Sie sind nicht angemeldet.

Lieber Besucher, herzlich willkommen bei: TRILOBITA.DE - Die Diskussions-Plattform für Trilobiten-Freunde. Falls dies Ihr erster Besuch auf dieser Seite ist, lesen Sie sich bitte die Hilfe durch. Dort wird Ihnen die Bedienung dieser Seite näher erläutert. Darüber hinaus sollten Sie sich registrieren, um alle Funktionen dieser Seite nutzen zu können. Benutzen Sie das Registrierungsformular, um sich zu registrieren oder informieren Sie sich ausführlich über den Registrierungsvorgang. Falls Sie sich bereits zu einem früheren Zeitpunkt registriert haben, können Sie sich hier anmelden.

nautilus

Nutzer

  • »nautilus« ist der Autor dieses Themas

Beiträge: 43

Registrierungsdatum: 1. August 2014

  • Nachricht senden

1

Mittwoch, 15. Oktober 2014, 17:54

Alles eine Größe?

Die Riesenpacopiden aus dem Maider waren in aller Munde. Auf den Börsen waren fast nur große Exemplare zu finden. Kleine Exemplare sehr selten. Eigentlich müssten sich in den Formationen ontogenetisch bestimmt sowohl adulte, als auch juvenile Exemplare befinden. Meisten haben die Trilobiten aber eine einheitliche Größe. Vermutlich ist der Lebensraum der juvenilen und der adulten Exemplare unterschiedlich.
Ich habe von Adi ein Granidium eines Drotops armatus bekommen. Aufgrund der Guten Erhaltung habe ich es genommen (sieh meine vorherigen Berichte). Ich habe nun besonders die Unterseite des Granidiums bearbeitet. Vorsichtig, Stück für Stück, abgetragen. Leider war nicht zu verhindern, dass ich so manches Teil verletzte. Neben Gerastos, vermutlich eine häufige Art in dieser Schicht, fand ich das Granidium von Calicoscutellum sp., ein Granidium von Cyphaspis sp., einen eingerollten, vollständigen Drotops armatus (Breite Granidium 20 mm) und einen weiteren Drotops armatus ( Breite Granidium 9 mm). Ferner habe ich einen Drotops armatus (Breite Granidium 33 mm). Das Granidium der häufigen und großen Exemplare beträgt 50 bis 60 mm. In dieser "Drotopsformation" ist also die ontogenetische Entwicklung zum Teil belegbar. Dass es auch Riesenpacopiden in der Eifel gibt, zeigt ein Fund von der ehemaligen Fundstelle "Streif" in Weinsheim (?Pedinopariops (Hypsipariops). Ihre Größe steht den Riesen von Maider nicht nach.Ach ja, sicherlich habt ihr schon viele Trilobiten präpariert. Es zeigt sich, leider zu häufig, dass einige Telte Fehlen, z. B. Stacheln und das Pygidium. Am häufigsten fehlt die rechte Freiwange. Warum nur???
»nautilus« hat folgendes Bild angehängt:
  • Drotops Granidium_Neu.jpg

Dieser Beitrag wurde bereits 3 mal editiert, zuletzt von »nautilus« (16. Oktober 2014, 12:51)


Jens

Moderator

Beiträge: 3 791

Registrierungsdatum: 18. März 2007

Wohnort: HGW, momentan Jura, Schweiz

Beruf: Geologe

  • Nachricht senden

2

Mittwoch, 15. Oktober 2014, 18:24

Hi Nauti,

spannend. Denke dass hat vor dir noch keiner gemacht. Ich fürchte dass die Marokkaner nicht so sammeln wie wir, sondern sehr spezifisch. Aus der Armatus-Couche werden dann halt nur Drotops mitgenommen, am besten gestreckt und gross. Was klein ist, ist uninteressant, eingerollt sowieso.
Man kann diese Sammeltechnik dann gut auf den Halden studieren, indem man schaut was man selber findet. So kommt dann egal bei welchem Horizont schnell eine Fauna aus mehreren Arten zusammen, aber aus dem Handel kennt man dann betenfalls 1 oder 2 Arten pro Horizont. Ich versuche es den Marokkanern zwar schon zu verklickern, dass den Sammler Diversität interessiert, aber der Markt ist eben kommerziell und es werden eher spektakuläre und am besten neue Trilobiten nachgefragt als ein schnöder "Phacops" oder Gerastos, auch wenn es von den Dutzende unterschiedlicher Arten gibt.

