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Eine Trilobiten-Rekonstruktion

Olenoides serratus (ROMINGER, 1887) - Ein Modell von Leif Beckmann

Es ist eine Sache, sich aus den Beschreibungen und schematischen Skizzen auf unserer Morphologie-Seite ein Bild eines lebenden Trilobiten samt seiner fossil fast nie erhaltenen Weichteile zu machen. Es ist eine ganz andere Sache, wenn man ein sehr genaues, dreidimensionales Modell bestaunen kann, wie es Leif Beckmann in aufwendiger und liebevoller Arbeit vor kurzem fertiggestellt hat.

Leif hat sich großzügig bereit erklärt, die von ihm gemachten Bilder seines Modell-Trilobiten hier auf trilobita.de unseren interessierten Lesern zu Verfügung zu stellen, und ich bin davon überzeugt, daß die hervorragenden Aufnahmen seines Olenoides eine große Bereicherung für unsere Webseite und ihre Besucher darstellen. Erstmals bei den Steinkernen im Rahmen eines Berichts veröffentlicht, stellen wir Leif hier gerne ein dauerhaftes Heim für seine aussergewöhnliche Arbeit zu Verfügung.

Auch wenn wir hier natürlich nur zweidimensionale Bilder seines 3D-Modells zeigen können, tut das dem hinterlassenen Eindruck keinen Abbruch. Wir haben hinter den unten gezeigten Fotos zusätzlich deutlich größere Originale hinterlegt, die sich über einen Klick auf das jeweilige Bild als separates Browserfenster öffnen. Der Text stammt ebenfalls von Leif, er wurde etwas gegenüber dem Steinkern-Bericht erweitert und ergänzt.

Und nun viel Freude mit den Bildern von Leifs Olenoides serratus, für dessen Bereitstellung wir uns nochmals in aller Form bedanken möchten! Danke! Alle Bilder © 2009 Leif Beckmann


Olenoides serratus
Abb. 1 - Hier musste der Teppich mal als kambrischer Meeresboden herhalten! ;-)

Olenoides ist ein kleiner Trilobit des mittleren Kambriums und damit ca. 505 Millionen Jahre alt. Er gehört zur Ordnung der Corynexochida und zur Familie der Dorypygidae.

Bekannt wurde diese Art durch seine außergewöhnlich gut erhaltenen Fossilien aus dem Burgess Shale in den kanadischen Rocky Mountains von British Columbia, bei denen sogar die Antennen, Kiemen und Beine erhalten sind. Zwar sind sie auch nur wie eine Art Schatten im schwarzen Schiefergestein erhalten, aber dennoch liefern sie ein sehr gutes Bild dieser leider nur so selten erhaltenen Weichteile.

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Olenoides war eigentlich nicht meine erste Wahl für ein Modell, da ich nur wenige Fotos von versteinerten Exemplaren auftreiben konnte und es viel interessantere und besser erhaltene Arten aus Russland, den USA und Marokko gibt, bei denen sich auch mehr Fotos als Vorlage finden lassen. Leider ist bei diesen Arten absolut nichts über die Anzahl und das Aussehen der Beine bzw. der ganzen Ventralseite bekannt. Trotzdem fand ich Olenoides serratus interessant, da diese Art mit dem großen Kopfschild mit seinen zwei langen Wangenstacheln an der Seite sowie dem einfach stachelig – segmentierten Körper für mich dem „klassischen“ Aussehen eines Trilobiten entspricht, das von Kindheit an meine Vorstellung von diesen Tieren geprägt hat.

Wie schon bei meinem Ammonitenmodell habe ich mir wieder einen Experten als Berater gesucht und in Dr. Sam Gon III vom The Nature Conservancy of Hawaii gefunden. Sam ist ein wirklicher Trilobitenexperte, dessen großartige Homepage die meisten Trilobiteninteressierten sicher schon kennen http://www.trilobites.info. Er hat mich sehr geduldig zu jedem Detail des Modells beraten.

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Olenoides in Seitenansicht
Abb. 2 - So könnte er ausgesehen haben, als er über den Meeresboden lief.

