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Lima

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  • »Lima« ist der Autor dieses Themas

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1

Donnerstag, 1. März 2018, 08:37

Asaphus mit pathologischem Hypostom

Hallo zusammen,
in meiner Sammlung befindet sich ein Geschiebetrilobit mit pathologischem Hypostom. Es handelt sich um einen Asaphus bröggeri (Länge 6,2cm), das ist der
stratigraphisch älteste bekannten Asaphus. Bei der Freilegung des Hypostoms kam eine merkwürdige Pathologie in Form eines kreisrunden Loches zum Vorschein.
Hat jemand eine Idee? Ich habe den Verdacht hier könnte einst ein Parasit angeheftet gewesen sein?

Beste Sammlergrüße an Alle
von Stefan
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Michael

The Inner Circle

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2

Donnerstag, 1. März 2018, 22:53

Hi Stefan,

Dein Asaphus sieht echt spannend aus, klasse Fund- Glückwunsch ! Mir gefällt der echt gut, mir ist z.B. noch gar nicht aufgefallen dass bei Asaphus die Pleuren in so kleinen Spitzen auslaufen. Da muss ich mir meine "Russen- Asaphus" bei Gelegenheit mal genau anschauen, ob die das auch haben...;-) Auch die Spitzen der Hypostom- Gabelenden sehen ziemlich spitz und lang aus, spannedes Tierchen... Denke Deine Vermutung mit nem Parasiten klingt recht plausibel, man kennt ja einige Trilos mit so Pusteln, wenn die sich evtl. auflösen oder abfallen könnten ja durchaus so runde Löcher bleiben. Bin mal gespannt was die anderen so für Ideen haben. Ein toller Trilobit jedenfalls, schon mal vielen Dank fürs Zeigen.

lG
Micha
:117:

Jens

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3

Freitag, 9. März 2018, 12:07

Hallo Stefan,

du stellst hier einen sehr interessanten Trilobiten vor. Asaphus broeggeri Schmidt, 1901 ist die älteste bekannte Art der Gattung in Skandinavien und Russland, selbst im Anstehenden nicht gerade häufig und oft in Gesteinen die nicht einfach zu präparieren sind. Fürs Geschiebe stellt dieser Trilo sicher einen Ausnahmefund dar. Man kann sehen dass es ein fieser Bruch war, bei dem Schale verloren ging und müshsam wieder aus dem Gegenstück aufpräpariert wurde. Die tiefe Delle im Hypostom ist etwas richtig Ungewöhnliches, noch nie gesehen. Ich würde es bei den Stichverletzungen einordnen, denn es ist klar eine Delle wenn nicht gar ein Loch, man kann es nicht sehen da noch Sediment drin steckt und was man aufgrund der geringen Grösse auch kaum entfernen kann. Wenn ich Recht habe und wir sehen hier einen echten Stich mit einer dornartigen Waffe, dann könnte ein Eurypteride der Verursacher gewesen sein. Frage ist ob es die schon so im Unteren Ordovizium gabe, aber du entsinnst dich sicher an meinen Vortrag mit der Flexicalymene, die ja auch ziemlich ramoniert worden war.
Ich möchte darauf hinweisen, dass der beschädigte Flügel des Hypostoms schmaler ist als die gesunde Seite, was dafür spricht, dass die Verletzung möglicherweise eine Häutung früher passiert war und trotzdem noch gut sichtbar ist.

lg,
Jens
Was wäre die Welt ohne Trilobiten.
:267: :240: :272:

Lima

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4

Sonntag, 11. März 2018, 17:50

Hallo Jens,
die Präparation liegt schon einige Jährchen zurück, aber Du hast recht, ich erinnere mich daß das Gestein recht hart und splittrig ist. Der Vorteil ist allerdings die gute Trennung zwischen Matrix und Schale und eine super erhaltene Schalenoberfläche.
Die tiefe Delle im Hypostom ist tatsächlich ein Loch und die Tatsache, daß der rechte Flügel schmaler ausgebildet ist scheint für eine nicht unbedeutende Beeinträchtigung durch das "Loch" oder dessen Verursacher zu sprechen.
Auf der Suche nach dem Verursacher kann man wild spekulieren ein Eurypteride kommt sicherlich in Betracht (wenn es ihn da schon gab), oder vielleicht ein Cephalopode oder auch ein Anomalocaride (wird verdächtigt Trilos komplett geschreddert zu haben). Anomalocariden sind zwar in erster Linie aus dem Burgess-Schiefer
und aus Chengjiang bekannt aber im Devonischen Hunsrückschiefer wurde ja Schinderhannes bartelsi als Anomalocaridenverwandter identifiziert also muss was Verwandtes zu Lebzeiten unseres Trilos existiert haben. Auch wäre die Position am Hypostom
bestens für einen parasitischen Wurm oder Ähnliches geeignet.
Ich habe noch ein Bild von einer Extremität von Parapeytoia, einem Anomalocariden aus Chengjiang, angehängt und man kann sich eventuell vorstellen daß man mit sowas auch Löcher pieken konnte die Frage ist ob das Loch dann kreisrund wäre oder eher schlitzförmig...
ich brauche also eine Zeitmaschine um zu sehen was da los war
in diesem Sinne LG Stefan
»Lima« hat folgendes Bild angehängt:
  • Parapeytoia.JPG