Wenn du magst kannst du ja mal ein paar Bilder der kleinen Drotopse zeigen. Vor ein paar Jahren sind ja mal kleine Rollis vom D. armatus aufgetaucht, aber keiner wusste so recht von wo sie stammen. Sie waren aber deutlich grösser als dass was du nun gefunden hast.

Inzwischen kenne ich denke ich 4 verschiedene Fundstellen vom D. armatus, davon mindestens 2 unterschiedlich alte Horizonte. Daher ist es wichtig, dass wir die Begleitfauna dokumentieren, Calycoscutellum oder wohl besser Goldius kommt im Obereifel und Givet vor, aber weiter Phacopiden und auch Gerastos sowie Cyphaspis könnten sich als ziemlich charakteristisch für ein bestimmtes Alter erweisen.

Bislang fehlen leider noch ein paar Bearbeitungen, aber es ist eine spannende Sache die es weiter zu verfolgen gilt. Und es kann ebenfalls gut sein, dass es sowas wie Kinderstuben gegeben hat, also Plätze wo man vermehrt kleine Exemplare findet und dann anderswo in einer etwas anderen Fazies tauchen dann auf einmal die Grossen auf.

lg,
Jens
Was wäre die Welt ohne Trilobiten.
:267: :240: :272:

Kyllops

The Inner Circle

Beiträge: 109

Registrierungsdatum: 30. September 2008

Wohnort: Gerolsteiner Land

  • Nachricht senden

3

Mittwoch, 15. Oktober 2014, 18:41

Hallo,

in der Eifel wurden in der Hillesheimer Mulde bei Kerpen mehrere bis 15 cm große Trilobiten gefunden.

Ebenfalls zwei ca. 10 cm große Trilobiten wurden im Freilingen in Gerolstein gefunden.



Gruß

Diethelm

Michael

The Inner Circle

Beiträge: 2 826

Registrierungsdatum: 16. Februar 2007

Wohnort: Oberfranken

  • Nachricht senden

4

Donnerstag, 16. Oktober 2014, 08:09

Hi Ihr, hi Nauti...

das hört sich aber sehr interessant an, ich bin ja nun wirklich kein Kenner marokkanischer Trilobiten, aber das mit den kleinen Drotopsen klingt spannend. Wäre echt interessant, davon mal Bilder zu sehen. Auch im Hinblick auf die Ontogenese dieser Riesenphacopiden, darüber gibt es wohl noch keine Arbeiten, oder die sind an mir vorbeigegangen.
Schade, dass in Marokko von den Einheimischen solche Funde nicht beachtet werden. Verständlich aus ihrer Sicht, wenn andere, "bessere" Fundstücke das Geld bringen. Aber eben traurig, wenn solche interessanten Stücke dann vielleicht verwittern... Wären doch tolle Belege, aber ok, die Nachfrage regelt das Angebot...
Dass es in der Eifel auch so große Phacopiden gibt ist auch neu für mich. Gibt es davon auch Fotos ? Wäre ebenfalls spannend, so was mal zu sehen.
Jedenfalls wäre es toll, mal Bilder eben dieser kleinen D. armatus zu sehen, vielleicht kannst Du ja mal welche machen ?

lG
Micha

Kyllops

The Inner Circle

Beiträge: 109

Registrierungsdatum: 30. September 2008

Wohnort: Gerolsteiner Land

  • Nachricht senden

5

Donnerstag, 16. Oktober 2014, 11:37

Hallo Michael,

die Kerpener Funde gehören dem Archäologen Herrn Wirtz aus dem gleichnamigen Ort. Sie wurden 2008 im Rahmen der Geo-Rally der Uni-Bonn erstmals vorgestellt. Danach standen sie für ein halbes Jahr im Naturkunde-Musum Gerolstein. Die zwei großen Gerolsteiner Phacp. sind momentan noch ausgestellt. Bei meinem nächsten Besuch im Museum kann ich sie ja mal ablichten. Ob Herr Wirtz seine Stücke, darunter eine Doppelstufe, sein O.K. gibt weis ich nicht, aber fragen kostet ja nicht.