Olenoides - der dorsale Panzer
Abb. 3 - Hier fehlen dem Modell noch die Beine, Kiemen und Antennen. Es zeigt aber den üblichen Erhaltungszustand von Trilobiten, bei denen nur der dorsale Panzer versteinert ist.

Mit Sams Unterstützung ist schließlich innerhalb eines Jahres dieses Modell entstanden. Die einzelnen Teile wurden aus Modelliermasse geformt, mit Silikon abgeformt und aus Polyurethanharz gegossen. Es war mir sehr wichtig, daß dieses Modell sehr originalgetreu wurde und möglichst keine Details fehlen sollten, wenn man schon mal so viel Arbeit und Zeit investiert ... Beim Maßstab musste ich aber etwas schummeln, Olenoides wurde nur etwa 10 cm lang, das Modell misst (ohne Antennen) etwa 26 cm.

Die Gesamtlänge mit Antennen beträgt hier satte 57 cm, das Modell ist 19 cm breit und hat eine Höhe von ca. 12 cm.

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Das Hypostom

Das Hypostom befand sich auf der Unterseite am vorderen Rand des Cephalon (Kopfschild) über der Mundöffnung. Seine Funktion steht im Zusammenhang mit der Ernährung der Trilobiten, es gibt sehr verschiedene Hypostom-Sorten die sich in Form, Größe und der Position am Cephalon unterscheiden. Einige Hypostome waren spitz geformt und man kann sich gut vorstellen wie ein Trilobit seine gefangene Beute, einen Wurm zum Beispiel oder einen anderen kleineren Trilobiten, gegen die Stacheln quetschte um seine Schale zu knacken. Ob das Hypostom noch eine andere Funktion besaß ist nicht so ganz klar, denn es gab sie auch in abgerundeten Formen und verschieden Größen, die zum Töten von Beute eher ungeeignet scheinen.

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Das Hypostom
Abb. 4 - Hier erkennt man das Hypostom, welches über der Mundöffnung sitzt und die Basis der Antennen überdeckt.
Die Kiemen
Abb. 5 - Ansicht von unten: Gut zu sehen sind die roten Kiemen, die gut geschützt zwischen dem Panzer und den stacheligen Beinen sitzen.

Die Kiemen

Dieser Trilobit hatte insgesamt 32 Beine. an deren Basis sich jeweils eine mit einem Gelenk verbundene Kieme befand. Das Tier verfügte also über 32 recht große Kiemen. Man vermutet, daß der Weichkörper der Körperunterseite wie die Kiemen stark durchblutet waren und wie eine zusätzliche riesige Kieme funktionierte, ein deutlicher Hinweis auf einen sauerstoffarmen Lebensraum.

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Beine mit Kiemen
Abb. 6 - Beine mit Kiemen.

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Kiemen
Abb. 7 - Die Weichkörperfläche als stark durchblutete, zusätzliche Riesen-Kieme.

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Die Beine

Sehr auffällig sind die ausgeprägten Stacheln auf der Unterseite der Beine, sie dienten wohl dazu Beute festzuhalten und zu töten. Die Stacheln der Gnathobase (gnathos = Kiefer), also des ersten, großen Beinsegments, konnten die Nahrung zerreißen und zerkleinern, indem die beiden gegenüberliegenden Gnathobasen gegeneinander bewegt wurden. Die Nahrungspartikel könnten so über die Gnathobasen dann nach vorne bis zur Mundöffnung weitergereicht werden. Zumindest ist das eine der gängigen Annahmen weshalb Olenoides derart viele Stacheln an den Beinen hatte. Sicher dienten sie aber auch als Schutz gegen andere Raubtiere um die ungepanzerte Körperunterseite zu schützen.

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Gnathobase
Abb. 8 - Das in Segmente unterteilte Bein mit den Stacheln auf der Unterseite und links das erste große Beinsegment (Gnathobase).

Beine
Abb. 9 - Noch ein paar Beine in verschiedenen Größen.

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Unterseite mit Beinen
Abb. 10 - In dieser Ansicht sind die vielen stacheligen Beine am Modell gut zu erkennen.

