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21

Donnerstag, 20. Dezember 2018, 14:11

20. Dezember 2018

Oh welche ein Glück...ich habe ja heute das Adventskalendertürchen noch gar nicht geöffnet :)

Die Augen fangen zu leuchten an, das Kalendertürchen wird aufgetan...

Bei meinem letzten Beitrag handelt es sich um ein Geschiebe, welches als jüngerer Backsteinkalk angesprochen werden kann (Gestein sehr hart, bricht muschelig = verkieselt und partiell blau gefärbt). Das Geschiebe zeigte bereits im Fundzustand viele Häutungsreste und einen, leider sehr ungünstig gebrochenen, artikulierten Trilobiten. Da das Formatieren nur noch weitere Reste offenbarte, entschied ich mich damals alle Bestandteile mitzunehmen und diese als großes Puzzle an Paul zu übergeben. Die Präparation nahm sehr viel Geduld und Zeit von Paul in Anspruch und leider ging mir irgendwann das Geld aus, obwohl noch einige Reste hätten freigelegt werden können. Paul fand bei der Präparation schließlich das eingerollte Individuum, welches sich als komplett herausstellte. Dank H.H. Krueger wurde der Trilobit und der Hyolith wie folgt bestimmt:

Species: Lonchodomas Postrostratus (KRUEGER, 2018) & Crispatella Crispata
Alter: Ordovizium
Formation: Caradoc
Größe: ~ 2 cm Körperlänge (ohne Stachel)
Fundort: Lausitz
Bild & Sammlung: Stefan Lips (Sammlungsnummer A18)
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Jens

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22

Freitag, 21. Dezember 2018, 00:49

21. Dezember

Der Countdown bis zum Heiligabend hat begonnen, das nächste Türchen geht auf und was erwartet uns? Spannung, die Tür geht auf… und? Viel Text folgt.

Passend zu vorherigen Kalendertrilobiten kann auch ich mit einem Ordovizischem Asaphiden aufwarten, allerdings mit einem der aus Norwegen stammt. Die ordovizischen Trilobiten der Osloregion sind Thema einer ganzen Reihe von Monographien und so findet sich der heutige Trilobit in der schönen Arbeit von Nielsen (1995) über die Trilobiten aus dem Komstadt-Kalk und der Huk-Formation, es ist Megistaspis (Megistaspis) elongata. Das Typusmaterial dieser Art stammt auch aus Norwegen, wahrscheinlich aus der expansus-Zone, aus der auch das von mir präparierte Exemplar kommt. Norwegische Trilobiten sind meistens schwarz gefärbt und finden sich in dunklen, meist sehr harten Kalken. Grund für die Härte der Steine war der Permische Vulkanismus. In dieser Zeit kam es zum Aufstieg saurer Magmen, die dann oft als schichtparallele Gänge in die paläozoische Schichtenfolge intrudiert sind und die Gesteine dann regelrecht gebacken haben. Quarz ist mobilisiert worden und hat zur Härtung von Schiefern und Kalken geführt. Nun, die Präparation dieser kontaktmetamorph überprägten Kalke ist in der Regel schwierig. Der Kalk ist hart, die Trennung zwischen Schale und Kalk oft schlecht, zum Teil sogar fehlend. So wundert es nicht, dass die meisten Trilobiten nach der Präparation nicht besonders dolle aussehen. Allerdings gibt die schwarze Schale wie bei marokkanischen Trilobiten dann einen starken Kontrast, wenn man denn die Matrix aufraut. Bei der Präparation ist der Farbkontrast nicht sehr groß, da der Kalk nur wenig heller ist. Die Schwarzfärbung der Schalen mag mit der Aufheizung zusammenhängen. Es gibt zum Beispiel bei Conodonten einen klaren Zusammenhang von Diagenesegrad und Farbe, braune Conodonten sind nicht aufgeheizt, schwarze dagegen haben mehrere 100 Grad Hitze gesehen. Allerdings sind Conodonten aus Phosphat aufgebaut während die Trilobitenschale aus Kalzit ist.