Gruß

Diethelm

Jens

Moderator

Beiträge: 3 791

Registrierungsdatum: 18. März 2007

Wohnort: HGW, momentan Jura, Schweiz

Beruf: Geologe

  • Nachricht senden

6

Donnerstag, 16. Oktober 2014, 12:05

Hi Diethelm,

also die Eifeler Riesen vorzustellen, dass wäre was. Hoffe dass du uns Fotos zeigen kannst. Dürfte ja wahrscheinlich Pedinopariops sein, oder?

Generell wären übrigens Impressionen aus dem Gerollsteiner Museum auch was feines.

lg,
Jens
Was wäre die Welt ohne Trilobiten.
:267: :240: :272:

Jens

Moderator

Beiträge: 3 791

Registrierungsdatum: 18. März 2007

Wohnort: HGW, momentan Jura, Schweiz

Beruf: Geologe

  • Nachricht senden

7

Donnerstag, 16. Oktober 2014, 12:15

Die Riesenpacopiden aus dem Maider waren in aller Munde. Auf den Börsen waren fast nur große Exemplare zu finden. Kleine Exemplare sehr selten. Eigentlich müssten sich in den Formationen ontogenetisch bestimmt sowohl adulte, als auch juvenile Exemplare befinden. Meisten haben die Trilobiten aber eine einheitliche Größe. Vermutlich ist der Lebensraum der juvenilen und der adulten Exemplare unterschiedlich.
Ich habe von Adi ein Granidium eines Drotops armatus bekommen. Aufgrund der Guten Erhaltung habe ich es genommen (sieh meine vorherigen Berichte). Ich habe nun besonders die Unterseite des Granidiums bearbeitet. Vorsichtig, Stück für Stück, abgetragen. Leider war nicht zu verhindern, dass ich so manches Teil verletzte. Neben Gerastos, vermutlich eine häufige Art in dieser Schicht, fand ich das Granidium von Calicoscutellum sp., ein Granidium von Cyphaspis sp., einen eingerollten, vollständigen Drotops armatus (Breite Granidium 20 mm) und einen weiteren Drotops armatus ( Breite Granidium 9 mm). Ferner habe ich einen Drotops armatus (Breite Granidium 33 mm). Das Granidium der häufigen und großen Exemplare beträgt 50 bis 60 mm. In dieser "Drotopsformation" ist also die ontogenetische Entwicklung zum Teil belegbar. Dass es auch Riesenpacopiden in der Eifel gibt, zeigt ein Fund von der ehemaligen Fundstelle "Streif" in Weinsheim (?Pedinopariops (Hypsipariops). Ihre Größe steht den Riesen von Maider nicht nach.Ach ja, sicherlich habt ihr schon viele Trilobiten präpariert. Es zeigt sich, leider zu häufig, dass einige Telte Fehlen, z. B. Stacheln und das Pygidium. Am häufigsten fehlt die rechte Freiwange. Warum nur???


Hallo Nautilus,

ei, ich sehe gerade dass du uns ein Bild eingestellt hast. Dass nenne ich jetzt mal krass. Tolle Stufe. Denke mal dass es sich beim Cyphaspis um Cyphaspis walteri handelt, der ja aus dem Cyphaspis-Horizont direkt oberhalb der Drotops armatus-Lage bekannt ist.

Also ich denke mal dass was du da bekommen hast, dürfte ziemlich einmalig sein. Herzlichen Glückwunsch, da ist ja ein ganzer Trilobitenreigen versammelt und man erkennt in der Tat auch den Kleinen aufgrund seiner Stacheln gleich als Drotops, zumindest den direkt unterm Kopf;-) Der 2. Kleine könnte eventuell auch was anderes sein, aber man kann auf dem Bild leider nicht grossartig Merkmale erkennen. Vielleicht kriegst du ja ne Makroaufnahme vom Winzling hin. So sieht er mehr nach einem Geesops aus, aber Drotops gehört ja zu den Geesopini, also einer Gruppe (Tribus) innerhalb einer Familie oder besser Unterfamilie.

Also, vielen Dank fürs Zeigen, tolles Stück.

lg,
Jens
Was wäre die Welt ohne Trilobiten.
:267: :240: :272:

Michael

The Inner Circle

Beiträge: 2 826

Registrierungsdatum: 16. Februar 2007

Wohnort: Oberfranken

  • Nachricht senden

8

Donnerstag, 16. Oktober 2014, 12:53

Hi,
Diethelm, danke für die Info, wäre echt toll wenn es klappen würde, dass Du die Viecher mal fotografieren könntest. Ich komme leider nicht in Eure Gegend...