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Unterseite mit Beinen
Abb. 11 - Die Beine mit Stacheln im Detail. Selbst feine Büschel von Borsten auf der Außenseite der Beine sind im kanadischen Burgess Shale erhalten geblieben, sie sind hier am Modell nur angedeutet und etwas schwer an ihrer ockerbraunen Farbe zu erkennen.

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Unterseite vorne
Abb. 12 - Eine weitere Detailaufnahme des vorderen, ventralen Bereichs mit Hypostom und biramen Extremitäten.

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Die Augen

Olenoides verfügte, wie die meisten Trilobiten, über holochroale Augen. Sie bestanden aus winzigen, glasklaren Kalzitkristallen die dicht zusammengepackt standen. Diese Kristallaugen sind einzigartig, kein anderes Lebewesen verfügt über einen solchen Sehapparat. Wie die Facettenaugen der Insekten lieferte jede Linse ein kleines Einzelbild welches vom Gehirn zu einem großen zusammengesetzt wurde. Viele Insekten haben metallisch schimmernde Augen, das könnte auch bei Olenoides der Fall gewesen sein, darum habe ich die ursprünglich schwarzen Augen noch mal etwas verändert.

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Die Augen von Olenoides
Abb. 13 - Leider waren diese Facetten viel zu klein um sie für das Modell modellieren zu können.
Hintere Antennen
Abb. 14 - Foto der hintere Antennen.

Die Antennen

Olenoides ist, soweit mir bekannt, der einzige Trilobit von dem man weiß, daß er vier Antennen hatte, ein Paar vorne am Cephalon und ein Paar hinten am Pygidium. Sicherlich waren die Antennen sehr empfindliche Sinnesorgane. Dieser kleine Trilobit wollte wohl jede Bewegung im Wasser um sich herum wahrnehmen, Könnte das ein Anzeichen für viele Fressfeinde sein?

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Farbe

Der Lebensraum unseres Trilobiten war der schlammige Boden des warmen und flachen kambrischen Meeres. Farbpigmente haben sich dort leider nicht erhalten, also ist die Färbung im Endeffekt auch nicht mehr als geraten, aber das Farbmuster könnte auf dem Schlammboden einen Tarneffekt erfüllen. Es wäre aber genau so gut denkbar, daß Olenoides z. b. einfarbig braun war oder daß es verschiedenfarbige Varianten gab, je nach Region in der sie lebten. Vielleicht war er aber auch knallbunt wie viele Tiere der heutigen tropischen Meere, wer weiß?

Farbentwurf
Abb. 15 - Keine größere Abbildung!
Farbvarianten
Abb. 16 - Zwei Farbvarianten am Modell.

Die Bemalung ist mir nicht allzu toll gelungen, und ein paar Dinge sind nicht so ganz zu meiner Zufriedenheit, aber das war halt mein erster Trilobit. Ich hoffe es ist trotzdem ein brauchbares Modell geworden, das ein wenig das Aussehen dieser faszinierenden Tiere wiedergibt.

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Drei Farbvarianten
Abb. 17 - Drei mögliche Farbvarianten für Olenoides serratus

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Olenoides serratus
Abb. 18 - Der Panzer in dorsaler Ansicht mit vorderen und hinteren Antennen.

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Olenoides serratus
Abb. 19 - Olenoides serratus (ROMINGER, 1887) Das vollständige Tier im Anmarsch!

(ins Bild klicken für Großaufnahme in separatem Browserfenster - 1600 x 874 px)

Dieser kleine Bericht soll nur einen kleinen Einblick zu diesem speziellen Trilobiten geben. Wer mehr und umfangreichere Informationen sucht, dem kann ich nur die Homepage von Sam Gon und die von trilobita.de empfehlen.

Mein Besonderer Dank für seine Hilfe gilt Sam Gon III - thanks a lot, Sam!

Danke für euer Interesse und viele Grüße an alle Trilobitenfreunde!

Leif

Literatur und Links:

Trilobites von Riccardo Levi-Setti (Englisch) The University of Chicago Press. ISBN: 0-226-47451-8

Trilobiten von Richard Fortey (Deutsch) dtv Verlag, 2004. ISBN: 3-423-34111-4

http://www.trilobites.info

http://www.trilobita.de

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Letzte Aktualisierung: Samstag, 30.01.2010 18:26

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