses, 81% of the epizoozoans were preserved attached either to the elevated regions of the glabella, fixigenae, occipital rings, eye ridges, axial rings, and fulcra of individual pleura, or the anterior margin of the librigena, fixigenae, and doublure.

On Flexicalymene exuviae, 77% of episkeletozoans were preserved attached either to the elevated areas of the glabella, fixigenae, axial rings, pleura fulcra, or the anterior regions of the librigena. The fouling pattern is similar on both carcasses and exuviae of Flexicalymene, suggesting that the exuviae were not subject to extensive additional colonization by episkeletozoans prior to burial and preservation.

Die Schlussfolgerung, dass Flexicalymene semiinfaunal gelebt hat, also teilweise und nicht komplett im Sediment macht denke ich Sinn. Unsere "Tannenbaum"-Flexicalymene könnte eine Idee geben, wie die Lebensposition gewesen sein mag, im Hohlkreuz liegend in einer Mulde, vielleicht strudelnd Wasser filtrierend ? Zumindest wurden dabei Mikroströmungen erzeugt die interessant genug für Bryozoenlarven waren um sich anzusiedeln.

Weiterhin die Idee einer begrenzten Anzahl von Häutungen und somit im letzten Lebensabschnitt eben ein Exoskelett welches für einen längeren Zeitraum für eine mögliche Besiedlung zugänglich war. Vielleicht ist ein gewisser "Camouflage"-Effekt ja dann von Vorteil für Trilobiten die auf der Sedimentoberfläche gelebt haben.

Ich habe dann noch eine weitere Arbeit gefunden in der es um rezente Beobachtungen an Arthropoden geht, sogar das Stichwort Trilobit fällt darin (Table 10.2). Spannend ist es jedenfalls mal zu sehen wie rezente Pycnogoniden (Asselspinnen) bryozoenbewucherte Beine aufweisen.

http://www.dickinson.edu/download/downlo…torypycnogonids

Zudem ein lustiger Titel: Epizoic Bryozoans on Predatory Pycnogonids rom the South Orkney Islands, Antarctica: “If You Can’t Beat Them, Join Them” - Fouled Pycnogonids from Antarctica



Interessant zum Thema ist auch ein Beitrag von GerryK im Fossilforum, der eine Reihe von Gattungen vom Ordovizium bis Devon aufzählt, von denen Epizoen auf kompletten Gehäusen bekannt sind.

http://www.thefossilforum.com/index.php?…e-4#entry340032

Auffällig hier dass darunter viele bestachelte Formen sind, also anscheinend alles Formen die auf dem Sediment lebten und durch die Stacheln vor Räubern zumindest einen gewissen Schutz aufweisen konnten.
Auch ruhig mal im Fossilforum weiterlesen, da gibt es noch ein paar weitere Posts zum Thema Lebendbewuchs (Kommensalismus).

hier der Link: http://www.thefossilforum.com/index.php?…e-4#entry340032

lg,
Jens
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Andries

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Donnerstag, 31. Juli 2014, 10:01

Hallo Ulrich,

auch von meiner Seite ein dickes Dankeschön. :112:

Michael

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Donnerstag, 31. Juli 2014, 10:19

Hi Jens,

danke für die interessanten links zu diesem spannenden Thema ! Sehr aufschlussreich die Arbeit über besiedelte rezente Asselspinnen... :323:

Habe mal angefangen, im I-net weiter zu suchen, dabei das hier gefunden. Ein tolles Exemplar einer Flexicalymene retrorsa, diese nimmt mit ihrer aufgewachsenen Bryozoenkolonie gleich mal den Frontalfortsatz von Walliserops vorweg, oder macht einen auf Elch... Hier mal der Link zu den Fotos dieses tollen Trilos, kann man alle durch anklicken vergrößern:

http://kozmicdreams.com/trilobites.htm#Flexicalymene retorsa

Mal sehen was noch so zu finden ist...

lG

Micha

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Michael

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Donnerstag, 31. Juli 2014, 10:39

Ach so,

diese Arbeit hatten wir schon irgendwo verlinkt, geht um Besiedlung von u.a. Trilobiten (-teilen) durch Bryozoen im böhmischen Ordovizium. Wenn ich mich recht erinnere soll es sich um postmortale Besiedlung oder Aufwuchs auf Häutungsresten handeln, muss ich nochmal schauen... Die Besiedlung erfolgte bei Trilobiten der Art Dalmanitina socialis bevorzugt auf der Mitte der Cephala... Aber irgendwie gehört es hier wohl auch rein ?!?