Nun, ich bin an diesen hübschen Megistaspis während einer Exkursion nach Norwegen gekommen, ich habe dort Freunde und der Zufall wollte es, dass es gerade eine temporäre Baumaßnahme in der expansus-Zone in Slemmestad gab. Ich hatte ganz gut gefunden, aber leider keinen großen, gestreckten Megistaspis, denn diese sind eher seltene Gesellen. So war ich heilfroh, dass ich ein leicht am Pygidium beschädigtes Exemplar geschenkt bekommen habe. Ich hatte bei der Exkursion Pech mit meinem Auto und war zu dem Zeitpunkt ziemlich bedrückt, aber das Geschenk half meine Stimmung aufzubessern. Ich hatte mir eigentlich schon eine ganze Weile gewünscht, endlich mal einen Megistaspis zu präparieren. Am Anfang war ja auch noch gar nicht klar ob es nun ein Megistaspis oder eine Megistaspidella sein würden, denn das Präglabellafeld war recht lang im Anschnitt. Nun, die Präparation war recht zeitaufwändig, aber dass ist eher normal bei norwegischen Trilobiten, die eher wenig Spaß beim Freilegen machen. Der Trilo befindet sich in einer dünnen, knolligen Kalkbank, ziemlich tief im Gestein. Da aber der Stein recht ansprechend aussah, habe ich versucht das Exemplar möglichst natürlich zu präparieren und habe es in einer tiefen Kuhle in einer ansonsten natürlichen Matrix belassen. Der ganze Block ist ziemlich schwer, vor der Präparation so um die 3 kg, danach dann etwas leichter mit vielleicht 2,5 kg. Große Steine sehen hübsch aus, sind aber durch ihr Gewicht nicht ganz einfach zu händeln. Ich hatte jedenfalls am Anfang möglichst viel an einem kleinen Teil des Steins gearbeitet, wo Kopf und Thorax bis hin zu Teilen des Schwanzschildes enthalten waren. Der Bruch war nicht ideal und es war klar, dass ein bisschen Schale auf der linken Seite und auf dem Pygidium fehlen würde. Die fehlende Schale habe ich dann später ergänzt, man kann es aber dennoch sehen, besonders auf den geweißten Aufnahmen.
Megistaspis elongata ist eine recht seltene Art und sie ist ein naher Verwandter von Megistaspis limbata, im Prinzip ist es das Endglied der limbata-Gruppe, von der Nielsen eine Reihe von Variationen unterscheidet. Wie auch immer, M. elongata unterscheidet sich klar von M. limbata durch ein deutlich verlängertes Präglabellafeld, längere Wangenstachel und ein deutlich schwächer skulpturiertes Pygidium. Auch wenn beim vorliegenden Exemplar das linke Auge etwas verdrückt ist und vielleicht 2 cm² Schale ergänzt sind, so handelt es sich doch um eines der besten Exemplare dieser Art die bislang bekannt sind. Die Plackerei bei der Präparation hat sich jedenfalls gelohnt.


Spezies: Megistaspis (Megistaspis) elongata (Schmidt, 1906)
Alter: Ordovizium, Darriwilium, Asaphus expansus Zone
Formation: Huk Formation, Lysaker Member
Größe: ca. 10 cm
Fundort: Slemmestad, Oslo Region, Norwegen
Bild & Sammlung: Jens Koppka
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Was wäre die Welt ohne Trilobiten.
:267: :240: :272:

juniper

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23

Samstag, 22. Dezember 2018, 00:38

22. Dezember

Groß ist die Neugier, was sich hinter dem heutigen Türchen befindet, und so öffnen wir es heimlich schon zu mitternächtlicher Stunde…

Etwas verschlafen blinzelt uns ein weißer Riese an - kein Wunder, er hat ja erst morgens mit seinem Einsatz gerechnet.
Dafür legt er sich jetzt ordentlich ins Zeug.