Nautilus,-
wow, was für eine tolle Stufe, das Stück ist echt der Oberhammer... Besonders der eingerollte Drotops ist klasse, die anderen auch. Echt eine einmalige Ansammlung diverser Trilobiten, da hat es sich aber definitiv gelohnt, das Cranidium von unten freizulegen. Was wohl die Trilobiten zu Lebzeiten (bzw. Sterbezeit...) unter das große Cranidium verschlagen hat ? Wenigstens die vollständigen Exemplare sind ja wohl gestorbene Tiere und keine Exuvien... Vielleicht so etwas ähnliches vom Verhalten wie die kleinen Trilos aus dem Kambrium Tschechiens unter den großen Paradoxiden- Cranidien ? Allerdings liegen die bei Deinem Stück wohl kreuz und quer, wohl eher doch zusammen mit dem großen Kopfschild verschüttet und dann gestorben...
Jedenfalls ein geniales Stück, habe erst gar nicht gemerkt, dass Du das bei Deinem Beitrag eingebaut hast. Vielen Dank, dass wir dieses hier im Forum zu sehen bekommen !
:117:


lG
Micha

nautilus

Nutzer

  • »nautilus« ist der Autor dieses Themas

Beiträge: 43

Registrierungsdatum: 1. August 2014

  • Nachricht senden

9

Sonntag, 19. Oktober 2014, 16:52

Beitrag "Alles eine Größe"

Auch der kleine Trilobit (Breite Granidium 8 mm) ist Drotops armatus. Die Präparation war schwierig, da man nicht wußte, ob der eingesetzte Stichel auf eine Excuvie trifft. Bei dem kleinen Drotops zerbrach die Schale, als der Stichel die überdeckende Gesteinsschicht wegsprengte. Doch konnten am Rest unter dem Mikroskop noch die typischen Merkmale festgestellt werden. Es ist somit der kleinste bekannte Drotops armatus. (Glaube ich :190: )

Jens

Moderator

Beiträge: 3 791

Registrierungsdatum: 18. März 2007

Wohnort: HGW, momentan Jura, Schweiz

Beruf: Geologe

  • Nachricht senden

10

Montag, 20. Oktober 2014, 09:22

Hi Ulrich,

oki, danke dir für die zusätzlichen Infos. So ein kleiner Drotops ist wahrlich nicht einfach freizulegen, 8mm Breite ist ja nicht wirklich viel. Hast du den HW-1 genommen oder den 80iger, die sind recht schonend was die Vibrationen betrifft.

Kannst du uns auch noch verraten, was die typischen Merkmale eine juvenilen Drotops sind. Könnte mir beim armatus vorstellen, dass da zwei kräftige Knoten auf der Spindel von Thorax und Pygidium zu sehen sind (naja, bei winzigen sieht man das Pygidium ja nicht, aber es wäre zu erwarten).

Und wie sieht es denn eigentlich mit dem grossen Kopfschild aus, zeigt es die typischen Merkmale von Drotops armatus ?

Magst du den gestreckten Gerastos mal gross zeigen, vielleicht kann man ihn dann bestimmen.

lg,
Jens
Was wäre die Welt ohne Trilobiten.
:267: :240: :272:

Jens

Moderator

Beiträge: 3 791

Registrierungsdatum: 18. März 2007

Wohnort: HGW, momentan Jura, Schweiz

Beruf: Geologe

  • Nachricht senden

11

Montag, 17. November 2014, 12:21

Hi Nauti,

kriegst du beim kleinen Drotops noch eine Grossaufnahme vom Auge hin, mich interessiert wie die Sehfläche bei juvenilen Material aussieht. Eher wie Geesops? Sind schon richtig ausgebildete Skleren um die Linsen vorhanden oder kommt dass erst wenn der Drotops gross wird.
Wenn du magst kannst du ja zum Vergleich vom Grossen auch noch mal das Auge zeigen.

lg,
Jens
Was wäre die Welt ohne Trilobiten.
:267: :240: :272:

Ähnliche Themen