Petr Kacha & Radko Saric: Host preferences in Late Ordovician (Sandbian) epibenthic bryozoans: example from the Zahorany Formation of Prague Basin (Bulletin of Geosciences 84(1), 169-178, 2009)

http://www.geology.cz/bulletin/fulltext/…sci841_1048.pdf

lG

Micha

PS:

habe hier noch was gefunden, Bryozoen an Pygidialstacheln bei Primaspis crosotus, nehme mal an dass dieser Bewuchs wohl auf Häutungsresten erfolgt sein müsste, da an der Ventralseite ?

http://drydredgers.org/trip201004/large/P4250092.jpg

Micha

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Jens

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Donnerstag, 31. Juli 2014, 16:46

Hi Jens,

danke für die interessanten links zu diesem spannenden Thema ! Sehr aufschlussreich die Arbeit über besiedelte rezente Asselspinnen... :323:

Habe mal angefangen, im I-net weiter zu suchen, dabei das hier gefunden. Ein tolles Exemplar einer Flexicalymene retrorsa, diese nimmt mit ihrer aufgewachsenen Bryozoenkolonie gleich mal den Frontalfortsatz von Walliserops vorweg, oder macht einen auf Elch... Hier mal der Link zu den Fotos dieses tollen Trilos, kann man alle durch anklicken vergrößern:

http://kozmicdreams.com/trilobites.htm#Flexicalymene retorsa


Hi Micha,

schön gefunden, tatsächlich ein gut vergleichbares Exemplar, auch hier wieder die Bryozoe ganz vorne am Kopf angeheftet, so als wenn der Trilobit aus einer Mulde oder Grabgang herausschaute und sich dann eine Bryozoenlarve ansiedeln konnte. Der Gedanke von einem Häutungsstopp ist schon eine verlockende Idee, dann wäre auch Zeit dass sich eine solche grosse Bryozoe entfalten kann, was denke ich nicht in ein paar Monaten erfolgen kann. Denke da ist eher ein Jahr oder mehr für nötig so einen Baum wachsen zu lassen.

Die anderen Beispiele sind auch interessant, aber erstmal nicht als Beweis für Kommensalismus zu sehen, kann ja auch post mortem passiert sein. Die Frage ist aber, wie beliebt abgestorbene Panzerreste waren, denn ohne Bewegung mögen sich ja schnell von Sediment überdeckt worden sein. Schon eine leichte Schlammschicht dürfte einer Bryozoen beim in die Breite wachsen nicht sonderlich gefallen haben.

PS: Ist eigentlich jemand mal ein Drotops armatus mit Korallenbewuchs begegnet, bisher hatte ja nur Udo eine solche Beobachtung gemacht. Auszuschliessen ist es nicht, da in der Fazies durchaus reichlich Korallen und Bryozoen vorkommen.

lg,
Jens
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Michael

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Freitag, 1. August 2014, 09:02

Hi Jens, hi alle anderen ;-)

jau, ist wirklich zweifelhaft der Nutzen von Häutungsresten als Besiedlungsraum. Der Vorteil der erhöhten (bzw. überhaupt ) Mobilität ist ja schon mal flöten. Als einziger für mich erkennbarer Anreiz bleibt evtl., dass vielleicht eben so ein Cranidium vielleicht der einzig "harte/ feste" Untergrund in einem Gebiet sein könnte, auf dem man überhaupt anwachsen kann. Müsste mal nachsehen, was z.B. für Dalmanitina für Lebensraum bevorzugte (in Lit.- böhmische Trilos könnte was sein ?). Wobei die Triloteile ja auch verlagert worden sein könnenn... Naja- verstehe einer die Bryozoen...

Hier mal neben einer (schon in vorherigen Post gezeigten) Flexicalymene sp. mit komplett überwuchertem Kopf ein rezenter Limulus mit Bryozoenbewuchs.

http://www2.dickinson.edu/departments/geol/epibio.html

lG

Micha

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Samstag, 2. August 2014, 01:36

Hi Micha,

gutes Argument, mangelnde Anheftungsmöglichkeiten dürften durchaus eine Rolle gespielt haben. Allerdings meine ich in meiner Sammelpraxis auf isolierten Panzerteile nur wirklich in Ausnahmefällen irgendeinen Bewuchs bemerkt zu haben. Ich kann mich an ein grosses Neoasaphus-Pygidium entsinnen, wo sowas wie Serpuliden drauf war.
Auch habe ich einen Cyphaspis-Kopf mit Freiwangen und einer Crinoiden?-Wurzel auf der Glabella, aber da kann der Bewuchs postmortem gewesen sein.