Die große Isabelinia aus Portugal ist natürlich nicht schneeweiß sondern eher elfenbeinfarben, und macht in Positiv und Negativ eine bemerkenswerte Figur. Mit ungefähr 8 cm Länge ein ordentlich dimensioniertes Exemplar, kann man daran die typischen geometrischen Verzerrungen beobachten, die dem Fundmaterial aus Portugal meist widerfahren ist … seit dem Ordovizium haben die Gesteine so einiges mitgemacht. Die Nahaufnahmen von Positiv und Negativ zeigen die eigentümlich bröselige Substanz, die anstelle der ursprünglichen Schale überliefert ist.

Der Trilobit kam auf wundersam verschlungenen Wegen in meine Sammlung. Ich hatte ihn schon vor vielen Jahren auf dem Schirm, kurz nachdem Heiko mit seinen Angeboten online ging. Damals kannte ich dieses Material freilich noch gar nicht und wusste das Stück nicht einzuschätzen … dann war's weg.
In der Folgezeit habe ich dann eine gewisse Vorliebe für die oftmals ziemlich farbigen portugiesischen Steinkerntrilobiten entwickelt. Und nach Jahren wurde das Exemplar an anderer Stelle tatsächlich wieder verfügbar. Dort hat es Heiko dann für mich gesichert. Anlässlich der Messe in St.Marie dieses Jahr fand diese schöne Isabelinia dann letztlich doch ihren Platz in meiner Sammlung. Fast schon eine kleine Weihnachtsgeschichte :205:

Steckbrief:
Isabelinia glabrata SALTER, 1853
Ordovizium (Llandeilo), ca. 464 Mio. Jahre, Valongo/Portugal
Positiv und Negativ
Abmessungen: durch die geometrische Verzerrung lässt sich die eigentliche Größe nicht eindeutig bestimmen.
Die elliptische Form des Fossils hat eine Ausdehnung (größte Länge x kürzeste Breite) von 84x43 mm.
Entlang der verkippten Achsen gemessen ergibt sich eine Körpergröße von ca. 72 mm Länge und 51 mm Breite.
Coll. K.B. 2018
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Talent ist eine Gabe, keine Verpflichtung.

2.Trilobiten-Tagung (19./20.2.2011): Abstracts der Vorträge

Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »juniper« (22. Dezember 2018, 00:49)


Andries

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24

Sonntag, 23. Dezember 2018, 00:12

23. Dezember

Eine kleine verschworene Trilobitenliebhabergruppe hat es wieder geschafft. Ein Highlight hat das Nächste gejagt! Ob Laie oder Kenner, für jeden war was dabei.
Nicht mehr lange, dann ist Weihnachten und der 5. Trilobiten-Adventskalender ist vollständig. :026:

22 Tagen voller Artenvielfalt, höchste Präparationsgüte, besondere Einblicke und museumswürdige Trilobiten, doch oje nun werden die Türchen knapp.
Nur noch zwei Stück sind übrig....

Langsam öffnet sich das vorletzte Türchen, was mag da wohl hinter sein?
Es schimmert bräunlich auf geweißten dunkelgrauer Stein. Nicht sonderlich groß, aber irgendwie interessant. Hmmm... was mag es wohl sein?


Es ist ein silurischer Cyphaspis aus den Berühmten Kalkwerken bei Dudley (Großbritannien).
Die Lieblingsgattung von Dieter Holland († September 2018), dem ich dieses Türchen widmen möchte!

Dudley ist seit Jahrhunderte Berühmt für seine excellenten silurischen Fossilien, allen voran Trilobiten. Zwischen 1750 bis ins frühe 20. Jahrhundert wurde hauptsächlich in zwei Minen, sowohl Oberflächlich als auch Untertage, Kalk für die industrielle Verwertung abgebaut. Die Kalke waren sehr rein und wurden zur Eisengewinnung (Fluss-Mittel), als Düngekalk (gebrannt), oder schlicht als Baustoff verwendet. Zwei massive Kalkabfolgen wurden abgebaut, welche sich namentlich in den Wenlock Series wiederfindet: "Upper Quarried Limstone Member" und "Lower Quarried Limstone Member". Obwohl unzählige Fossilien vernichtet worden sind, gab es schon früh eine Handvoll Sammler/Arbeiter, die über die Zeit eine beachtliche Sammlung zusammentrugen (vieles hiervon bildet die Sammlungsbestand mehrere Museen). Mitte des 19. Jahrhundert, durch kommerziele Verkäufe und die wachsende Begeisterung für Naturwissenschaften, wurden immer mehr Menschen auf Dudley und seine Fossilien aufmerksam.
Sammler wurden Zugang zur den Minen gewährt, was zur Rettung einer vielzahl von Fossilien führte. Mit der Schließung der Minen Anfang des 20. Jahrhundert, wurden die Minen unter Naturschutz gestellt und Sammeln untersagt. Viele diese Sammlungen sind über die Zeit in Museen gekommen und Trilobiten aus Dudley sind nur noch selten auf Fossilienbörsen vertreten.

In München wurde dieser Cyphaspis (s.l.) elachopos angeboten. Die einfache Präparation zeigte, dass es sich hierbei um einen Altfund handelt. Obwohl Fragmente fehlen und die Glabella "geköpft" ist, war noch einiges an Potenzial da. Nicht billig, trotzdem was Seltenes für die Sammlung. Somit war die Kaufentscheidung schnell gefällt. Unterm Mikroskop war schnell klar, der Zustand des Cyphaspises war haarsträubend und die Scherbe ziemlich klein. Ohne Stabilisierung des Trilobitens wäre wohl alles weggeflogen. Zusätzlich ist anzumerken, dass die Matrix ziemlich weich ist und somit nur strahlen in Frage kommt. Leider ist die Schale der Cyphaspis genau so weich und schnell weggestrahlt.

7 Stunden sorgfältigstes Strahlen (bei niedrigsten Druck!) offenbarte dieses kleine Wunder. Wie ein Phoenix aus der Asche, stieg der Cyphaspis aus der Matrix empor.
Zwar war Potenzial da, aber dieses Ergebniss überstieg jegliche Erwartung bzw. Hoffnung. :136:


Schöne Weihnachten und viel Spaß mit den Bildern,

Andries

Species: Cyphaspis (s.l.) elachopos Thomas, 1978
Alter: Silur(ian), Wenlock, Homerian (~424 Ma)
Formation: Wenlock Formation, Much Wenlock Limestone
Größe: 12 mm (Ohne Stacheln)
Fundstelle: Großbritannien, West Midlands, Dudley
Bild & Sammlung: Andries
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Jens

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25

Montag, 24. Dezember 2018, 01:26

24. Dezember

Heute ist Heiligabend, unser wunderschöner Adventskalender findet nun, so hoffe ich, einen krönenden Abschluss. Ich hatte ja einen Kracher versprochen und möchte es nach all den vielen kleinen und großen Krachern es hiermit nochmal richtig knallen lassen.

Also vorsichtig die Türe öffnen, was könnte es denn diesmal sein, dass sich Jens anmaßt den 24. für sich zu beanspruchen?

Es ist ein Trilobit aus Deutschland, aus der Eifel bei Gerolstein, eine Art die schon 1839 beschrieben wurde und seitdem Generationen von Sammlern und Wissenschaftlern begeistert hat. Er hat wohl einen guten Beitrag dazu geleistet, dass Gees und Gerolstein auch heute noch weltweit ein Begriff ist.

Nun, ich will euch nicht mehr lange auf die Folter spannen, es ist ein lichider Trilobit, das grenzt die Möglichkeiten stark ein, denn von Gees kennt man aus dieser Gruppe „nur“ Eifeliarges und Ceratarges. Komplette Exemplare von Lichiden sind natürlich überall selten, aber Gees war dafür bekannt, dass man dort eben gelegentlich den Hörnertrilobiten Ceratarges fand, bei weitem häufiger als Eifeliarges. Der heutige Trilobit ist also ein Ceratarges, die Typusart der Gattung nämlich Ceratarges armatus.

Dieser berühmte aber komplett recht seltene Trilobit fand sich als Überraschung in der über 30 Jahre alten Rohlingsammlung des Naturkundemuseums in Gerolstein. Ich hatte eigentlich anfangs nicht viel Hoffnung, dass ich aus dem eher unscheinbaren Rohling, welcher nur den Kopf mit einer etwas verstellten Freiwange und ein paar Pleuren zeigte dann am Ende etwas Gutes herauszaubern konnte. Die Pleuren zeigten eine starke Krümmung und es war nach unten nicht viel Platz im Stein, ein gestreckter Ceratarges hätte also nie reingepasst. Er müsste in einem extremen Hohlkreuz liegen, damit überhaupt Platz genug wäre für ein vollständiges Exemplar.

Ich fing also erstmal am Kopf an, obwohl die weißliche Schale weich war, hatte sie doch eine gute Trennung, zumindest am Anfang. Ich hatte dann als ich beim linken Auge war dann keine Freiwange gefunden und daher eigentlich schon gedacht, dass wird nichts. Allerdings kam dann doch etwas nach unten verstellt das Auge zum Vorschein, allerdings an einer Stelle wo ich nicht mehr damit gerechnet habe und daher etwas beschädigt habe. Aber gut, die Wange war da, also könnte vielleicht noch mehr kommen. Es ging and weiter zu den Pleuren, es zeigte sich schnell, dass es wohl wirklich ein heftiges Hohlkreuz sein wird, aber die Winkel und die Trennung wurden immer schlechter. Die Stachelspitzen wurden zudem auch eher grau, so dass man kaum erkennen konnte, was Stein und gezeigt was Schale war. Ich musste immer wieder sacht strahlen, um überhaupt zu wissen ob ich auf der Schale war oder noch leicht drüber. Diese war aber so weich, dass ich nur ganz vorsichtig und nicht lange strahlen konnte. Es war leicht trotz großer Vorsicht Löcher in die Schale zu strahlen. Das freigestellte Auge und der Kopfstachel kamen zudem recht schnell lose, es reichte bei den Winkeln ja schon leichter Druck. Also habe ich lose Teile dann separat aufbewahrt und hatte dann endlich etwas mehr Platz um zu arbeiten. Das gute Stück war ja inzwischen formatiert und geklebt.

Ich habe mich dann entlang der Axis weiter nach hinten vorgetastet und die Pleuren gesucht, 11 braucht es ja, dann sollte das Pygidium kommen. Da ich nicht genau wusste ob es da ist und wenn ja in welchem Winkel es steht, war ich zu äußerster Vorsicht gezwungen. Wenn man sich Ceratarges armatus anschaut, dann fallen die stark nach oben gerichteten Stacheln am Pygidium auf, diese sind wesentlich steiler als bei marokkanischen Arten und aufgrund der geringeren Größe dann auch viel dünner. Dadurch besteht eine große Gefahr in diese unbemerkt reinzupräparieren.

Ich habe mir verschiedene Exemplare dieser Art angeschaut, sei es bei Basse oder die beiden Stücke aus der Sammlung Höller sowie das Exemplar, welches Diethelm hier bei uns gezeigt hat. Ohne diese Infos wäre die ganze Sache wohl im Disaster geendet. Aber ich wusste nun in etwa, wo mögliche Problemstellen sein würden, wie zum Beispiel der Stachel auf Axis des Pygidiums. So habe ich dann nach und nach die Stacheln gefunden, sei es die kurzen Occipitalstacheln am Kopf und die kleinen nach unten gerichteten sekundären Stacheln am Pygidium. Die linke Seite ist am extremen Rand des Steins, daher ist der linke Endstachel am Pygidium etwas kürzer, weil er aus dem Stein lief. Dort hatte ich zur Stabilisierung etwas Kleber und Steinstaub aufgetragen und auch nicht versucht die Sekundärstachel bis zum Ende zu verfolgen, dass hätte leicht in einem Durchbruch enden können. Der verstärkende Kleber ist teilweise in den weichen Stachel reingesickert und hat eine rötliche Kontrastverstärkung bewirkt. Die Stacheln vom Kopfschild setzen übrigens als hauchdünne Nadeln auf dem Pygidium auf. Stärker als hier konnte sich ein Ceratarges also nicht (hohl) einrollen. Ich hatte dann das Ende des Kopfstachels in einer Säule stehen lassen, diese ist bei der Arbeit am Pygidium dann auf der linken Seite leider abgebrochen und so ungünstig weggeflogen, dass ich sie nicht mehr wiedergefunden habe. Fluchen half nichts, etwas Rekonstruktion wegen fehlender Schalenteile am Kopf und der Stachelansätze würde eh nötig sein.

Es ging dann immer weiter nachdem das Pygidium frei war, die Rundbögen um die Hauptstacheln dienen zur Stabilisierung. Wenn ich versucht hätte sie komplett freizustellen, dann wären sie extrem fragil gewesen, eine falsche Bewegung hätte sie abbrechen lassen. Also habe ich sie besser in situ mit etwas Matrix belassen und habe so wesentlich mehr Stabilität und zudem die Kontrolle, dass sie wirklich in dieser Position original sind. Wir müssen daran denken, dass die Schale, deren Marmorierung wir schätzen, halt tektonisch in Mitleidenschaft gezogen ist. Die Marmorierung ist die Schieferung und somit jede Linie eine Sollbruchstelle.

Weiter gings dann auf der rechten Seite des Thorax Richtung Kopf, wo ich schon den zweiten Wangenstachel und das Auge freigelegt hatte. Hier zeigte sich dann, dass das Auge besser artikuliert war und in eine andere Richtung (die natürliche) orientiert war als das linke. Dass war, weil ich das andere Auge abgenommen hatte nicht ganz klar, aber Fotos zwischendurch gemacht, zeigten, dass das recht Auge kürzer und irgendwie verbogen ist. Ceratarges und Pathologien ist ein ernstes Thema, sie sind, wie mir von Sammlern versichert wurde, relativ häufig.

Die Pleurenenden der rechten Seite hatten dann zu allem Ärger so gut wie keine Trennung, waren richtig weich und hatten auch keinen Kontrast zum Gestein. Nun ja, es war eine Qual sie zu präparieren. Dafür mussten dann auch noch Auge und Kopfstachel ab, was aber kein Problem war, weil die auch ohne es zu wollen lose wurden. Also wurden auch diese verstaut, um dann am Ende wieder zurückgeklebt zu werden. Davor graut es natürlich jedem. Ich hatte mir ja Säulen gelassen, wo die Enden der Kopfstachel hinmussten. Wenn man sowas nicht hat und frei nach Schnauze zurückklebt, dann sieht so ein Ceratarges am Ende recht abenteuerlich aus. Nun ja, ich habe dann noch ewig gefummelt bis Augen und die beiden Kopfstachel wieder angeklebt waren, dass war ne Fummelei, aber ich denke, am Ende ist es ganz gut geworden. Ich hatte ganz vergessen das Hypostom zu erwähnen, es ist da und ich war überrascht in welchem Winkel es stand, wie ein Schneepflug.

Das Projekt hat mich aber ein paar graue Haare gekostet. Die Belohnung ist aber, dass nun Gerolstein und die Eifel wohl einen der besten Ceratarges aus Gees in einer öffentlichen Sammlung hat. Ich denke kein anderes Museum dürfte ein Exemplar in dieser Qualität haben und so bin ich ziemlich stolz, dass alles so gut geklappt hat und das Naturkundemuseum von nun an einen weiteren Schatz in der Ausstellung zeigen kann. Ich werde ihn dann in den nächsten Tagen dann in die Ausstellung packen. Ich habe es nicht aufgeschrieben, aber ich denke ich habe zwischen 40 und 50 Stunden an diesem Prachtstück gearbeitet.


Spezies: Ceratarges armatus (Goldfuss, 1839)
Alter: Mitteldevon, Eifelium
Formation: Ahrdorf-Formation, Flesten Member
Größe: 3 cm (zwischen den Wangenstacheln)
Fundort: Pelm-Salmer Weg, Gees bei Gerolstein
Bilder und Präparation: Jens Koppka
Sammlung: Naturkundemuseum Gerolstein
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Was wäre die Welt ohne Trilobiten.
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