Zur Paläoökologie von Dalmanites fällt mir erstmal keine Literatur ein, es mag aber was geben, keine Frage. Dalmanites scheint sich in eher fossilarmen Mergeln in der Nähe silurischer Korallenriffe wohl gefühlt zu haben. Dürfte eher benthisch als im Sediment gelebt haben, möglicherweise aber zum Schlafen etwas etwas eingegraben im Sediment, so dass nur Teile der langen Augen rausschauten. Dalmanitiden gabs ja ziemlich lange vom Ordovizium bis ins Emsium, vielleicht auch noch unteres Eifelium. Erbenochile scheint ja der letzte Vertreter zu sein, der mir einfällt. Die Bestachelung und die guten Augen, inklusive Sonnenschutz-Blende (eye-shade) düfte ja auf eine exponierte Lebensweise in Hellen hinweisen. Also wenn mans für alle so anwenden kann, dann wäre bei Vertretern dieser Gruppe durchaus Bewuchs zu erwarten.

lg,
Jens
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Michael

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Montag, 4. August 2014, 14:33

Hi,

jau, zur Lebensweise von Dalmanitina habe ich noch nichts, zur silurischen und devonischen Verwandtschaft hatten wir vor längerer Zeit mal diese Arbeit hier verlinkt:

Petr Budil, Alan Trevor Thomas & Frantisek Hörbinger: Exoskeletal architecture, hypostomal morphology and mode of life of Silurian an Lower Devonian dalmanitid trilobites (Bulletin of Geosciences 83(1), 1-10, 2008)

http://www.geology.cz/bulletin/fulltext/…ci200801001.pdf

Deren Vertreter sollen wohl auf weichem Sediment gelebt haben und sich höchstens flach eingegraben haben.

lG

Micha

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Samstag, 20. Januar 2018, 17:11

Hallo allerseits,

ich bin gerade über eine neue Aufname des hier schon vor ein paar Jahren gezeigten Exemplares eines bewachsene Selenopeltis gestolpert und hänge daher gleich mal eine Kopie davon an. Beim neuen Foto wurde das Objekt geweisst und es zeigt so deutlich mehr Infos. Da das Bild hier gespiegelt erscheint sehen wir entweder die Negativseite oder eventuell einen Abguss. Schwer zu sagen, aber die Details sind spanned.

Ich verlinke hier auch noch mal das andere Bild welches beim Zitieren hier wohl nicht auftauchen wird: http://trilobita.de/wbb3/index.php?page=…3baec0677debb9b



Ich habe das Buch mit der Abbildung vom Selenopeltis gefunden.
Sie befindet sich in:

Turek, V. Marek, J. & Benes, J. (1990): Fossilien - Handbuch und Führer für den Sammler. - 2. Auflage, 496 S., Prag (Aventium Verlag).

Ich hoffe man ist mir nicht allzu böse, daß ich das Bild einfach so gescannt habe, aber es ist eine spannende Sache und daher will ich es euch gern zeigen.

Es handelt sich um Selenopeltis buchi bewachsen mit den Haftscheiben von Hemicystites bohemicus und Argodiscus hornyi (rechts in der Mitte).
Mittleres Ordovizium (Llandeilo, also obereres Llanvirn), Revnice, Tschechien.

Länge des Trilobiten beträgt 9 cm, Die Stachelhäuter (Cystoideen) sind im Negativabdruck erhalten geblieben.

Die Anmerkungen von Udo treffen zu, das Tier ist groß, es hat sicher eine Weile gedauert, bis er sich wieder gehäutet hat und die Cystoiden hatten anscheinend reichlich Zeit sich anzusiedeln.

ich hoffe es gefällt,

lg,

Jens


Viel Spass beim Betrachten :)

lg,
Jens
»Jens« hat folgendes Bild angehängt:
  • 26992388_10215475285981117_5692265415469042651_n.jpg
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Samstag, 20. Januar 2018, 22:50

Hi Jens,

na das ist echt mal ein tolles Bild. Die sichtbaren Details sind wirklich spektakulär, ziemlich stark bewachsen der Trilo. Wird wohl wie ein wandelnder Wald ausgesehen haben zu Lebzeiten...
Toll, danke fürs Zeigen.

lG
MIcha :014: